„Tabus, Verbote und Geheimnisse“

Die FernUniversität macht beim Themenabend des Hagener Forschungsdialogs am 28. September im Emil Schumacher Museum Wissenschaft transparent. Alle Interessierten sind um 17 Uhr willkommen.


„Transparente Wissenschaft“ bietet die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Tabus, Verbote und Geheimnisse“ der FernUniversität in Hagen am 28. September, die sich als Teil des Hagener Forschungsdialogs an ein breites, wissenschaftlich interessiertes Publikum richtet. Der Besuch im Emil Schumacher Museum in Hagen (Beginn: 17 Uhr) ist kostenfrei.

Das Tabu hat eine Geschichte. Sie beginnt im Gefolge der ‚Südsee‘-Euphorie des ausgehenden 18. Jahrhunderts und der ersten Erwähnung durch den Entdecker James Cook. Mehr als einhundert Jahre später wendet sich der Psychoanalytiker Sigmund Freud dem „marvellous“, dem „wunderbaren“ Tabu zu, wie er es in einem Brief an einen Freund bezeichnet. Bis heute, bis in unsere Zeit wirkt das Tabu fort und offenbart sich in Verboten und Geheimnissen.

Referentinnen und Referenten der Fakultäten für Kultur- und Sozialwissenschaft, für Mathematik und Informatik, für Wirtschaftswissenschaft und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der FernUniversität nehmen in ihren Kurzvorträgen je ein Tabu, Verbot oder Geheimnis aus der Themenpalette ihres Forschungsgebietes in den Fokus.

Das Programm am Mittwoch, den 28. September

Begrüßung

Prof. Dr. Ada Pellert, Rektorin der FernUniversität

17 Uhr

Die FernUniversität als forschende Universität
Der Hagener Forschungsdialog


Einführung

Hfd-wissenschaft Transparent-przyrembelProf. Dr. Alexandra Przyrembel

Prof. Dr. Alexandra Przyrembel führt in die Thematik ein und moderiert die Veranstaltung. Eine wichtige Station ihrer Laufbahn war für die Leiterin des Lehrgebiets Geschichte der Europäischen Moderne, ihre Habilitation in Göttingen zur Geschichte des Tabus im Jahr 2010. Im darauffolgenden Jahr veröffentliche sie das Buch „Verbote und Geheimnisse. Das Tabu und die Genese der europäischen Moderne“ (Frankfurt/Main 2011). Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Globalgeschichte des Wissens und die Kulturgeschichte des Nationalsozialismus.

17.10 Uhr

Tabus, Verbote und Geheimnisse


Vortrag

Hfd-wissenschaft Transparten-funckeJun.-Prof. Dr. Dorett Funcke

Seit 2013 leitet Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke die Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften und die BürgerUniversität Coesfeld. Zuvor war sie Vertretungsprofessorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universitäten in Bochum, Dresden und Jena. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Paar- und Familiensoziologie.

17.20 Uhr

Wie Nichtwissen und Ungewissheit die soziale Ordnung beeinflussen:
Empirische Forschungsergebnisse zum Umgang mit neuen Medizintechniken

Werden gesellschaftliche Verhältnisse durch die Erschließung neuen Wissens immer eindeutiger und sicherer? Nein, wir erfahren vielmehr, dass die Gegenwart durch Nichtvorhersehbares eher weniger eindeutig und unsicher ist. Stichworte sind der 11. September, Fukushima, Finanzmarktkrise oder islamischer Terrorismus. Die Unsicherheit ist in unser Leben zurückgekehrt, Handlungssicherheiten und Gewissheitsansprüche sind verloren gegangen. Unser Problembewusstsein ist erfahrungsinduzierter: Wir müssen mit Handlungsfolgen rechnen, die wir vorab nicht einschätzen können. So haben wir es auch mit mehr Nichtwissen zu tun, dem mit sukzessiver Schließung von Wissenslücken nicht mehr beizukommen ist. Am Beispiel neuerer medizintechnischer Möglichkeiten wird gezeigt werden, wie Akteure mit Nichtwissensphänomenen umgehen.

Vortrag

Hfd-wissenschaft Transparent-endresProf. Dr. Alfred Endres

Prof. Dr. Alfred Endres war an der TU Berlin der erste Professor für Umweltökonomie in Deutschland. Seit 1992 hat er den Hagener Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftstheorie inne. Er war Gastprofessor an verschiedenen Universitäten in den USA und ist Autor zahlreicher Publikationen. Kürzlich wurde er von der European Association of Environmental and Resource Economists für sein Lebenswerk geehrt.

17.40 Uhr

Wirkungsvolle Klimapolitik – Warum (zum Donnerwetter!) ist das so schwierig?
Klimapolitische Hürden und Fallstricke, aber auch Optimismus

Seit Beginn der 1990er Jahre herrscht weitgehender Konsens darüber, dass Treibhausgasemissionen wegen der Klimaveränderung zurückgeführt werden müssen. Doch diese sind seither weltweit drastisch gestiegen. Daran hat auch das Kyoto-Abkommen 1997 nichts ändern können. Inwieweit die mit der Klimaschutzvereinbarung von Paris jüngst gefassten guten Vorsätze in die Tat umgesetzt werden, ist noch offen. Warum eigentlich?! Warum tun die Staaten nicht einfach das, was in ihrem eigenen Interesse klimapolitisch geboten ist? Der Vortrag zeigt allerlei klimapolitische Hürden und Fallstricke auf. Doch soll er auch in allerlei schwierigen Lebenslagen Mut machen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“. In diesem Geiste führt der Vortrag auch umweltökonomische Argumente für einen (vorsichtigen!) klimapolitischen Optimismus an.

Fragen und Diskussion

18 Uhr


Vortrag

Hfd-wissenschaft Transparent-völzmann-stickelbrockProf. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock

Prof. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock wurde in Köln promoviert und habilitiert. Ab 2003 war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht, Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht an der Universität Bielefeld. Seit 2004 leitet sie in Hagen den Lehrstuhl Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht, Gewerblichen Rechtsschutz, Urheberrecht und Zivilprozessrecht.

18.15 Uhr

„Lizenz zur Vertuschung“ oder Fortschritt?
Was bringt die neue EU-Richtlinie zum Schutz unternehmerischen Know-hows?

Was bringt die neue EU-Richtlinie zum Schutz unternehmerischen Know-hows? Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse stellen für Unternehmen mehr denn je eine bedeutsame Grundlage ihrer Wettbewerbsvorteile dar. Unberechtigte Verbreitung und Nachahmung werden jedoch stetig leichter. Dabei betrifft der Geheimnisschutz strafrechtliche, vertrags- und arbeitsrechtliche, immaterialgüterrechtliche und wettbewerbsrechtliche Fragen. Brisant ist die Materie auch deswegen, weil – nicht erst seit Wikileaks und den Panama Papers – Informations- und Datensicherheit immer zugleich im Spannungsverhältnis zur Informationsfreiheit stehen. Die neue EU-Richtlinie über den Schutz vertraulichen Know-hows und vertraulicher Geschäftsinformationen wird denn auch einerseits als Fortschritt für den in Deutschland noch unterentwickelten Know-how-Schutz begrüßt andererseits als Lizenz zur Vertuschung kritisiert. Der Vortrag soll Chancen und Risiken der neuen Richtlinie beleuchten.

Vortrag

Hfd-wissenschaft Transparent-halangProf. Dr. Dr. Wolfgang A. Halang

Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Halang wurde in Mathematik und Informatik promoviert, arbeitete in der Industrie und war/ist Inhaber von Lehrstühlen für Informationstechnik an der Reichsuniversität Groningen und seit 1992 in Hagen. Er war Gastprofessor in Rom und Maribor, letzter Dekan des Fachbereichs Elektrotechnik und ist jetzt Prodekan der Fakultät für Mathematik und Informatik.

18.35 Uhr

Nicht brechbare Kryptographie und nicht hackbare Rechner:
Warum Konrad Zuse über heutige IT-Sicherheitsprobleme lachen würde

Fast täglich berichten die Medien über Abhöraffären, Datenspionage, Hackerangriffe und Gefahren der Internet-Nutzung. Konrad Zuse, der Erfinder des Computers, hätte darüber nur gelacht, weil seine Maschinen auch dann nicht von außen beeinflussbar gewesen wären, wenn sie über Telekommunikationsverbindungen verfügt hätten. Im Vortrag wird gezeigt werden, dass alle Probleme der IT-Sicherheit mit bekannter Technik konstruktiv ausgeschlossen werden können. So können Rechner gebaut werden, an denen Hackerangriffe grundsätzlich abprallen, und seit mindestens einem Jahrhundert sind Verfahren bekannt, mit denen sich Daten derart verschlüsseln lassen, dass ihre systematische Entschlüsselung prinzipiell unmöglich ist.

Fragen und Diskussion

18.55 Uhr


Schlussworte

Prof. Dr. Alexandra Przyrembel

19.10 Uhr


Ausklang mit Gesprächen

19.15 Uhr

Imbiss


Gerd Dapprich | 23.09.2016