Grenzen ziehen, Grenzen wahren

Über „Die Grenze als Wesen und Wirkung des Rechts“ referiert Prof. Josef Isensee in einer Veranstaltung der Vortragsreihen Europäische Verfassungswissenschaften und Colloquia Iuridica.


Vortrag in der FernUniversität am 15. Dezember

Die Funktion des Rechts ist es, Grenzen zu ziehen und zu wahren: Grenzen zwischen den Individuen, zwischen diesen und dem Staat, zwischen den Staaten. Sie schließen ein und schließen aus. Über „Die Grenze als Wesen und Wirkung des Rechts“ referiert Prof. Dr. Dres. H.c. Josef Isensee, Bonn, am Dienstag, 15. Dezember, in einer gemeinsamen Veranstaltung der Vortragsreihen Europäische Verfassungswissenschaften und Colloquia Iuridica. Veranstalter sind das Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV) und Rechtswissenschaftliche Fakultät. Beginn ist um 17 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3. Einführende Worte spricht Prof. Andreas Haratsch, FernUniversität, der die Veranstaltung im Hagener Forschungsdialog der FernUniversität in Hagen auch moderiert.

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Die Funktion des Rechts ist es, Grenzen zu ziehen und zu wahren: Grenzen zwischen den Individuen, zwischen diesen und dem Staat, zwischen den Staaten. Grenzen sind ambivalent. Sie schließen ein und schließen aus. Sie hegen nach innen, und sie schützen nach außen, aber sie engen auch ein und wehren ab. Sie können Freiheit wie Unfreiheit erzeugen. Der rechtlichen Grenzen bedarf es, wo widersprüchliche Interessen aufeinanderstoßen, wo das Begehren sich an der Knappheit der Güter bricht und auf die Enge des Raumes stößt, wo Streit droht und Enttäuschung möglich ist. Es gibt keine grenzenlosen subjektiven (Grund-)Rechte, weil die rechtliche Freiheit des einen dort endet, wo die rechtliche Freiheit des anderen beginnt. Das Recht stößt seinerseits auf Grenzen. Es bildet nur eine Teilordnung des gesellschaftlichen Lebens, und es überhöbe sich, wollte es die Totalität des Lebens erfassen.

Prof. Dr. Dres. H.c. Josef Isensee, geboren 1937, habilitierte sich für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht sowie Steuerrecht. 1971 bis 1975 war er ordentlicher Professor an der Universität des Saarlandes für Staats- und Verwaltungsrecht. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2002 war er Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Gerd Dapprich | 12.11.2015