„Industrialisierung und Proletariat: Zur Neuvermessung eines alten Terrains“

Referent am 13. Januar ist apl. Prof. Dr. Thomas Sokoll vom Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas der FernUniversität. Alle Interessierten sind willkommen.


Vortrag in den „wissenschaftsgesprächen“ der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften

Das Proletariat ist das unsterbliche Kind der Industrialisierung: Über „Industrialisierung und Proletariat: Zur Neuvermessung eines alten Terrains“ spricht apl. Prof. Dr. Thomas Sokoll vom Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas der FernUniversität in Hagen in den „wissenschaftsgesprächen“ der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften am Mittwoch, 13. Januar 2016 ab 16 Uhr. Veranstaltungsort ist das Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3.

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Zu der Veranstaltung im Hagener Forschungsdialog der FernUniversität sind alle Interessierten willkommen.

Das Proletariat ist das unsterbliche Kind der Industrialisierung. Das gilt zunächst begriffsgeschichtlich, dann aber auch und vor allem forschungsgeschichtlich. Im frühen 19. Jahrhundert verdichtet sich im Begriff des ‚Proletariats‘ die zeitgenössische Wahrnehmung der handarbeitenden Klassen und deren wachsender Verelendung als Folge von Fabrikindustrie und Lohnarbeit. Die klassische Formulierung dieser Diagnose durch Marx und Engels hat zugleich aller weiteren historischen Forschung den Weg gewiesen. Bis heute ringt die moderne Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Industrialisierung um die Beantwortung der im Begriff des ‚Proletariats‘ festgeschriebenen Fragen. Nach einer kurzen begriffsgeschichtlichen Rekapitulation gebe ich einen Überblick über die gegenwärtige Forschung zur Lage der arbeitenden Klassen im Zeitalter der Industrialisierung. Dabei beziehe ich mich vor allem auf England und beschreibe ein Terrain, das zeitlich vom 17. bis zum 19. Jahrhundert reicht und sich thematisch über unterschiedliche Forschungsfelder erstreckt: Pauperismus und Armenpolitik, Proletarisierung und Arbeitsverhältnisse, Lohnentwicklung und Familieneinkommen, Wirtschaftswachstum und demographische Wechsellagen. Neben der gedanklichen Kartierung wird das Terrain auch numerisch erschlossen: durch Graphiken und Tabellen auf der Basis neuer Datenreihen zur historischen Statistik.

Gerd Dapprich | 18.12.2015