Der Abschied ist der Weg zur Zukunft

FernUni-Mitarbeiter Klaus Böhme, seit 2007 Geschäftsführer der Landespersonalrätekonferenz der nichtwissenschaftlich Beschäftigten an den NRW-Hochschulen, wurde in den Ruhestand verabschiedet.


„Du hast Deine Aufgaben nicht nur übernommen, sondern erfüllt. Mit Herzblut.“ Für die NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze war Klaus Böhme immer ein harter Verhandlungspartner, doch ein verlässlicher: „An einem einmal vereinbarten Kompromiss hältst Du fest!“ betonte sie der Verabschiedung des Vorsitzenden der Landespersonalrätekonferenz der Hochschulen in NRW in den Ruhestand. Die Abschiedsfeier fand in der FernUniversität in Hagen statt, deren Mitarbeiter Klaus Böhme seit 1976 war.

Illustration
Zur Verabschiedung von Klaus Böhme kam auch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Prorektor Prof. Sebastian Kubis sprach für die FernUniversität (3., 4. und 5. v.re.).

Wenngleich Böhme die Interessen der nichtwissenschaftlichen Beschäftigten an den Hochschulen des Landes vertrat, war er für die Ministerin – wie natürlich auch für seine Kolleginnen und Kollegen, für Gewerkschaften und Politik – ein wichtiger Ratgeber. Böhmes Ausspruch „Keine Angst, Du wirst mich nicht los!“ findet Svenja Schulze jedenfalls „sehr beruhigend“.

Für die FernUniversität sprach Prorektor Prof. Dr. Sebastian Kubis zu den 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung, unter ihnen zahlreiche Angehörige der FernUniversität: „Die Verabschiedung eines langjährigen Mitarbeiters ist immer etwas Besonderes. Wie besonders der heutige Abschied ist, das zeigt mir Ihr zahlreiches Erscheinen.“ Die Gäste kamen aus Hochschullandschaft, Politik und Gewerkschaft Verdi. Und sehr viele aus der FernUniversität. Schon die große Zahl deutete darauf hin Böhme wichtige Funktionen innehatte, doch alleine diese hätten – so Kubis – wohl nicht so viele zum Kommen bewegt: „Vielmehr haben Sie offensichtlich auch große Wertschätzung und Anerkennung für Ihre Arbeit genossen.“

Bereits kurz nach seinem Arbeitsbeginn im Versand der FernUniversität engagierte sich Klaus Böhme gewerkschaftlich, war nach zwei Jahren Personalratsvorsitzender. Nach elfeinhalb Jahren Verwaltungsarbeit wurde er 1992 erneute freigestellter PR-Vorsitzender. Als er die Notwendigkeit erkannt, Arbeitnehmerrechte auch auf Landesebene einzufordern, ließ er sich 1996 als Mitglied Hauptpersonalrat nach Düsseldorf wählen. Prof. Kubis: „Von da an hielt ihn die politische Bühne fest im Griff.“

2009 wurde Böhme – der bereits seit 2007 als ehrenamtlicher Bundesfachbereichsvorsitzender für die Gewerkschaft Verdi mit dem Thema „Bildung“ betraut war – Geschäftsführer der neuen Landespersonalrätekonferenz (LPK). Zwar merkte er nach eigenen Worten, dass „Macht kitzelt“, aber „umso vielfältige Funktionen wirklich ausfüllen zu können, braucht es wohl die Überzeugung, sich für das Richtige zu engagieren“, betonte Kubis.

Besonders freute sich der Prorektor, dass Böhme – in welcher Funktion er auch unterwegs war – immer seine FernUni-Identität bewahrte.

Im Jahre 2000 wurde Böhme Vorsitzender des Hauptpersonalrats – und leitete einen Generationenwechsel in der Amtsführung ein: Kommunikation und Einbeziehung der Hochschulpersonalräte im Land zogen ein. Durch regelmäßige Sitzungen „konnten wir teilhaben an der Tätigkeit des Hauptpersonalrats“, unterstrich LPK-Vorsitzender Frank-Peter Kaup, was einer Meinung nach zu einem verstärkten Austausch und einer gewissen Vernetzung der Personalräte führte – „Eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir auch in härteren Zeiten bestehen konnten.“ Mit den „härteren Zeiten“ meinte er das Hochschulfreiheitsgesetz der schwarz-liberalen Landesregierung im Jahr 2007. Das war ein „klassischer Fall für Klaus, ein Auftrag, tätig zu werden“.

Frank-Peter Kaup betonte auch den großen Anteil Böhmes an der heutigen guten Aufstellung des LPK. Dass zum Beispiel der Rahmenkodex „Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal“ tatsächlich dort angekommen sei, wertete er nicht zuletzt als dessen Verdienst.

„Doch es gibt auch eine dunkle Seite von Klaus“, machte er das Publikum neugierig: „Was kann er nicht? Rumschwafeln – jeder Satz ein Paukenschlag voller Inhalt, gepaart mit einem Wortwitz, dass es Genuss bereitet, zuzuhören!“ Und: „Er ist rücksichtslos.“ Gegen sich selbst. Ja, und dann noch ein ungelöster Fall: „Der Tag hat nur 24 Stunden.“ Zu Böhme gewandt: „So richtig weitergekommen bis Du an diesem Punkt ja nicht.“

"Jeder Satz ein Paukenschlag": Bei seiner Rede bestätigte Klaus Böhme, was Frank-Peter Kaup über ihn gesagt hatte.

Lernen, los zu lassen

„Am Ende geht’s immer ums Anfangen…“ Dieses Motto stand auf der Einladungskarte zu der Verabschiedungsfeier. Für Klaus Böhme ist der „Abschied der Weg zur Zukunft“, der Beginn eines neuen Abschnitts.

Er ließ noch einmal kurz sein berufliches Leben Revue passieren, bei dem es ihm durchaus auch darum ging, weiter zu kommen und stolz auf das Erreichte sein zu können. So wechselte er nach drei Jahren im PR auf die „Arbeitgeberseite des Tisches“. In den folgenden elfeinhalb Jahren konnte er im Personal- und Organisationsbereich „Dinge lernen, die ich brauchte“. Sehr nützlich waren diese ihm allerdings auch, als er 1992, aus der Verwaltung kommend, wieder Personalratsvorsitzender der FernUniversität wurde. Gleiches galt für die Einstellung von Gründungskanzler Ralf Bartz, offen und fair miteinander umzugehen. Bartz war zwar enttäuscht, dass Böhme nach Düsseldorf ging, statt in der Verwaltung Karriere zu machen, doch er sah die Chance für die Außendarstellung der FernUniversität und bekräftigte ihn in seiner Entscheidung. Von 1992 an war Böhme dann wieder von „jeder sinnvollen Tätigkeit freigestellt“ und widmete sich ausschließlich dem Personalvertretungsgeschäft sowie hochschulpolitischen Fragen.

Ausschließlich? Nicht ganz: Seine Tätigkeiten brachten auch ehrenamtliche Aufgaben mit sich wie die des Stellvertretenden Vorsitzenden des Hochschulrats der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und die eines ehrenamtlichen Arbeitsrichters.

Dabei war der Job in Düsseldorf schon belastend genug: „Aber ein Job, der mir fürchterlich viel Spaß gemacht hat. Wem ist es schon vergönnt, in den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Ruhestand sein Hobby zum Beruf machen zu können?“

Und jetzt? „Es fällt mir nicht leicht, hier heute zu stehen. Ich bin ein Verfechter des lebensbegleitenden Lernens – ich muss lernen, loszulassen.“ Deswegen ist er auch gar nicht sicher, ob er glücklich darüber sein soll, dass man weiter auf seinen Rat hören will: „Ich sehe mich zuhause sitzen und meiner Frau sagen: Die sind doch bekloppt!“

Gerd Dapprich | 01.07.2016