Prof. Osman Isfen leitet Lehrstuhl für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht

Internationales und Digitalisierung sind für den 39-jährigen Rechtswissenschaftler zwei zentrale Themenbereiche, in denen er mit seinem Team bereits erste Projekte umsetzt.


Osman Isfen sitzt in seinem Büro am Schreibtisch
Von seinem Büro im TGZ aus in die ganze Welt vernetzt: Prof. Dr. Osman Isfen lebt, denkt und arbeitet global.

Die Afrika-Ecke in seinem neuen Büro ist noch nicht fertig. Seine Leidenschaft für westafrikanische Länder wie Mali, Senegal und Burkina Faso soll auch an der FernUniversität sichtbar sein. Prof. Dr. Osman Isfen lebt, denkt und arbeitet global. Zum Wintersemester hat der 39-jährige Rechtswissenschaftler die Leitung des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht an der FernUniversität in Hagen übernommen.

Internationale Kooperationen im Aufbau

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit wird der Ausbau von internationalen Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt sein. Fest eingeplant sind bereits Besuche an Universitäten in Kasachstan, Usbekistan und Peru – erste Kontakte sind über den Deutschen Akademischen Austauschdienst entstanden. „Diese Länder sind aktuell sehr interessiert am deutschen Recht“, sagt Prof. Isfen über die durchaus exotischen Reiseziele. „Wir können für eine Reform ihres Rechts Unterstützung aus dem strafrechtlichen Bereich bieten.“

Eine Herzensangelegenheit sind für den Juristen mit Wurzeln in Istanbul seine wissenschaftlichen Kontakte in der Türkei. „Die Zusammenarbeit ist abgekühlt“, bedauert das Mitglied im Kuratorium der NRW-Landesstiftung für Türkeistudien und Integrationsforschung angesichts der derzeit schwierigen politischen Lage. „Im Moment ist Vieles auf Zurückhaltung ausgelegt.“ Osman Isfen reist als deutscher Staatsbürger aber nach wie vor privat und beruflich in die Türkei, unter anderem sitzt er im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Forschungszentrums an der Özyeğin Universität Istanbul.

Drittmittelprojekte mit Türkeibezug

Seine Expertise im deutschen und türkischen Strafrecht spiegelt sich auch in seiner Forschung wider. Vor seinem Wechsel an die FernUniversität hat er als Junior-Professor an der Ruhruniversität Bochum zwei Drittmittelprojekte mit Türkeibezug abgeschlossen. Intensiv hat er sich mit den Auswirkungen der Reform des türkischen Strafrechts nach dem Vorbild des deutschen Rechts befasst. Im zweiten Projekt ging es um die Situation von Häftlingen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. In insgesamt acht Justizvollzugsanstalten interviewten Isfen und sein Team Anstaltsleitungen und Häftlinge. Das Ergebnis seiner Studie: „Integrationsprobleme mit türkischen Verurteilten sind in deutschen Gefängnissen so gut wie fremd.“ Quälendes Element sei für die Nicht-EU-Bürger allerdings die Ungewissheit, möglicherweise abgeschoben zu werden.

An der FernUniversität möchte Prof. Isfen ein interdisziplinäres Verbundprojekt mit der Psychologie initiieren. Darin soll es um die Frage gehen, warum Menschen wirtschaftsstrafrechtliche Delikte begehen.

Auch in der Lehre will er die Internationalität im Auge behalten. Im Zuge des neuen Studiengangs Erste Juristische Prüfung (EJP) möchte er einen Fremdsprachennachweis für die türkische Sprache etablieren. Möglicherweise soll dann auch ein fremdsprachliches Angebot an der FernUni eingerichtet werden. Darüber hinaus will er an der Hagener Hochschule langfristig einen Master im türkischen Strafrecht für berufstätige Juristen in Deutschland aufbauen.

Neue Skripte für die Erste Juristische Prüfung (EJP)

An erster Stelle stehen für das Team um Osman Isfen aber zunächst die neuen Skripte für die EJP. „Wer das Juristische Staatsexamen neben dem Beruf durchzieht, verdient allerhöchsten Respekt und benötig sehr gute und aktuelle Skripte“, sagt Isfen, der sein erstes Staatsexamen als hartgesottener Einzelkämpfer ohne Repetitor und feste Lerngruppen erfolgreich abgelegt hat.

Die Skripte seines Lehrstuhls will er zukünftig mit multimedialen Elementen ergänzen. In Planung ist bereits ein strafrechtliches Lehrgebiets-Blog für Studierende und die interessierte Fachöffentlichkeit. „Darin möchten wir aktuelle Geschehnisse und BGH-Entscheidungen aufgreifen.“ Mehr über Prof. Isfen und sein Lehrgebiet gibt’s schon jetzt auf Facebook. „Im Hauptberuf: Ehemann, Familienvater und Afrika-Liebhaber / Im Nebenberuf: Professor für Strafrecht“, ist dort auf seiner Profilseite zu lesen. Um diese Rollen unter einen Hut zu bringen, lebt der Rechtswissenschaftler seit 2010 mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Wetter. Denn auf Präsenz legt er viel Wert — in seiner Familie und an der FernUniversität.

Carolin Annemüller | 29.11.2016