Zwei Fellowships für Innovationen in der digitalen Lehre an der FernUniversität

Projektvorhaben der Mathematik-Professorin Luise Unger und des Politikwissenschaftlers Daniel Otto werden vom NRW-Wissenschaftsministerium und vom Stifterverband gefördert.


Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler der FernUniversität in Hagen werden vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium und vom Stifterverband im neuen Programm „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ bei ihren innovativen Vorhaben ein Jahr lang gefördert. Die Mathematikerin Prof. Dr. Luise Unger erhält fast 50.000 Euro, der Politikwissenschaftler Dr. Daniel Otto 44.300.

Prof. Luise Unger

Inverted Classrooms

Prof. Dr. Luise Unger will bewährten Elementen der Präsenzlehre im Fach Mathematik Türen der FernUniversität in Hagen öffnen, die aus technischen Gründen bisher verschlossen waren. Die Leiterin des Lehrgebiets Algebra erhält die Förderung für ihr Projekt „Inverted Classrooms im Fernstudium Mathematik“.

Dr. Daniel Otto

Das Betreuungsangebot für ein Pflichtmodul in der Studieneingangsphase des Bachelor of Science Mathematik an der FernUniversität soll nach der „Inverted-Classroom-Methode“ neu gestaltet werden: Dabei arbeiten sich kleinere Studierendengruppen gemeinsam in virtuellen Klassenzimmern – also im Internet – in mathematische Aufgabenstellungen ein und vertiefen gemeinsam den Stoff. Lehrende fungieren hierbei als Modertorinnen und Moderatoren. Das fördert die tiefe Durchdringung der Lehrinhalte und sorgt für individuelle Erfolgserlebnisse. Prof. Luise Unger: „Gerade die Studierenden in der Mathematik müssen miteinander reden. Das virtuelle Klassenzimmer gibt uns die technischen Kommunikationsmöglichkeiten hierfür.“

Im Rahmen der virtuellen Klassenzimmer erbrachte Leistungen werden künftig in die Kriterien für die Vergabe der Leitungsnachweise eingehen und die bisher übliche Klausur in Präsenz ablösen.

Prof. Unger arbeitet bei ihrem Projekt eng mit dem Zentrum für Medien und IT der FernUniversität (ZMI) zusammen.

Virtuelle Mobilität

„Der internationale Austausch im Rahmen des Studiums kann eine wichtige inhaltliche und persönliche Lernerfahrung für Studierende sein – fachlich, sprachlich, interkulturell und persönlich“, betont Dr. Daniel Otto. Doch viele Studierende der FernUniversität – wie etwa die 80 Prozent gleichzeitig berufstätigen – können nicht so einfach längere Zeit ins Ausland gehen.

Daniel Otto, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Internationale Politik sowie im Masterstudiengang interdisziplinäre Umweltwissenschaften („infernum“), will mit seinem Projekt „Lehr- und Lerninnovationen für Modulangebote mit virtueller Mobilität“ für solche Studierende ein alternatives Angebot entwickeln. Es soll die Türen für ein virtuelles Studium gemeinsam mit anderen europäischen und außereuropäischen Universitäten aufstoßen, ohne dass diese Studierenden im Ausland physisch präsent sein müssen. Diese Form der virtuellen Mobilität beinhaltet außerdem neue innovative Lehr- und Prüfungsformate.

Das Konzept wird in einem neuen englischsprachigen Modul zur Energiepolitik erprobt. 20 Studierende testen das Modul und bewerten es anschließend. Der Masterstudiengang „infernum“ kooperiert hierfür mit mehreren internationalen Partnern. Um Lernerfolg und -motivation der Studierenden zu erhöhen, werden digitale Innovationen wie Seamless Learning und Peer Assessment für die virtuelle Zusammenarbeit eingesetzt.

Seamless Learning bezeichnet nahtlose Lernübergänge unabhängig von Zeit und Ort, beispielsweise durch die Nutzung von mobilen Endgeräten. Beim Peer Assessment evaluieren die Studierenden die Ergebnisse ihrer Lernprozesse gegenseitig in Gruppen.

infernum“ ist ein gemeinsames Angebot der FernUniversität in Hagen und des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen.

Mit ihrem neuen Programm „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ unterstützen das NRW-Wissenschaftsministerium und der Stifterverband 46 Lehrende bei der Einführung innovativer digitaler Lehrvorhaben an den Hochschulen. Für die Umsetzung ihrer Konzepte erhalten die Fellows jeweils bis zu 50.000 Euro. Die Fellowships werden jährlich ausgeschrieben.

www.stifterverband.org/digital-lehrfellows

Gerd Dapprich | 21.12.2016