Die Flüchtlingskrise aus Sicht der Philosophie

Zum Auftakt der Ringvorlesung „Flucht und Forschung“ zeigte Prof. Thomas Bedorf den Beitrag der Philosophie zur Flüchtlingsdebatte auf. Die Aufzeichnung steht jetzt im Netz.


Plenum der Ringvorlesung mit Referent Prof. Thomas Bedorf
Referent Prof. Thomas Bedorf (v.l.) und rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer setzten sich mit der Flüchtlingskrise aus Sicht der Philosophie auseinander.

„Die Wissenschaft wird keine Lösungen liefern, die politische Akteurinnen und Akteure rasch und einfach umsetzen können.“ Zum Start der Ringvorlesung „Flucht und Forschung“ der FernUniversität in Hagen zeigte Prof. Dr. Thomas Bedorf vom Institut für Philosophie bei der Auftaktveranstaltung Grenzen auf. Der Leiter des Lehrgebiets Philosophie III, Praktische Philosophie: Technik, Geschichte, Gesellschaft beleuchtete den Begriff der Flüchtlingskrise aus der Sicht der Philosophie (Interview mit Thomas Bedorf ansehen).

In fünf weiteren Veranstaltungen der Ringvorlesung werden sich in den kommenden Wochen verschiedene Disziplinen mit den unterschiedlichen Dimensionen des Begriffs der Flüchtlingskrise auseinandersetzen. Den interdisziplinären Charakter der Reihe unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs stellte Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert in ihrer Begrüßung heraus. „Neben aktuellen Forschungsbeiträgen leistet die FernUniversität aber auch ganz praktische Beiträge in der Flüchtlingshilfe“, betonte sie. „Wir bieten zum Beispiel gemeinsam mit der Volkshochschule Sprachkurse für Flüchtlinge an und unterstützen den Fußballverein Hagen United, der extra für Flüchtlinge gegründet wurde.“

Gastfreundschaft und Gastrecht

Was die Philosophie zur Flüchtlingsdebatte beitragen kann, stellte im Anschluss Thomas Bedorf heraus. Sein Thema: „Gastfreundschaft und Gastrecht in philosophischer Perspektive“. Anhand von Immanuel Kants Weltbürgerrecht und Jacques Derridas Paradox der Gastfreundschaft stellte Bedorf aktuelle Bezüge her, etwa zum Umgang mit Flüchtlingen ohne Ausweispapiere. Mitnehmen konnten die rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer aus seinem Vortrag die Bereitschaft zur Sprachkritik und zu sauberen Differenzierungen in der öffentlichen Debatte. „Wir haben Verantwortung im Umgang mit Differenzen, die nicht aus sich heraus normativ geordnet sind“, fasste Bedorf zusammen. „Daraus wäre zu lernen, die Spannung von Selbstheit und der Andersheit des Anderen auszuhalten und sich zugleich mit der eigenen Positionierung nicht zu verstecken.“

Wie unterschiedlich die Positionierungen des Einzelnen ausfallen können, zeigte abschließend die rege Diskussion unter Moderation von Prof. Dr. Frank Hillebrandt, Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften.

Die nächste Veranstaltung

Die nächste Veranstaltung findet bereits am kommenden Dienstag, 24. Mai, 17 Uhr, im Seminargebäude (Raum 1und 2) statt. Diesmal geht es um die Sicht der Bildungswissenschaft. Alle Termine und Themen der Ringvorlesung: http://e.feu.de/flucht

Carolin Annemüller | 19.05.2016