Die Rhetorik von der bunten Gesellschaft

Ablehnung oder Akzeptanz von Flüchtlingen? Diese Frage beleuchtet am Dienstag, 24. Mai, aus bildungswissenschaftlicher Perspektive die Ringvorlesung „Flucht und Forschung" an der FernUniversität.


Ablehnung oder Akzeptanz? Welche Rahmenbedingungen steuern, ob Flüchtlinge gesellschaftlich anerkannt werden? Das beleuchten zwei Bildungswissenschaftlerinnen und ein Bildungswissenschaftler der FernUniversität im Rahmen der Ringvorlesung „Flucht und Forschung: Die ‚Flüchtlingskrise‘ im Spiegel der Wissenschaft“.

Die Referentinnen Dr. des. Eike Marten und Dr. Susanne Winnerling sowie der Referent Maik Wunder arbeiten im Lehrgebiet „Bildung und Differenz“. Sie stellen den Umgang mit Flüchtlingen auch in einen historischen Kontext in ihren Vorträgen am Dienstag, 24. Mai, um 17 Uhr auf dem FernUni-Campus.

Gewünschte Vielfalt

So untersucht Eike Marten in ihrem Beitrag „,Krisen‘ und ,Chancen‘: Diversity-Diskurse im Kontext der Flüchtlingsdebatte“, wie geflüchtete Menschen rhetorisch als Bereicherung stilisiert werden. Einerseits werden also eine bunte Gesellschaft als ideal und die Flüchtlinge als wertzuschätzen dargestellt. Zugleich aber hat diese positive Sicht auf Vielfalt Grenzen, die beispielsweise mit der Charakterisierung von Geflüchteten als Bedrohung gesäumt werden. Ausschluss- beziehungsweise Ausgrenzungskriterien gegenüber Flüchtlingen wirken also unterschwellig weiter.

„Deutsche Zustände“

Maik Wunder greift in seinem Vortrag die Befunde der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ der Forschergruppe um Wilhelm Heitmeyer auf und thematisiert die Kriterien, nach denen Flüchtlinge ausgeschlossen werden oder nicht. Die Kriterien dafür sind im Grunde beliebig.

Die Veranstaltung am 24. Mai wird im Seminartrakt (KSW, Räume 1+2) angeboten. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Jürgen Nagel, Leiter des Lehrgebietes Geschichte Europas in der Welt. Die Vorträge werden aufgezeichnet.


Weitere Termine: 31. Mai, 7. Juni, 14. Juni und 21. Juni

Aufgrund des demographischen Wandels werden Flüchtlinge vor allem nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bemessen. Sein Vortrag trägt den Titel „Der ,Andere‘: Diskurse um Differenz in Figuration mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.

Gelingende Integration

Welche Parallelen zwischen der Situation heute und in der Vergangenheit bestehen, zeigt Susanne Winnerling auf: „Fluchtpunkte und Ankunftszeiten. Wie gesellschaftliche und kulturelle Bedingungsgefüge den Umgang mit Flüchtlingen prägen“. Die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft bestimmen, wer nach welchen Maßgaben integriert wird. Die Kriterien dafür verändern sich. Im Vortrag werden theoretische Konzepte vorgestellt, die Faktoren beleuchten, die in der Vergangenheit eine gelingende Integration von Flüchtlingen ermöglicht haben. Anschließend stellt die Referentin vor, ob diese Konzepte auf die aktuelle Situation übertragen werden können.

Anja Wetter | 20.05.2016