Die Ruinen des Römischen Reiches

Über „Imperiales Bauen – Architektur und Stadtplanung im Kontext großer Reiche“ sprachen Historikerinnen und Historiker auf einer Fachtagung an der FernUniversität in Hagen.


Ansicht der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz im Moskau
Die Kathedrale des seligen Basilius auf dem Roten Platz in Moskau
Zwei Männer stehen vor einem Plakat, auf dem der Titel einer Fachtagung steht: Imperiales Bauen - organisiert von Prof. Hans-Heinrich Nolte vom Verein Geschichte des Weltsystems und Prof. Jürgen G. Nagel von der FernUniversität.
Prof. Hans-Heinrich Nolte vom Verein Geschichte des Weltsystems und Prof. Jürgen G. Nagel von der FernUniversität

Das Kolosseum in Rom, die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau, Opernhäuser in Brasilien oder Ägypten, sozialistische Monumentalgebäude – Weltreiche haben stets eine Bandbreite an architektonischen Repräsentationsformen entwickelt und hinterlassen. Die baulichen Zeugnisse großer Imperien, die ihre Herrschaft weit über die eigenen Grenzen ausgedehnt haben, finden sich noch heute.

Die Tagung „Imperiales Bauen – Architektur und Stadtplanung im Kontext großer Reiche“ beschäftigte sich unter anderem mit den langfristigen und epochenübergreifenden Entwicklungen, die die Repräsentation des imperialen Gedankens in Bauten durchlaufen hat. Prof. Dr. Jürgen G. Nagel, Leiter des Lehrgebiets Geschichte Europas in der Welt am Historischen Institut der FernUniversität in Hagen, und der Verein für Geschichte des Weltsystems hatten die Tagung gemeinsam organisiert.

In den Diskussionsrunden stand vor allem im Mittelpunkt, ob sich imperiales Denken in Bauprogrammen niederschlägt und ob dies an Stilistik sowie Bauformen festzumachen ist oder sich in der Planung niederschlägt. Darüber hinaus wurde auch die Bedeutung einzelner Akteure der ,Imperien‘ und der jeweils spezifische historische Kontext angesprochen. Die Tagungsbeiträge werden in einem Sammelband publiziert.

Geschichte des Weltsystems

FernUni-Wissenschaftler Jürgen G. Nagel hatte die Tagung nach Hagen geholt, denn: „Es gibt viele inhaltliche Bezüge zwischen der Ausrichtung meines Lehrgebiets und den Ansätzen, für die sich der Verein einsetzt.“ Über das Thema seiner Dissertation lernte Nagel den Historiker Prof. Dr. Hans-Heinrich Nolte kennen. „Nolte hat das Thema Weltsystem in Deutschland bekannt gemacht. Es kommt ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum.“ Während seiner Professur an der Universität Hannover beschäftigte sich Hans-Heinrich Nolte schon schwerpunktmäßig mit Weltgeschichte. Inzwischen ist Nolte emeritiert und setzt sich über den Verein dafür ein, die Forschungen zur Welt- und Globalgeschichte in Deutschland zu fördern und eine stärkere universitäre Verankerung des Fachgebietes anzuregen.

„Wir möchten die Geschichten aller Gesellschaften in sämtlichen Zeiten und Regionen unter dem Aspekt ihrer Verflechtung miteinander rekonstruieren“, führt Hans-Heinrich Nolte, der den Verein gegründet hat, aus. „Der Begriff Weltsystem wurde von dem amerikanischen Gelehrten Immanuel Wallerstein geprägt – wir verstehen darunter die Geschichte des sozialen Systems der Menschheit im Rahmen des Systems ihrer natürlichen Umwelt.“

Anja Wetter | 17.11.2016