Gleichstellungspolitik im modernen Staat

Die FernUniversität in Hagen hat Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Politikwissenschaftlerin Dr. Elke Wiechmann.


Portrait von Elke Wiechmann
Für Elke Wiechmann (58) ist die Habilitandinnen-Förderung der FernUni eine "Frage der Möglichkeiten".

Eine Wissenschaftskarriere mit dem Ziel einer Professur war für Dr. Elke Wiechmann in jungen Jahren nicht erstes Berufsziel. „Zunächst war es mir wichtig, in den Beruf einzusteigen und mich auszuprobieren, aber auch, dass mir die Arbeit Spaß macht“ resümiert sie ihren Berufsweg. Damit ist Elke Wiechmann in ihrer beruflichen Laufbahn gut gefahren. Als Angestellte in der Verwaltung der FernUniversität, als Wissenschaftlerin in Hagen und an anderen Hochschulen, als Freiberuflerin im Wissenschaftsmanagement hat sie viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die ihr heute allesamt zugutekommen. Dass sie nun mit 58 Jahren doch noch an ihrer Habilitation schreibt, ist für sie dank der Habilitandinnen-Förderung der FernUni „eine Frage der Möglichkeiten“. Elke Wiechmann erklärt: „Es reizt mich daran der Freiraum, mich wissenschaftlich auf ein Thema konzentrieren zu können – ein Thema, das mich schon länger umtreibt.“

Lösungswege für kommunale Gleichstellungspolitik

Seit vielen Jahren forscht sie zum Schwerpunkt Gender und Gleichstellung und befasst sich nun in ihrer Habilitation mit der Gleichstellungspolitik im modernen Staat. Wie sind Gleichgestellungsgesetze auf Bundes- und Länderebene aufgebaut? Wer beschließt sie? An welchen Hürden scheitert die Umsetzung? Mit diesen Fragen bewegt sie sich in ihrem interdisziplinären Projekt an der Schnittstelle von Politik- und Verwaltungswissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaft. „Der rechtliche Aspekt ist schon ausgeprägt. Ich berate mich daher regelmäßig auch mit Juristinnen“, sagt sie.

Anhand der Analyse von Gleichstellungsgesetzen will Elke Wiechmann in ihrer Arbeit Lösungswege vor allem für die kommunale Gleichstellungspolitik aufzeigen. Einfließen sollen dabei auch Expertengespräche, etwa auf ministerieller Ebene. „In keinem Gleichstellungsgesetz stehen Sanktionen“, benennt Wiechmann ein Problem. Zudem bestehe ein Definitionsmanko, zum Beispiel sei der Begriff der Gleichstellungsbeauftragten nicht ausreichend geklärt. Entsprechend groß sei der Interpretationsspielraum der Kommunen. Eine Festlegung von Mindestanforderungen für Landesgleichstellungsgesetze könne helfen, bestehende Probleme zu lösen.

Der Traum von einer Professur an der FernUni

Ihre Zwischenevaluation hat Elke Wiechmann bereits erfolgreich abgeschlossen, in zwei Jahren soll ihre Habilitation abgeschlossen sein. „Und natürlich strebe ich eine Professur an – am liebsten an der FernUni“, sagt sie. Hier begann Mitte der 1980er Jahre ihre berufliche Karriere in der Zentralen Studienberatung. In unterschiedlichen Positionen hat sie die Verwaltung und Wissenschaft an der Hagener Hochschule kennen und schätzen gelernt. „Beiden Seiten tut manchmal ein bisschen mehr Verständnis füreinander gut“, sagt sie. Das Besondere an der FernUniversität sind für die Habilitandin auch die Studierenden, die häufig schon andere berufliche Erfahrungen mitbringen. Und: „Die Lehre ist mir wichtig, weil ich oft meine aktuellen Forschungsergebnisse direkt einfließen lassen kann. Auch deshalb ist es so spannend, an der FernUni zu arbeiten.“

Carolin Annemüller | 05.07.2016