Das Fernstudium - ein Glückstreffer im Leben

Mit 46 Jahren ohne Abitur ein Studium beginnen? Gundula Dupont (62) aus Berlin hat es gewagt und bis heute nicht bereut. In unserer Reihe „Alumni im Portrait" zieht sie Bilanz.


Das Fernstudium - ein Glückstreffer im Leben


Gundula Dupont im Beratungsgespräch
Gundula Dupont im Beratungsgespräch: Die Freelancerin aus Berlin leitet hauptsächlich eine Initiative zur Positionierung einer neuen Behandlung gegen eine Infektionskrankheit in der Schwangerschaft.
  • Name: Gundula Dupont
  • Wohnort: Berlin
  • Job: Freiberuflerin, Schwerpunkt: Leitung einer Initiative zur Positionierung einer neuen Behandlung gegen eine Infektionskrankheit in der Schwangerschaft
  • Studium und Abschluss an der FernUni: Magister Soziale Verhaltenswissenschaften und Literaturwissenschaft

„Herzlich Willkommen an der FernUni. Sie dürfen studieren.“ Diesen Satz ihres Prüfers hat Gundula Dupont (62) nie vergessen. Als sie vor 16 Jahren den Entschluss fasste, ohne Abitur ein Studium an der FernUniversität in Hagen zu beginnen, schaffte sie als Beruflich Qualifizierte den Einstieg über eine Klausur und eine mündliche Prüfung. „Das war einer der glücklichsten Momente in meiner zehnjährigen Studienzeit.“

Mut zur Selbstständigkeit

Sechs Jahre nach ihrem Magisterabschluss der Sozialen Verhaltenswissenschaften und der Literaturwissenschaft blickt die Absolventin aus Berlin auf die Zeit an der FernUni zurück und sagt: „Das Fernstudium ist ein Glückstreffer für mein Leben.“ Der Abschluss gab ihr den Mut, ihr Angestelltenverhältnis in einer für Pharmakonzerne und Unikliniken tätigen Agentur zu kündigen. Sie machte sich erfolgreich selbstständig und hat es bis heute nicht bereut.

Die Entscheidung mit 46 Jahren noch ein Studium zu beginnen, reifte Ende der 90er Jahre. Es war zu einer Zeit, als ihre beiden Kinder flügge wurden. „Ich wollte für mein berufliches Leben noch mehr“, blickt Gundula Dupont zurück, die sich als Chefsekretärin einer Werbeagentur nicht mehr ausgelastet fühlte und sich mehr eigenverantwortliche Entscheidungsfreiheit wünschte. Das Fernstudium fiel ihr nicht sonderlich schwer. Sie war schon damals sehr online-affin und tauchte gerne in die Welt der Fachbücher ein. „Ich mochte die Abendstimmung in den vielen Bibliotheken in Berlin“, erzählt sie.

Alumni im Portrait: Was wird aus unseren Ehemaligen nach ihrem erfolgreichen Studienabschluss? Unsere Alumni berichten von ihrer Zeit an der FernUni und den Jahren danach. Lesen Sie auch, wie sich die Karriere- und Lebenswege entwickelt haben, wo unsere Alumni heute stehen und was sie den aktuellen Fernstudierenden mit auf den Weg geben. Für die FernUniversität sind die Absolventinnen und Absolventen wichtige Botschafterinnen und Botschafter.

Sich den Ängsten vor den Prüfungen stellen

Doch sie hat auch nicht die Ängste vor den Prüfungen vergessen, den Anstieg des Blutdrucks vor dem Öffnen des Briefes mit den Klausurthemen. „Dass man sich den unangenehmen Situationen stellt und Erfolg hat, fördert das Selbstbewusstsein ungemein“, sagt sie.

Heutigen Fernstudierenden rät sie zu einem strikten Zeitmanagement. „Um nebenberuflich zu studieren, ist eine hohe Disziplin erforderlich“, weiß sie aus Erfahrung. „Ich habe mir täglich zwei Stunden auferlegt.“ Das habe durchaus zu Stirnrunzeln im Bekanntenkreis geführt. Aber ohne Einschnitte in der Freizeit sowie die Unterstützung der Familie sei ein Fernstudium neben dem Beruf kaum zu schaffen. „Mein Mann und meine Kinder haben mich immer großartig unterstützt. Das war ein Segen.“

Argumentationssicherheit und fachlicher Background

Persönlich hat ihr das geisteswissenschaftliche Studium durch das über zehn Jahre andauernde Durcharbeiten wissenschaftlicher Texte Argumentationssicherheit verschafft. Auch von ihrem fachlichen Background profitiert sie im Beruf. Als Freelancerin leitet sie hauptsächlich eine Initiative zur Positionierung einer neuen Behandlung gegen eine Infektionskrankheit in der Schwangerschaft, die lebensgefährdete Ungeborene schützt. „Dabei unterstütze ich unter anderem ich die begleitende Arbeit eines wissenschaftlichen Beirats. Das ist jeden Tag eine neue Herausforderung“, sagt Gundula Dupont über ihr erfülltes Berufsleben.

An die Rente denkt die Berlinerin mit 62 Jahren noch lange nicht. „Dazu bin ich beruflich zu stark eingebunden.“ Dennoch würde sie in ein paar Jahren gerne mit einer Promotion an ihre Abschlussarbeit zum Thema „Beeinflusst Bildung das Informationsbedürfnis im Umgang mit Risiko-Erkrankungen?“ anknüpfen. Die Deutsche Krebsgesellschaft hat ihre Ergebnisse bereits aufgegriffen.

Mit ihrer Begeisterung für das lebenslange Lernen möchte Gundula Dupont viele Menschen anstecken: „Ich würde mich besonders freuen, wenn Frauen in meinem Alter sich durch meinen Werdegang motiviert und bestätigt fühlen, ihr Leben durch ein Studium zu bereichern.“

Carolin Annemüller | 26.08.2016