„Leben mit dem Lager“

Um „Hafterfahrungen der Insassen der sowjetischen Speziallager 1945 – 1950 und ihre biografische Bedeutung“ geht es am 9. November in der BürgerUni Coesfeld. Referentin ist Dr. Eva Ochs.


Welche Bedeutung für die eigene Biografie hatte die Haft in den sowjetischen Speziallagern auf dem Boden der späteren DDR zwischen 1945 und 1950? Wie wurde diese Zeit von den Inhaftierten später bewältigt? Antworten hierzu bietet am Mittwoch, 9. November, in der BürgerUniversität Coesfeld der Vortrag „Leben mit dem Lager. Hafterfahrungen der Insassen der sowjetischen Speziallager 1945 – 1950 und ihre biografische Bedeutung“. Referentin ist die FernUni-Historikerin Dr. Eva Ochs, Veranstalterin die Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften. Der Vortrag findet im WBK – Wissen Bildung Kultur, Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld, ab 19 Uhr statt. Der Eintritt ist wie immer frei, alle Interessierten sind willkommen.

In dem Vortrag wird es um die biografische Bedeutung und die lebensgeschichtliche Bewältigung von Hafterfahrungen in den sowjetischen Speziallagern auf dem Boden der späteren DDR zwischen 1945 und 1950 gehen. Die nationalsozialistischen Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen waren von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Kriegsende umfunktioniert worden: Nun nutzte man sie als Internierungslager für ehemalige Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten und sogenannte Gegnerinnen und Gegner der Besatzungsmacht. Ein Drittel der über 120.000 Häftlinge überlebte die Haftzeit aufgrund der katastrophalen Versorgungslage nicht. Die anderen versuchten, sich nach ihrer Entlassung in den neuen politischen Systemen der DDR oder auch der Bundesrepublik Deutschland zurechtzufinden.

Dr. Eva Ochs ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne (Prof. Dr. Alexandra Przyrembel) der FernUniversität in Hagen. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt in der mündlichen Geschichtsforschung (Oral History). Für ihr Promotionsprojekt hat sie 40 lebensgeschichtliche Interviews mit ehemaligen Insassen der sowjetischen Speziallager durchgeführt und sich mit deren Lebenserinnerungen beschäftigt.

Moderiert wird die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs von der Leiterin der Stiftungsprofessur, Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke.

Weitere Informationen sind beim Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität, E-Mail: Regionalzentrum.Coesfeld@FernUni-Hagen, erhältlich.

Gerd Dapprich | 14.10.2016