Das algorithmische Denken schulen

Neuer Audio-Podcast: Wenn der Informatiker André Schulz einen Ausgleich zum wissenschaftlichen Arbeiten braucht, geht er Badminton spielen oder zum Geocaching in den Wald.


„Fünf Fragen an ...“ Prof. André Schulz

Prof. Dr. André Schulz beherrscht die Sprache der Maschinen. Der Wissenschaftler leitet jetzt das Lehrgebiet Theoretische Informatik an der Fakultät für Mathematik und Informatik der FernUniversität in Hagen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Themen der Algorithmischen und Diskreten Geometrie. Was ihn daran fasziniert und wie er auch mal den Kopf frei bekommt, erzählt er uns im Interview.

Transkript: Fünf Fragen an (…): Prof. Dr. André Schulz

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Liebe Hörerinnen und Hörer,

in unserer Folge „Fünf Fragen an…“ stellen wir Ihnen heute Prof. Dr. André Schulz vor. Mein Name ist Anja Wetter.

Professor Schulz leitet das Lehrgebiet Theoretische Informatik an der Fakultät für Mathematik und Informatik. Fachlich beschäftigen ihn mathematische Rechenmodelle und Gesetzmäßigkeiten.

Herr Schulz, Sie haben, so sieht es zumindest aus, eine nahtlose akademische Karriere hinter sich. Welchen Beruf hätten Sie gewählt, wäre es nicht die Wissenschaft geworden?

Wenn ich nicht in der Wissenschaft geblieben wäre, wäre ich sicher in einem Beruf gelandet, der thematisch auch mit dem zusammenhängt, was ich auch in meiner wissenschaftlichen Laufbahn gemacht habe. Ich hätte mir schon was gesucht mit mathematisch-technischem Hintergrund, vielleicht in der Softwareentwicklung. Das sind ja auch die Themen, die mich faszinieren und da hätte ich dann versucht, mich irgendwie einzuordnen.

Sie tüfteln viel am Rechner, wälzen Probleme und Zahlen hin und her. Was unternehmen Sie zum Ausgleich für die Kopfarbeit?

Das ist ein guter Punkt. man ist wirklich immer sehr bei der Sache und es ist schwer abzuschalten. man denkt immer über die Probleme nach, an denen man gerade arbeitet. Auch zu Hause und deshalb ist dieses Abschalten ganz wichtig. Es gibt nicht nur so eine Tätigkeit, die ich mache. Es sind ganz viele. Manchmal ist es was Passives, ein Buch lesen oder einen Film anschauen. Manchmal braucht man aber auch was aktive Ablenkung, dann gehe ich zum Badminton. Oder in die Natur zum Beispiel, zum Geocaching vielleicht. Was man macht, ist ganz unterschiedlich, hängt auch so’n bisschen von der Stimmung ab.

Wo findet man Sie, wenn Sie unter Menschen sein wollen: eher im Museum oder im Fußballstadion?

Früher eher im Stadion, heute wahrscheinlich eher im Museum. Das hängt von meiner Zeit ab, die ich zur Verfügung habe. Mit der Familie ist das nicht immer ganz so einfach zu vereinbaren. Aber in Zukunft, wen mein Sohn etwas älter ist. kann sich das auch wieder ändern. Also ich finde beides attraktiv. Früher war es eher das Stadion, jetzt eher das Museum. Aber in Zukunft sieht es vielleicht wieder ganz anders aus.

Sie haben im Vorgespräch erzählt, dass Sie von der Algorithmen- und Graphentheorie fasziniert sind. Fragestellungen dazu können Ihnen nicht komplex genug sein. Wie faszinieren Sie andere von Ihrem Fachgebiet?

Das ist nicht ganz so einfach, wenn man in der Theorie arbeitet. Weil die Probleme, an denen man arbeitet, sind oft sehr abstrakt. Um erstmal die Probleme zu verstehen, muss man einiges an Zeit und Gedanken investieren, um dahin kommen und dann noch den Reiz des Problems zu erkennen. Trotzdem habe ich das Glück, dass es einige Themen gibt, an denen ich arbeite, die ganz gut darstellbar sind. Vielleicht nicht die Methoden, die man anwendet, die sind sehr abstrakt. Aber zumindest die Ergebnisse kann man vorführen. das liegt daran: Viele Sachen, an denen ich arbeite, sind geometrisch und geometrische Sachen haben immer eine visuelle Komponente. Die kann man dann zeigen. Themen, an denen ich arbeite, sind zum Beispiel das Entfalten und Entfalten. Da kann man Beispiele zeigen. Auch das Zeichnen von großen Netzwerken. Die Algorithmen zu erklären ist vielleicht ein bisschen kompliziert. Aber die Zeichnung zu zeigen ist dann recht anschaulich für Außenstehende.

Frage von Studierenden:
Welche Aspekte der Theoretischen Informatik halten Sie für geeignet, um sie Schülerinnen und Schülern zu vermitteln und welche Aspekte sind quasi unverzichtbar im Hinblick auf eine Allgemeinbildung?


Ich denke, es ist eine Reihe von Themen aus der Theoretischen Informatik für die Schule interessant. Die Theoretische Informatik ist ein relativ breites Gebiet. Ich denke, es wäre auch wichtig für den Informatikunterreicht in der Schule auch da Schwerpunkte zu setzen. Es würde ein ehrlicheres Bild in der Informatik als Wissenschaft in der Schule zeichnen. Da geht es nicht nur ums Programmieren. Genauso wenig, wie es in der Mathematik nur darum geht, Rechenprobleme zu lösen. Das würde vielleicht auch helfen beim Studienwunsch, bei der Studienauswahl, dass die Schüler dann auch ein echteres Bild von der Informatik als Wissenschaft haben.

Für die Allgemeinbildung würde ich es als erstrebenswert erachten, wenn man den Begriff des Algorithmus behandelt, ihn diskutiert. Auch das algorithmische Denken. Aber auch erklärt, dass es nicht für jedes Problem einen Algorithmus gibt. Das hat formale, logische Gründe. Prägt ja auch so ein bisschen das technische, das informatische Weltbild. Nicht jedes Problem kann man rechnergestützt lösen. Das ist eine Erkenntnis, die auch gut in der Schule vermittelt werden könnte.

Anja Wetter | 15.12.2015