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Aktuelles - November 2015

„Vorhang auf für die Forschung!“

1. Hagener Soziologietage zeigten, was hinter den Kulissen geschieht

„Vorhang auf für die Forschung!“ Das war das (unausgesprochene) Motto der „1. Hagener Soziologietage“: Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Soziologie hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um Studierenden, Studieninteressierten, Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, was sie hinter den Kulissen der FernUni-Lehre sonst noch tun: Sie forschen und treiben im Rahmen ihrer Qualifizierung eigene soziologische Projekte voran.

Prof. Dr. Sylvia Marlene Wilz sparte als Geschäftsführende Institutsdirektorin bei der Eröffnungsrede nicht mit Anerkennung für die Idee und das spannende Programm.

Den Startschuss gab die Bochumer Wissenschaftlerin Bernadette Möhlen. Sie bewies beim Science Slam, dass Wissenschaft in ihrer Ernsthaftigkeit keinen Schaden nehmen muss, wenn sie mit einem gehörigen Schuss (Selbst-)Ironie präsentiert wird: „Hallo, mein Hilfsmittel ist mein Körper – ich spreche heute über Schönheit. Wie Sie sehen bin ich prädestiniert dafür…“ Nach diesem Input diskutierten die Professorinnen und Professoren des Instituts, was die Soziologie zum Thema Schönheit zu sagen hat. Moderiert wurde die Abendveranstaltung von Dr. Franka Schäfer stellvertretend für die Mitwirkenden Hagener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die „sich in den letzten Monaten Gedanken gemacht haben, wie man einem größeren Publikum vor Augen führen, was wir Hagener Soziologinnen und Soziologen eigentlich so tun, wenn wir Soziologie ‚machen‘.“

Der nächste Tag begann mit einer Vorlesung zur Optimierung des Selbst von Prof. Vormbusch. In Seminarsitzungen gaben die Hagener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in ihre Arbeitsfelder: Annemaria Köhler diskutierte, wie die Klinische Soziologie den Alltag in psychiatrischen Kliniken sieht, während Nora Hardick und Dr. Melanie Roski sich der Frage stellten, ob soziale Prozesse in Organisationen verändert werden, wenn die Frauenquote „droht“. Die Mittagsvorlesung hielt Prof. Sylvia Wilz über die auch kuriosen Folgen von Brandschutzverordnungen. Sascha Bark überlegte gemeinsam mit den Teilnehmenden am Nachmittag, wie man sich einem Forschungsgegenstand wie „Kriegen und Konflikten“ nähert, denen man sonst ja lieber fern bleibt. Und Carsten Kaiser gab Einblicke in die Soziologie sozialer Online-Netzwerke. Die Abendvorlesung von Prof. Frank Hillebrandt legte die theoretische Grundlage für die Performance der Münsteraner Band „Back to Basics“, die die Anwesenden die Wirkmacht der Praxis des Rock und Pop am eigenen Leib erfahren ließ.

Am letzten Tag übten die Teilnehmenden mit Dr. Thomas Matys die Eigenarten des wissenschaftlichen Hörens, Sagens, Schreibens, Lesens und Fragens ein. Im Kampf um die angemessene Methode stieg der qualitative Forscher Dr. Patrick Heiser mit dem quantitativ Forschenden Dr. Markus Tausendpfund in den Ring und Annemarie Köhler zeigte mit Jun.- Prof. Dorett Funcke, welche Bedeutung Sitzordnung, Klingelschild oder Beobachtungsprotokoll in der fallrekonstruktiven Familienforschung haben.

Die 80 Teilnehmenden konnten aktiv in einer sehr kollegialen und konstruktiven Atmosphäre erfahren, wie die Grundlage der soziologischen Lehre, nämlich die Forschung, zu ihren Ergebnissen kommt und was es heißt, die Welt aus soziologischer Perspektive zu sehen.

Dass öffentliche Soziologie, wie sie die Hagener Soziologinnen und Soziologen mit dem Blick hinter die Kulissen gewagt haben, gut funktionieren kann, zeigte die abschließende Podiumsdiskussion. Dass diese Unternehmung neben viel Arbeit auch sehr viel Spaß bereiten kann, bilanzierte Franka Schäfer und machte nach positivem Feedback Nägel mit Köpfen: „Jetzt können wir ja gar nicht anders, als das Experiment Soziologietage weiter zu führen, weiter zu forschen und Sie bald zu den 2. Hagener Soziologietagen einzuladen!“

Gerd Dapprich | 10.11.2015
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