Controlling bei Schalke 04 und erfolgreiche Promotion an der FernUniversität

Claudio Kasper leitet das Konzerncontrolling beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Seine Doktorarbeit an der FernUniversität befasst sich mit dem Controlling im deutschen Teamsport.


Gruppenbild mit vier Männern: der Promovend mit seinem Betreuer und seinen Gutachtern
Promotion erfolgreich bestanden. Es freuen sich Gutachter Prof. Gerrit Brösel, Claudio Kasper, Betreuer Prof. Jörn Littkemann und Gutachter Prof. Thomas Volling.

Der Start in die neue Saison der Fußball-Bundesliga war anders geplant. Mit der 0:1-Auswärtsniederlage bei Eintracht Frankfurt hatte der Fußball-Bundesligist Schalke 04 nicht gerechnet. Kalkulieren mit der Unwägbarkeit des sportlichen Erfolgs muss Claudio Kasper hinter den Kulissen des Fußballklubs. Was passiert, wenn Schalke 04 nicht in die dritte Runde des DFB-Pokals einzieht? Wie würde es sich auswirken, wenn der Revierklub aus Gelsenkirchen in die Champions League einzieht? Der 38-jährige Leiter des Konzerncontrollings muss unterschiedliche Szenarien des sportlichen Erfolgs in der Unternehmensrechnung berücksichtigen. Diese Flexibilität in der Kostenplanung ist für den Münsterländer die größte Herausforderung im Controlling bei Schalke 04.

300. Promotion an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft

Mit Controlling befasst sich Kasper nicht nur beruflich. Es ist auch Thema seiner Doktorarbeit an der FernUniversität in Hagen, die er jetzt erfolgreich abgeschlossen hat. Als externer Doktorand am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Unternehmensrechnung und Controlling von Prof. Dr. Jörn Littkemann, hat er eine empirische Analyse des Controllings im deutschen Teamsport vorgenommen. Insgesamt war es die 300. Promotion an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft. „Es hat mich überrascht, wie deutlich die Fußballbranche in den vergangenen Jahren an Professionalisierung gewonnen hat“, sagt Prof. Littkemann, Experte im Bereich Sportmanagement, über die Dissertation von Claudio Kasper. „Die Studie von Claudio Kasper zeigt, dass der Profifußball zu einer normalen Branche geworden ist.“

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Glückwunsch zur erfolgreichen Promotion: Dr. Claudio Kasper und sein Betreuer Prof. Jörn Littkemann.

Fußball, Eishockey, Handball und Basketball

Claudio Kasper bezieht über den Profi-Fußball hinaus auch andere Sportarten ein. Neben Fußballklubs der 1. bis 3. Liga hat er auch die Profi-Klubs der 1. Bundesliga im Eishockey, Handball und Basketball befragt. 50 von 103 angefragten Vereinen haben geantwortet.

Wie erfolgt das Controlling im professionellen Teamsport in Deutschland? Wo gibt es noch Entwicklungsbedarf? Und welche Besonderheiten sind in Teamsportorganisationen zu beachten? „Das Controlling ist im Teamsport angekommen“, fasst Kasper zusammen. „Der Grad der Institutionalisierung des Controllings ist im Fußball aber wesentlich höher, da die Klubs eine höhere organisatorische Komplexität, gemessen an der Anzahl der festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aufweisen“, sagt Kasper. Zentrale Besonderheit und Herausforderung in der gesamten Teamsportbranche ist die Einbindung der sportlichen Perspektive in das Unternehmenscontrolling. Entwicklungsbedarf sieht Kasper in der strategischen Planung teamsportspezifischer Elemente wie dem Sponsoring-Controlling. „Beispielsweise ist die Analyse, welchen Nutzen Sponsoring für die Sponsoren des jeweiligen Klubs hat, noch unterwickelt“, verdeutlicht Kasper. „Hier können die Klubs noch zulegen und damit einen Mehrwert für ihre Sponsoren erzielen.“

Verzahnung von Theorie und Praxis

Die Ergebnisse der Promotion fließen in das Konzerncontrolling beim FC Schalke 04 mit ein. „Die theoretische Sicht hilft uns in der Praxis weiter. Man reflektiert die Dinge anders und kann einzelne Aspekte des Controllings weiter verbessern“, berichtet Kasper.

Gelernt hat der Münsterländer das Controlling-Handwerk als Offizier bei der Bundeswehr. „Ich bin Fußballfan und schon im Studium haben mich Bereiche gereizt, in denen das Controlling noch nicht so weit entwickelt ist“, erklärt Kasper, wie es zum Thema für seine Dissertation und zu seinem Wechsel in die Fußballbranche kam. Zwei Jahre lang leitete er zunächst das Rechnungswesen und Controlling beim 1. FC Kaiserlautern und erlebte in der Saison 2009/2010 den Aufstieg der „Roten Teufel“ mit. Seit 2011 verantwortet der Münsterländer das Konzerncontrolling beim FC Schalke 04. Parallel entstand seine Promotion an der FernUni, die Kasper als Abschluss seiner akademischen Ausbildung versteht. Gleichzeitig hat er sich damit einen Traum erfüllt: ein eigenes, wissenschaftliches Buch zu schreiben.

Mit gutem Controlling Weichen für die Meisterschaft stellen

Einen weiteren Traum will er sich in Zukunft erfüllen: Meister werden mit dem FC Schalke 04. Dass gutes Controlling zu sportlichem Erfolg führt, will der Fußballfan nicht beschwören. Aber er will mit gutem Controlling dabei helfen, dass möglichst viel Geld in den Lizenzspielerkader gesteckt werden kann. Denn seine Studie bestätigte ebenfalls: Sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg sind im Teamsport eng miteinander verzahnt.

Carolin Annemüller | 05.09.2016