„Die Ethik des Nahkampfs in der deutschen Literatur um 1800“

Referent am 27. April ist Prof. Dr. Kanichiro Omiya, University of Tokyo. Hochschulangehörige, Studierende und interessierte Bürgerinnen und Bürger sind willkommen.


Erhöhte Intensität der Emotion verbindet Kämpfende mehr als dass sie trennt

„Die Ethik des Nahkampfs in der deutschen Literatur um 1800“ ist das Thema eines Forschungscolloquiums, das das Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft der FernUniversität in Hagen am Mittwoch, 27. April, ab 16 Uhr veranstaltet. Referent ist Prof. Dr. Kanichiro Omiya, The University of Tokyo, Seminar for German Language and Literature. Die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs findet im AVZ-Gebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 21, 58097 Hagen, Raum B121 (Großer Senatssaal), statt. Eingeladen sind die Hochschulöffentlichkeit, Studierende der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie Fachleute und Interessierte. Veranstalter ist Prof. Dr. Uwe Steiner, Leiter des Lehrgebiets Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medientheorie.

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Von einem ethischen Bestandteil des Kriegs scheint heutzutage gar keine Rede zu sein, zumal im modernen Krieg jede sittliche Form, die Krieger vor Zeiten beachteten, durch die allgemeine Mobilmachung und den technologischen Einsatz sich entscheidend erübrigt hat und verloren gegangen ist. Dies führt zur Banalisierung des Kriegsbegriffs und zum Obskurantismus desselben, welcher der zügellosen und unbeherrschbaren Verwahrlosung des heutigen Kriegs entspricht. Dennoch oder eben deshalb ist es — jenseits aller nostalgischen Verherrlichung des einstigen Kriegs — keineswegs obsolet, über eine mögliche Ethik im Krieg (statt etwa des Kriegs) nachzudenken. Mit dieser ethischen Fragestellung ist jedoch nicht mehr eine extensionale Neudefinierung des Kriegs beabsichtigt, sondern eine mikroskopische Betrachtung des einzelnen, je spezifischen Kampfvorgangs im Krieg, welcher wegen der Veränderung der Kriegführung immer seltener geworden ist, nämlich des „Nahkampfs“.

Im Nahkampf werden die einander entgegengesetzten Kämpfenden durch die stark erhöhte Intensität der Emotion mehr miteinander verbunden als voneinander getrennt. Hinsichtlich der notwendigen Begegnung muss sich die anfängliche Anfeindung im Laufe des Kampfes als eine nur scheinbare erweisen. Im Kampf vereinigen sie sich sozusagen zu einem einzigen Ereignis, wobei jedes strategisch-zweckrationale Kalkül (etwa um den Sieg oder um eine vorteilhafte Verhandlung nach dem Waffenstillstand) allmählich vergessen wird. Es ist gleichsam so, dass sie sich liebend bekämpfen in der gemeinsamen Ahnung, die gemeinsame Ehre und damit eine andere oder bessere, ethische Existenz zu ergreifen, egal wem der Sieg zuteil wird oder wem die Niederlage.

Auskunft erteilt Leyla Pektas, Tel.: 02331 987 4882, E-Mail: leyla.pektas@fernuni-hagen.de.

Gerd Dapprich | 11.04.2016