„Gewalt und Terror – Mit welchem Terrorismus müssen wir rechnen und warum?“

Wie ist der Terrorismus, den wir aktuell erleben entstanden? Eine mögliche Antwort darauf gibt ein Vortrag am 28. Juni im Rahmen der Kolloquien des Instituts für Soziologie.



Ausgangspunkt des Vortrags ist die Frage: Wie ist der Terrorismus, den wir aktuell erleben entstanden? Etwa mit den Anschlägen am 12. Juni in Orlando, in Paris am 13. November 2015 sowie auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 oder am Frankfurter Flughafen am 2. März 2011? Darüber spricht Prof. Dr. Thomas Kron, Soziologe an der RWTH Aachen, am Dienstag, 28. Juni, ab 16 Uhr im Rahmen der Kolloquien des Instituts für Soziologie an der FernUniversität in Hagen.

Der Veranstaltungsort wurde geändert in: KSW-Gebäude, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Trakt B, Raum B0.025.

„Lone Wolf Terrorism“

Die Antwort auf die Ausgangsfrage wird aufgrund der Komplexität des Phänomens in der wechselseitigen Anpassung der Strategien der relevanten Akteure aneinander gesehen. Das ist ganz im Sinne der Theorie reflexiver Modernisierung, dass der Terrorismus die transintentionale Konsequenz der Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus ist. Wir bekommen es zunehmend mit einem „Lone Wolf Terrorism“ zu tun, bei dem herkömmliche dichotome Unterscheidungen wie etwa von Terror vs. Amok ihre Wirksamkeit verlieren. Der aktuelle Terrorismus ist strategisch durch Hybridität gekennzeichnet.

„Strategie der 1.000 Nadelstiche“

Ist diese Diagnose richtig, lässt sich ein Terror der nahen Zukunft prognostizieren, der seine Schatten auch in Deutschland bereits vorauswirft und seit dem Herbst letzten Jahres in Israel paradigmatisch vorgeführt wird: Einzelne Akteure greifen unberechenbar mit Alltagsgegenständen (Messern, Scheren, Autos) an. Mit dieser niedrigschwelligen „Strategie der 1.000 Nadelstiche“ wird die Gesellschaft in einen Dauerzustand der Angst und des Alarmismus versetzt.

Neue Qualität von Gewalt und Terror

Gewalt und Terror vermengen sich zu einer neuen Qualität, welche spätestens dann Rückwirkungen auf die Gewaltforschung hat, wenn man nach einer möglichen „Gegen-Strategie“ fragt. Diese muss nämlich bei einem äußert engen Gewaltbegriff ansetzen und wirft zugleich die Frage auf, ob und in wie weit man zu einer Militarisierung der Gesellschaft bereit ist.

Presse | 13.06.2016