„Bürgerrechte für Organisationen? – Die USA und Deutschland im Vergleich“

Zu dem Seminar der BürgerUniversität Coesfeld mit Dr. Thomas Matys (FernUniversität) am 21. Januar 2017 sind bis zum 13. Januar Anmeldungen möglich.


Sollen Organisationen Bürgerrechte bekommen? Dieser Frage geht Dr. Thomas Matys vom Institut für Soziologie an der FernUniversität mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Seminar „Bürgerrechte für Organisationen? – Die USA und Deutschland im Vergleich“ am Samstag, 21. Januar 2017, nach. Es findet ab 10 Uhr im Rahmen der BürgerUniversität Coesfeld im WBK – Wissen Bildung Kultur, Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld, statt. Interessierte können sich bis zum 13.01.2017 im Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität, E-Mail Regionalzentrum.Coesfeld@fernuni-hagen.de ist erforderlich.

Veranstalterin ist die Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften (Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke ) der FernUniversität. Die Veranstaltung findet im Hagener Forschungsdialog statt.

Leicht könnte man bei Befragungen wohl Einigkeit darüber erzielen, dass Menschen- bzw. Bürgerrechte für Menschen gemacht sind. Seien es Rechte, die sich auf freie Meinungsäußerung, einen ordentlichen Gerichtsprozess oder auf Entschädigung bei staatlicher Enteignung u. a. beziehen. Allerdings zeigen die letzten 200 Jahre, besonders seit Entstehen der Vereinigten Staaten von Amerika, dass es erbitterte Kämpfe gab, auch Organisationen – beispielsweise Schulen, aber hauptsächlich ökonomischen Organisationen – Menschenrechte zuzusprechen.

Die Vertreter der Organisationen, der „Legal Persons“, argumentierten, ihre Organisationen seien „als Personen“ zu behandeln und genössen daher den Schutz der US-amerikanischen Verfassung, die ja in ihren Zusatzartikeln den größten Teil der modernen Menschenrechte enthält. Und die entsprechenden Rechtsprechungen gaben und geben ihnen „Recht“: Organisationen haben es geschafft, nahezu alle Menschenrechte für sich in Anspruch nehmen zu können.

Dies hat nicht nur eine stillschweigende Transformation von Staatlichkeit zufolge, sondern auch eine globale Protestbewegung auf den Plan gerufen, die fordert: „Gebt den Menschen ihre Bürgerrechte zurück, denn ihr seid Organisationen und keine Menschen“ („Reclaim Democracy“). Das Seminar möchte die Entwicklung dieser „Kämpfe“ nachzeichnen und fragen, warum das in Deutschland ganz anders verlaufen ist.

Dr. Thomas Matys (Jahrgang 1971) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Soziologie an der FernUniversität in Hagen. Mit der Thematik hat er sich unter anderem in seiner 2011 erschienenen Dissertationsschrift „Legal Persons“ – „Kämpfe“ um die organisationale Form“ auseinandergesetzt (www.thomas-matys.de).

Gerd Dapprich | 22.12.2016