Der Traum von Olympia

Stabhochspringerin Anjuli Knäsche studiert Wirtschaftswissenschaft an der FernUni. Die Deutsche Hochschulmeisterin kämpft momentan um ein Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Rio.


Anjuli Knäsche beim Stabhochsprung
Höhenflug für Anjuli Knächsche: Mit ihrer neuen Bestmarke von 4,55 Metern wurde sie Deutsche Hochschulmeisterin. Jetzt kämpft sie um ein Ticket für Olympia. Fotos: Jennifer Zornig

Anjuli Knäsche ist auf dem Sprung. Wir stören die Stabhochspringerin zu Hause in Potsdam beim Frühstück in ihrer Sport-WG. Die 22-Jährige studiert an der FernUniversität in Hagen Wirtschaftswissenschaft und muss gleich zur Arbeit. Leistungssport, Fernstudium und der Job als Werkstudentin beim Software-Unternehmen SAP – da bleibt oft selbst fürs Frühstücken wenig Zeit. Schon gar nicht mitten in der Olympia-Saison.

Die Jagd nach den Tickets für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro ist in vollem Gang. Die deutschen Stabhochspringerinnen liefern sich einen heißen Kampf um die begehrten Startplätze. Anjuli Knäsche hat Ende Mai ihre persönliche Bestleistung auf 4,55 Meter hochgeschraubt. Mit dieser Höhe ist sie Deutsche Hochschulmeisterin in Paderborn geworden, hat die Olympia-Norm von 4,50 Meter geknackt und ihren Höhenflug Anfang Juni erneut bestätigt.

Mit den Studienbriefen zu den Wettkämpfen

Doch um angesichts der starken nationalen und internationalen Konkurrenz vorne mitmischen zu können, muss mit Blick auf Olympia mehr her als die Norm. „In Rio dabei zu sein, das wäre einfach super. Aber wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter“, sagt Anjuli Knäsche. „Es wird hart werden einen Startplatz zu bekommen.“ Am 12. Juli muss der Deutsche Leichtathletikverband bis zu drei Starterinnen nominieren. Bereits fünf Stabhochspringerinnen haben die Norm geschafft, darunter auch die Deutsche Meisterin Martina Strutz, Knäsches Mitbewohnerin Annika Roloff sowie die erfahrene Silke Spiegelburg, die in ihrer Karriere schon in 125 Wettkämpfen 4,50 Meter oder höher gesprungen ist.

Anjuli Knäsche wirkt trotzdem entspannt – auch weil sie mit ihrem Studium an der FernUni Plan B immer dabei hat. „Ich bin viel unterwegs“, sagt die Leichtathletin. „Das Fernstudium bietet mir diesen Freiraum. Ich nehme die Studienbriefe einfach mit zu den Wettkämpfen.“

Wettkampftyp auch in Prüfungen der FernUni

Inzwischen ist sie im vierten Semester und hat alle Pflichtmodule abgeschlossen. Auf dem Weg zum Bachelor-Abschluss verteilt sie ihr Lernpensum gleichmäßig über das ganze Semester. „Ich war schon immer ein Wettkampftyp. Das gilt auch für die Prüfungen“, sagt sie. Dennoch wird es für sie mittlerweile immer schwieriger, Leistungssport und Lernen unter einen Hut zu bekommen. „Je erfolgreicher man im Sport wird, desto weniger Zeit bleibt für das Fernstudium.“

Anjuli Knäsche beim Stabhochsprung
Will hoch hinaus im Sport und im Beruf: Stabhochspringerin Anjuli Knäsche.

Neun Trainingseinheiten pro Woche

Erst 2010 wechselte Anjuli Knäsche vom Mehrkampf zum Stabhochsprung. Ihr Traum von einer großen Karriere samt Olympia-Teilnahme ist eng verbunden mit den guten Bedingungen im Leistungszentrum für Stabhochsprung in Potsdam, wo sie seit zwei Jahren trainiert. „Die Betreuung am Olympiastützpunkt ist ein Traum“, schwärmt die Studentin der Wirtschaftswissenschaft. Neun Einheiten pro Woche stehen auf dem Trainingsplan, mit dem Stab gesprungen wird allerdings nur zweimal. Den Löwenanteil macht ein Mix aus Kraft-, Sprint-, Ausdauer- und Sprungkrafttraining aus. Ihre jüngsten Erfolge sind ein Indiz dafür, dass sie in der brandenburgischen Landeshauptstadt auf dem richtigen Weg ist.

Übrigens auch neben dem Sport, denn jetzt muss Anjuli Knäsche los zur Arbeit. Büromaterial beschaffen, Reisekosten abrechnen, Wirtschaftsthemen recherchieren und was sonst noch tagesaktuell ansteht – als Werkstudentin bei SAP kann sie einzelne Aspekte ihres Fernstudiums praktisch anwenden.

Carolin Annemüller | 01.07.2016