Europäische Fernuniversitäten verabschieden „Hagen Message“

„Wir brauchen mehr Angebote für berufsbegleitende Weiterqualifizierung durch die Universitäten“, unterstreicht FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer eine Forderung der internationalen Konferenz.


EADTU-Konferenz spricht sich für „Short Learning Programmes“ aus

Mehrere Personen sitzen an einem Tisch nebeneinander: Auch FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer (3.v.li.) sprach zum Abschluss der EADTU-Konferenz.
Auch FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer (3.v.li.) sprach zum Abschluss der EADTU-Konferenz.

Digitalisierung hält das Bildungssystem in Bewegung. Über die Chancen, die neue Technologien vor allem für das Fernstudium bieten, tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen aus 26 Nationen auf einer internationalen Konferenz an der FernUniversität in Hagen aus. Die European Association of Distance Teaching Universities (EADTU) traf sich unter dem Motto „Transforming higher Education in the 21st Century; innovating Pathways to Learning and continuous professional Education“ zu Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen.

Künftige Rolle der Universitäten

„Akademische Bildung findet längst nicht mehr ausschließlich in traditionellen Institutionen wie Universitäten statt. Durch das Internet haben wir Zugriff auf Online-Kurse mit wissenschaftlichen Inhalten. Wenn wir kurzfristig Input brauchen, eignen wir uns schnell notwendige Kenntnisse durch Videos oder andere digitalisierte Anleitungen aus dem Netz an“, skizzierte FernUni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer zu Beginn der Tagung.

Daraus ergeben sich Fragen, die die Bildungsexpertinnen und -experten auf der Konferenz diskutierten: Welche Rolle also fällt zukünftig traditionellen Bildungseinrichtungen zu? Wie entwickeln sich Universitäten? Neben der Wissensvermittlung wird es vermehrt auch um die Anrechnung außeruniversitär erworbener Leistungen und um die Zertifizierung von Kenntnissen gehen. Notwendig sind und werden Flexibilität und Integrationsleistungen. Hierfür müssen – auch durch die Politik – Strukturen geschaffen werden.

Ein Bogen Papier liegt auf einem Knie: Die EADTU-Konferenz hat ihre Arbeitsergebnisse in der „Hagen Message“ formuliert.
Die EADTU-Konferenz hat ihre Arbeitsergebnisse in der „Hagen Message“ formuliert.

Botschaften der EADTU

Diese Überlegungen flossen ein in die abschließende „Hagen Message“, die die EADTU am Ende der zwei Tage verabschiedete. Prof. mr. Anja Oskamp betonte als Präsidentin der EADTU, dass die europäischen Fernuniversitäten aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen im E-Learning-Bereich eine führende Rolle darin übernehmen können, die notwendigen Entwicklungen für die Zukunft mitzugestalten.

In den Mittelpunkt der „Hagen Message“ stellte die EADTU ihre Unterstützung für die Initiative der EU, „Short Learning Programmes“ einzuführen: Studienangebote, die nach einem kurzen Zeitraum mit einem Zertifikat oder einem Zeugnis abschließen. „Jede und jeder Zweite geht heutzutage nicht im ursprünglichen Ausbildungsberuf in Rente“, unterstrich Rektor Hoyer. „Wir brauchen verstärkt universitäre Weiterqualifizierung, die in einem Abschluss mündet. Aber nicht alle wollen einen zweiten Bachelor- oder Master-Titel erwerben.“ Insbesondere die Fernuniversitäten können auf diese Anforderungen für berufsbegleitendes Lernen mit maßgeschneiderten Konzepten reagieren.

Online bereitgestellte Inhalte und Kurse haben das Angebot an offener Bildung (Open Education) immens erweitert. Diese leistet einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Open Education bildet eine der drei Hauptsäulen für die zukünftigen Entwicklungen in der Hochschulbildung. Der Verbreitung von Blended Learning Konzepten durch die Integration von digitalen Medien und Online-Lernen in die Lehre sowie die wachsende Bedeutung von Weiterbildung und Wissenstransfer in Unternehmen sind die beiden anderen Säulen. Diese Bereiche, so die Prognose, werden stark expandieren.

Mit flexiblen Lernangeboten reagieren die Fernuniversitäten nicht nur auf die wachsenden Erwartungen ihrer Studierenden, sondern auch auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse wie den Zustrom von Flüchtlingen. „Zugang zu Bildung“, so die „Hagen Message“, „ist grundlegend für die Eingliederung in die Gesellschaft.“

Ein weiterer Punkt der „Hagen Message“ ist das Bekenntnis der Mitgliedsuniversitäten innerhalb der EADTU, in den Bereichen Forschung und Entwicklung stärker zu kooperieren – vor allem zu Themen wie Online-Lernen und Flexibilität in der Bildung.

„Der Titel der EADTU-Konferenz ,Innovative Wege für Lernen und Weiterbildung‘ bedeutet für mich auch“, machte FernUni-Rektor Helmut Hoyer deutlich, „Synergien zwischen den Institutionen herbeizuführen und klug für unsere Bildungslandschaft zu nutzen.“

Anja Wetter | 05.11.2015