Finanzkrisen und ihre Folgen für die Geldpolitik

Neue Folge unserer Reihe "Auf dem Weg zur Habilitation": Dr. Katrin Heinrichs untersucht aus volkswirtschaftlicher Sicht, wie sich Krisen auf die Geldpolitik auswirken.


Portrait von Katrin Heinrichs
Habilitandin am Lehrstuhl von Prof. Helmut Wagner: Dr. Katrin Heinrichs.

Die FernUniversität in Hagen hat Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Dr. Katrin Heinrichs, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb. Makroökonomik von Prof. Helmut Wagner.

Mit dem Brexit wächst in Europa die Gefahr einer neuen Finanzkrise. Für Dr. Katrin Heinrichs hätte das Auswirkungen auf ihre Forschung. Die Habilitandin an der FernUniversität in Hagen untersucht aus volkswirtschaftlicher Sicht, wie sich Krisen auf die Geldpolitik auswirken. „Traditionelle Modelle der Volkswirtschaft müssen angesichts der großen Finanzkrise 2008 angepasst werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

Katrin Heinrichs hatte schon in ihrer Studienzeit in Magdeburg im englischsprachigen Wirtschaftsstudium ein Faible für theoretische Modelle. Mit einer Modellanalyse der Geldpolitik promovierte sie anschließend in Hagen am Lehrstuhl von Prof. Helmut Wagner. Seit einem Jahr wird sie nun mit einem Habilitandinnen-Stipendium der FernUni gefördert und beschäftigt sich in ihrem Projekt mit der zunehmenden Preisflexibilität, zum Beispiel durch den Internethandel, und anderen Implikationen der Globalisierung für die Geldpolitik. „Modellergebnisse auch aus meiner Dissertation deuten darauf hin, dass die Geldpolitik mit zunehmender Preisflexibilität an Einfluss verliert“, erklärt Heinrichs. „Es schließt sich die Frage an, ob eine Strategieänderung der Geldpolitik möglich ist, um die verlorenen Einflussmöglichkeiten auszugleichen.“

Krisensituationen im Fokus

Ein besonderes Augenmerk legt sie in ihrem Projekt auf Krisensituationen. Mit den Auswirkungen der Finanzkrise auf die Geldpolitik stellt sie Anfang September einen Aspekt ihrer Habilitation bei der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Augsburg vor. Schwerpunktmäßig wird es dabei um den Zinseinfluss auf den Konsum in Deutschland gehen. „Im Zusammenhang mit der Finanzkrise stößt das klassische Zinsinstrument an seine Grenzen. Zinsänderungen der Zentralbanken wirken sich kaum noch auf die Realwirtschaft aus“, sagt Heinrichs. „Ich untersuche, welchen Einfluss die Einkommensverteilung für die Transmission der Geldpolitik spielt. Während Niedrigverdiener kaum die Möglichkeit haben, Kredite aufzunehmen und somit auch die extrem niedrigen Zinsen nach der Finanzkrise zu keiner Konsumsteigerung führen, ist bei Menschen mit mittleren bis höheren Einkommen eher eine Konsumsteigerung zu erwarten.“

Mit volkswirtschaftlichen Aspekten von Finanzkrisen und der Globalisierung setzt sie sich auch in Präsenzseminaren mit den Fernstudierenden auseinander. „Ich freue mich immer über die persönlichen Begegnungen mit dem großen Mix an Studierenden aus unterschiedlichen Altersgruppen und Berufen auf dem Campus in Hagen“, sagt Katrin Heinrichs. Neben Lehre und Forschung schätzt sie an der FernUniversität die Möglichkeiten und bereits gewonnenen Erfahrungen im E-Learning als besonders wertvoll für ihren weiteren Berufsweg ein.

Neuer Forschungsschwerpunkt "Makroökonomische Studien zu Ostasien"

Zudem spielt die Internationalität von Lehre und Forschung für sie eine zentrale Rolle. Nach ihrem englischsprachigen Wirtschaftsstudium in Magdeburg nutzt sie daher am Lehrstuhl von Prof. Wagner die guten Möglichkeiten, sich international zu vernetzen. Ab dem Wintersemester will sie sich verstärkt einbringen in den neuen Forschungsschwerpunkt „Makroökonomische Studien zu Ostasien“. „Man muss über die Grenzen Europas hinaus sehen“, sagt sie auch mit Blick auf eine spätere Professur in der Volkswirtschaftslehre.

Carolin Annemüller | 31.08.2016