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Aktuelles - November 2015

Vom Lernen an Nicht-Orten

Achter Mobile Learning Day an der FernUniversität

Drei Personen stehen um ein Redepult: Christina Gloerfeld, Prof. Claudia de Witt und Maciej Kuszpa (alle FernUniversität) stellten ihre Studie „10 Jahre Mobile Learning in Unternehmen“ vor. (Foto: Bernd Müller)
Christina Gloerfeld, Prof. Claudia de Witt und Maciej Kuszpa (v.li., alle FernUniversität) stellten ihre Studie „10 Jahre Mobile Learning in Unternehmen“ vor. (Fotos: Bernd Müller)

Lernen und Arbeiten ohne Ende – wie gesund ist das? Diese Frage stand mehrfach im Raum beim achten Mobile Learning Day, der unter Leitung von Prof. Dr. Claudia de Witt (Forschungsgruppe Mobile Learning) und im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs stattfand. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich in der Debatte um die aktuelle Situation und die Zukunft des Lernens auf den neuesten Stand – bei Vorträgen, einer Failure Session und einem Mobile Learning Slam. „Der potenzielle Nutzen und Mehrwert liegt weiterhin in dem allgegenwärtigen Zugang zu Informationen, Wissen und Kommunikation auf einem personalisierten und damit stark vertrauten Endgerät“, ordnete De Witt in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Mobile Learning ein.

Internetanschluss statt Heimatgefühl

In seinem Eröffnungsvortrag skizzierte Prof. Dr. Uwe Vormbusch (Lehrgebiet Soziologische Gegenwartsdiagnosen) das Lernen in entgrenzten und mediatisierten Gesellschaften. Vormbusch konzentrierte sich auf die Flexibilität des mobilen Lernens, das unabhängig von Zeit und vor allem Raum macht. Vormbusch bezeichnete es als „Lernen an Nicht-Orten“. „Es sind Räume des Transits. Sie bieten keine Heimat, sondern einen Internetanschluss“, so Vormbusch. „Aber – können sie den stabilen Kontext zum Lernen herstellen?“

Der Wissenschaftler sieht durchaus die Vorteile des flexiblen Lernens: „Die Fernuniversität erreicht Bevölkerungsgruppen, die sonst von universitärer Bildung ausgeschlossen wären.“ Allerdings, wendete er kritisch ein, müsse das Lernen in die ohnehin schon engen „Lebensführungsalltag“ integriert werden. In der sich anschließenden Diskussion regte Vormbusch an: „Ich wünsche mir Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen, die eine zunehmende Durchmischung von Arbeits- und Lebenszeit hat.“

Per App zum Arbeitseinsatz

Ein wichtiges Thema der Konferenz waren das „Internet der Dinge“ bzw. das unsichtbare Internet, bei dem Geräte mit anderen Geräten kommunizieren. „Die Unsichtbarkeit von technischen Veränderungen und Funktionalitäten führt“, so de Witt, „zu bisher noch nicht bekannten Auswirkungen, die unter anderem mit steigender Selbstvermessung, zunehmendem Verlust an Privatheit sowie neuen Dimensionen von Kontrollprozessen verbunden sind, insbesondere in der Arbeitswelt.“

Wie der rasante Strukturwandel zu einer „Entgrenzung der Arbeit“ mit gesundheitlichen Folgen führt, stellte Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales als Moderator der Veranstaltung vor. Als besonders belastend empfunden wird der steigende Termin- und Leistungsdruck sowie die ständigen Unterbrechungen der Arbeit durch Anforderungen, die aus dem Einsatz neuer Technologien erwachsen.

Potenziale mobilen Lernens

Die mobilen Potenziale des Lernens 4.0 zeigte Alexander Kiy von der Universität Potsdam auf, die den Studieneinstieg und die -organisation unterstützen. Aus der industriellen Praxis berichteten Malte Seidel über Barrieren und Strategien im Einsatz mobiler Medien sowie Werner Müller über den Einsatz der Learning Toolbox im Bausektor. Die Erfahrungen mit Social Augmented Learning in der beruflichen Bildung schilderte Christian Dominic Fehling von der Bergischen Universität Wuppertal.

Einige Ergebnisse ihrer Studie „10 Jahre Mobile Learning in Unternehmen“ stellten Christina Gloerfeld, Maciej Kuszpa und Prof. Claudia de Witt (alle FernUniversität) vor. Dabei zeigte sich, dass Situationen mobilen Lernens 2015 eher in Leerphasen während der Arbeit als in der Freizeit oder in Wartezeiten als sinnvoll eingeschätzt werden, innovative Technologien weitgehend nicht bekannt und für didaktische Konzepte noch längst nicht ausgeschöpft sind.

Failure Session und Science Slam

Ungewohnt offen sprachen Unternehmen über Fehlschläge bei der Entwicklung mobiler Lernangebote und zeigten, wie man trotz bester Absichten daneben liegen kann. Genau ins Schwarze trafen die kreativen Vorstellungen der Slammer – passend zum Abschluss des Tages.

Anja Wetter | 09.11.2015
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