Kindheits- und Jugendforschung für die Bundesregierung

Prof. Cathleen Grunert leitet das Lehrgebiet Allgemeine Bildungswissenschaft an der FernUniversität.


Wissenschaftlerin bringt ihr DFG-Projekt „Erziehungswissenschaft im Bologna-Prozess" mit nach Hagen

Teambild
Das kleine Team des Lehrgebiets Allgemeine Bildungswissenschaft wird wachsen (v.l.): Anneke Bruning, Karen Vois, Cathleen Grunert und Katja Ludwig.

Marburg oder Hagen? Prof. Dr. Cathleen Grunert hatte die Wahl. „Ich habe mich bewusst für die Professur an der FernUniversität entschieden“, sagt die neue Leiterin des Lehrgebiets Allgemeine Bildungswissenschaft. „Die zeitliche und räumliche Flexibilität und die Möglichkeit, auch während des Semesters zu forschen, haben den Ausschlag gegeben.“

Die Freiräume an der FernUniversität in Hagen nutzt sie für ihr von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt „Erziehungswissenschaft im Bologna-Prozess“, das sie mitgebracht hat. Flexibel muss Cathleen Grunert auch im Auftrag der Bundesregierung sein. Als Sachverständige ist sie intensiv in die Erstellung des 15. Kinder- und Jugendberichts eingebunden. Zudem schafft sie sich als Mutter eines neunjährigen Sohnes Freiräume für ihre in Halle an der Saale lebende Familie.

Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Dort liegen auch die Wurzeln ihrer wissenschaftlichen Karriere. An der Universität Halle-Wittenberg hat Cathleen Grunert studiert, promoviert und sich habilitiert. Dort hat sie sich einen Namen als Expertin in der Kindheits- und Jugendforschung erarbeitet. Ihre Sicht bringt sie nun in den 15. Kinder- und Jugendbericht ein, der im Frühjahr 2016 der Bundesregierung vorgelegt wird. „Dieser befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – im Spannungsfeld von Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten“, erklärt sie.

Portrait Cathleen Grunert
Prof. Cathleen Grunert hat die Leitung des Lehrgebiets Allgemeine Bildungswissenschaft übernommen.

Auch an der FernUniversität soll die Kindheits- und Jugendforschung in der Bildungswissenschaft künftig stärker Berücksichtigung finden. Cathleen Grunert will dazu einen Wahlbereich im Bachelor-Studiengang aufbauen. Zudem betreut sie zukünftig das Modul „Einführung in die Allgemeine Bildungswissenschaft“ und bietet im Master ebenfalls ein Wahlmodul an, möglicherweise zum Thema „Bildungsbiographien in medialen Kontexten“. „Die Lehre hat natürlich Priorität. Wir haben schon viele Ideen, die wir umsetzen möchten“, kündigt sie an.

Entwicklung und Perspektiven

Wie sich die Disziplin insgesamt entwickelt, lotet Grunert in ihrem Projekt „Erziehungswissenschaft im Bologna-Prozess“ aus. Erfasst werden bundesweit alle 62 Standorte, an denen Erziehungswissenschaft als Hauptfach angeboten wird. „Das Feld ist breit und wird zunehmend heterogener. Das spiegelt sich bereits in der unterschiedlichen Bezeichnung der Studiengänge wider – von der Erziehungswissenschaft über Bildungswissenschaft bis zur Pädagogik. Hinzu kommt ein wachsendes Feld an stark spezialisierten Studiengängen“, fasst Grunert zusammen, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Katja Ludwig stemmt. Demnach gibt es verschiedene Typen von Studiengängen, die sich nach ihrer Kombination von Grundlagen-, Forschungs- und Spezialisierungsanteilen unterscheiden. „Nehmen wir das Beispiel Hagen: Der Bachelor ist forschungsbezogen und weist hohe Grundlagenanteile auf. Der Master ist dagegen stark spezialisiert“, richtet Grunert den Blick auf die FernUniversität.

Wie sich Schwerpunkte entwickeln und welche Perspektiven sich für die Disziplin abzeichnen, sind zentrale Fragen des Projekts. Daran anknüpfen könnte zu einem späteren Zeitpunkt eine bundesweite Absolventenstudie zu beruflichen Perspektiven der Studierenden mit dem Hauptfach Erziehungswissenschaft. Ein Thema, das Cathleen Grunert am Herzen liegt, für das sie aber erst wieder neue Freiräume schaffen muss.

Carolin Annemüller | 01.12.2015