„Die europäische Friedenspolitik der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik“

Den öffentlichen Vortrag hält der FernUni-Historiker Prof. Peter Brandt. Es geht um die Rolle von SPD-Protagonisten in der Weimarer Republik bei der Entwicklung einer neuen Außenpolitik.


Vortrag am 12. Mai: „Nationalstaat, Europa und Weltgemeinschaft im Konzept der SPD“

Um die „Die europäische Friedenspolitik der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik – Nationalstaat, Europa und Weltgemeinschaft im Konzept der SPD“ geht in dem Vortrag, den der Historiker Prof. Dr. Peter Brandt von der FernUniversität in Hagen am Donnerstag, 12. Mai, in der Vortragsreihe Europäische Verfassungswissenschaften hält. Veranstalter ist das Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV). Die Veranstaltung im Hagener Forschungsdialog beginnt um 17 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3. Die Moderation hat apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität.

Illustration

Die Vorstellung einer von der deutschen Sozialdemokratie maßgeblich mitgestalteten westeuropäischen Einigungs- und gesamteuropäischen Entspannungs- und Friedenspolitik ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit ganz auf die 1960er und 1970er Jahre gerichtet. Kaum bekannt ist die – nicht allein konzeptionelle – Rolle von Protagonisten der SPD in der Weimarer Republik bei der Entwicklung einer qualitativ neuen Außenpolitik. Sie verband die nationalen Interessen Deutschlands – die Erleichterung und günstigenfalls Revision der drückenden Versailler Vertragsbestimmungen von 1919 – mit den Notwendigkeiten und Chancen internationaler, allseitiger Souveränitätseinschränkungen einschließender Verständigung, Kooperation, (insbesondere wirtschaftlicher) Verflechtung und Integration.

Eine darauf orientierende Leitlinie musste in heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen durchgefochten werden, in denen sich die sozialdemokratische Reichstagsfraktion als sicherste parlamentarische Stütze des liberalen Außenministers Gustav Stresemann erwies. Die Gemeinsamkeit war zunächst hauptsächlich eine methodische. Stresemann konnte indessen darüber hinaus an inhaltliche Überlegungen und Impulse anknüpfen, die seit dem revolutionären Staatsumbruch 1918/19 von den außenpolitischen Denkern und Praktikern in den Reihen der SPD ausgegangen waren und weiterhin ausgingen. Die Weltwirtschaftskrise seit dem Herbst 1929 zerstörte dann mit der (relativen) inneren Stabilität – und das nicht allein in Deutschland – auch die Voraussetzungen für die Konsolidierung und Weiterführung der hoffungsvollen verständigungspolitischen Neuerungen der mittleren 1920er Jahre.

Prof. Peter Brandt leitete von 1989 bis 2014 das Lehrgebiet Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der FernUniversität und ist dort seit 2003 Direktor des DTIEV. Seine Forschungs- und Publikationsgebiete sind die vergleichende europäische Verfassungsgeschichte, die Geschichte Nordeuropas, des Staates Preußen, des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, von Nationsbildung und Nationalbewegungen sowie der „deutschen Frage“.

Gerd Dapprich | 11.04.2016