„Die Kirchen und ihr Umgang mit den nationalsozialistischen Tätern“

Die Haltung der Kirchen zu NS-Tätern seit 1945 ist ambivalent. Über das „Schwierige Erbe“ referiert Prof. Dr. Olaf Blaschke (Münster) in Lüdenscheid. Der Eintritt ist frei.


Vortrag in den Lüdenscheider Gesprächen am 13. April

Hagener Forschungsdialog2

​Über ein „Schwieriges Erbe. Die Kirchen und ihr Umgang mit den nationalsozialistischen Tätern“ referiert Prof. Dr. Olaf Blaschke (Neuere und Neueste Geschichte, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) am Mittwoch, 13. April, in den Lüdenscheider Gesprächen des Instituts für Geschichte und Biographie (IfGB) der FernUniversität. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid.

​​Die Haltung der Kirchen zu den nationalsozialistischen Tätern seit 1945 kann nur als ausgesprochen ambivalent bezeichnet werden. In öffentlichen Schuldbekenntnissen machten sich die evangelische und die katholische Kirche weitgehend frei von Mitverantwortung. Sofort distanzierten sie sich wie Pius XII. vom “satanischen Gespenst des Nationalsozialismus”. Zugleich jedoch setzten sie sich für die inhaftierten “sogenannten Kriegsverbrecher” ein. Mehr noch, hinter den Kulissen halfen insbesondere Akteure und Instanzen der katholischen Kirche etlichen NS- Tätern schweren Kalibers, sich zu verstecken oder gar aus Deutschland und Europa mit gefälschten Papieren zu fliehen. Dank der sogenannten “Klosterroute” gelang etwa Adolf Eichmann, dem operativen Organisator der Judenvernichtung, die Flucht über Südtirol nach Argentinien. Auf den bewährten Wegen, von den Amerikanern “Rattenlinie” genannt, entkam auch Klaus Barbie, der Gestapochef in Lyon. Die Beleuchtung dieser beiden Seiten der “Vergangenheitsbewältigung” – zwischen Ablehnung und Vergebung – wirft die Frage auf, ob die Kirchen in den ersten Nachkriegsjahren eine strategische “Vergangenheitspolitik” verfolgten.

Die Lüdenscheider Gespräche finden im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität in Hagen statt. Moderator der Veranstaltung ist apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch (IfGB).

Gerd Dapprich | 11.03.2016