„Phänomenologie und Praxistheorie – Eine Verhältnisbestimmung“

Die Fachtagung an der FernUniversität vom 5. bis 7. September ist der offenkundigen Nähe von Phänomenologie und Praxistheorie und den Potenzialen einer Verhältnisbestimmung gewidmet.


Eine philosophische Fachtagung zum Thema „Phänomenologie und Praxistheorie – Eine Verhältnisbestimmung“ findet vom 5. bis 7. September an der FernUniversität in Hagen statt. Veranstaltende sind Prof. Dr. Thomas Bedorf, Selin Gerlek (M.A.) und Dennis Clausen (M.A.) von Hagener Lehrgebiet Philosophie III. Veranstaltungsort ist das Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3.

Seit ihren Anfängen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat die Phänomenologie die Auseinandersetzung und den Dialog mit anderen Disziplinen und Forschungsansätzen gesucht. Ihr Einfluss auf die Sozialwissenschaften nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Diese Anschlussfähigkeit ist wesentlich dadurch bedingt, dass die Phänomenologie über einen Zugang zu ihren Gegenständen verfügt, der mit der zentralen Stellung des Erfahrungsbegriffs unausweichlich sozial eingebettet ist. Aber auch dort, wo der Dialog mit den Sozialwissenschaften nicht im Vordergrund steht, hat die Phänomenologie mit ihrem methodischen Fokus auf Sinnstrukturen und leiblichem Zur-Weltsein ihr Interesse an der Praxis und insbesondere deren Vollzugscharakter artikuliert. Damit steht die Phänomenologie in einer Nähe zu einem innerhalb der Sozial- und Kulturwissenschaften ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogenen Turns, der sich dieser Hinwendung zum Praxisbegriff verdankt: dem Practice Turn.

Das durch die DFG geförderte Projekt „Praktische Körper“ nahm im Oktober 2015 die Arbeit auf. Inhaltlich widmet sich das Projekt der Arbeit am innerhalb der Sozial- und Kulturwissenschaften ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogenen Practice Turn.

Diese Wende bildet zunächst einen Wandel im theoretischen Zugriff auf Beschreibungen des Sozialen ab, der in einer Abkehr von dualistischen Theorieansätzen ihren Ausgang nimmt. Dabei steht die Betrachtung der Praktik als „kleinster Einheit des Sozialen“ für den Versuch, Engführungen etwa mentalistischer oder strukturalistischer Ansätze zu umgehen und so dem Sozialen in seinem Vollzug näherzukommen.

Dieser offenkundigen Nähe von Phänomenologie und Praxistheorie und der Potenziale einer Verhältnisbestimmung ist die Tagung gewidmet.

Während erste Annäherungen an die Phänomenologie seitens der Praxistheorie längst sichtbar geworden sind, fehlt eine systematische und kritische Gesamtschau möglicher Anschlussstellen. Einem solchen Vorhaben muss es dabei an einer Vorverständigung über die Grundannahmen und -konzepte sowohl der Praxistheorie wie auch der Phänomenologie gelegen sein. Dabei bieten sich die Grundannahmen einer impliziten Logik, Körperlichkeit und Materialität der Praxis sowie der Spannung zwischen ihrer Stabilität und Instabilität zur kritischen Diskussion ebenso an wie Erörterungen zentraler Konzepte seitens der Phänomenologie – wie die Leiblichkeit, die Leib-Körper-Differenz, das Zur- bzw. In-der-Welt-sein, die kritische Infragestellung eines identitären Subjektbegriffs oder die Erfahrung.

Die phänomenologisch wie auch praxistheoretisch akzentuierten Beiträge nähern sich den Forschungsperspektiven grundlegend systematisch an, greifen einzelne Aspekte wie Grundannahmen und zentrale Konzepte auf oder diskutieren verschiedene Autoren kritisch.

Einführende Worte sprechen Prof. Dr. Frank Hillebrandt (Dekan der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften) und Prof. Dr. Thomas Bedorf. Selin Gerlek und Dennis Clausen moderieren die Veranstaltung. Referenten Thomas Alkemeyer, Thomas Bedorf, Katharina Block, Jens Bonnemann, Uli Dopatka, Michael Hubrich, Karolin Kappler, Jo Jo Koo, Stefan Kristensen, Anna Orlikowski, Sophia Prinz, Inga Römer, Ted Schatzki, Robert Schmidt, Volker Schürmann, Max Waldmann und Basil Wiesse. Am 5. September ist um 14.00 Uhr Beginn. Die Tagung findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Externe Interessierte können sich per Mail an Selin.Gerlek@fernuni-hagen.de anmelden, sie erhalten daraufhin weitere Informationen.

Das Programm der Fachtagung ist unter https://www.fernuni-hagen.de/imperia/md/content/philosophie/3480_flyer_tagungphänomentologieundpraxistheorie-09-2016.pdf zu finden.

Gerd Dapprich | 08.08.2016