„Kleine Erzählungen“ im Fokus der zwölften Studienwoche

Das Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft an der FernUniversität beschäftigt sich mit vielfältigen Formen und Funktionen kleiner Erzählungen in verschiedenen Medien.


Ein Mann steht an einem Redepult im Vortragsraum der FernUniversität: Prof. Uwe Steiner führte im vergangenen Jahr in die Studienwoche ein.
Prof. Uwe Steiner führte im vergangenen Jahr in die Studienwoche ein.

Roman oder Anekdote? Die Literaturgeschichte kennt verschiedene narrative Formen: die Fabel und die Anekdote, die Short Story und das Prosastück, die Parabel und die Kurzgeschichte. Auch als Elemente in nichtfiktionalen Textsorten wie etwa in der Ratgeberliteratur spielen kleine Erzählungen eine große Rolle. Ebenso gibt es in Medien wie dem Film oder dem Comic kleine Erzählformate. In vielen ,großen‘ Erzählungen sind lauter kleine Erzählungen enthalten. Die Studienwoche, die das Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft zum zwölften Mal in Folge anbietet, setzt sich mit diesen vielfältigen Formen und Funktionen der ‚kleinen Erzählungen‘ auseinander.

Die Veranstaltung gibt Gelegenheit zum Besuch einer Ringvorlesung, von sechs Fachseminaren, einer Übung zur Einführung in die Literaturwissenschaft und zu ausführlicher Studienberatung (ausführliches Programm). Die Studienwoche wendet sich an alle Studierende der Literaturwissenschaft im Bachelor-Studiengang Kulturwissenschaften, im Master-Studiengang Europäische Moderne: Geschichte und Literatur und im Akademiestudium.

„Das Billett“

Im Rahmen der Studienwoche gibt es einen öffentlichen Abendvortrag: Prof. em. Dr. Günter Oesterle von der Justus-Liebig-Universität Gießen referiert am Dienstag, 7. Juni, ab 19.15 Uhr im Seminartrakt (KSW, Block A) über „Das Billett“. Der Wissenschaftler thematisiert eine nur selten beachtete kleine Form: Das Billet, das „Briefgen“, den „Zedul“ oder das „Blättchen“ als ein Medium brieflicher Kommunikation aus dem versunkenen „tintenklecksenden Säkulum“.

Während der Großbrief, als „Spiegel der Seele“ und „Herzensergießung“ des Individuums, für Forschung und Archiv attraktiv war und ist, wurde der Kurzbrief oder das Billet als angebliches Abfallprodukt eines kurzen Informationsaustausches vergessen und häufig entsorgt. Damit gerieten Besonderheiten witzig-spielerischer, aphoristischer oder lakonischer Schreibweisen aus dem Blick – und auch die Arbeitsteilung von langem Brief und kurzem Billet.

Anja Wetter | 01.06.2016