Rugby-Diva Jana Böttcher: „Hobby mit Vollkontakt“

Tackling, Sprints und Dropkicks: In ihrer Freizeit spielt Jana Böttcher Rugby. Wir haben die Verwaltungsmitarbeiterin der FernUniversität für unsere Reihe „FernUni-Menschen“ interviewt.


Jana Böttcher vor einer Pinnwand mit mehreren Zeitungsartikeln über ihre Mannschaft
Selbst an der Pinnwand in Jana Böttchers Büro ist ihr Lieblingssport gegenwärtig. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Gemütlich auf die Couch nach Feierabend? Von wegen! Jana Böttchers Freizeitplan sieht anders aus: Mehrmals pro Woche legt sie ihren Mundschutz an, schnappt sich einen pillenförmigen Ball, tackelt, kickt und stürmt über den Rasen. Die 29-Jährige spielt Rugby im Verein R.F.C. Dortmund. Mit ihrer 7er Frauenmannschaft „Rugby Divas“ kämpfte sie schon um die Deutsche Meisterschaft. Ihre Karriere an der FernUniversität in Hagen begann für Jana Böttcher 2007 mit einer kaufmännischen Ausbildung. Seit 2011 arbeitet sie im Dezernat 4.4.2. Kaufmännisches Gebäudemanagement, wo sie sich schwerpunktmäßig um die Raumbelegungen auf dem Hagener Campus kümmert. Wir haben die gebürtige Leipzigerin zu ihrem „Hobby mit Vollkontakt“ interviewt.

Im Fernsehen sieht Rugby ziemlich hart aus. Wie oft verletzen Sie sich?

Ich spiele seit 2010 Rugby und glaube, ich habe in der Zeit nicht mehr Verletzungen gehabt als jemand, der Handball oder Fußball spielt. Anfällig bin ich für gebrochene Finger – die hatte ich viermal. Das ist allerdings nur bei mir so; andere verletzen sich da gar nicht. Dann hatte ich noch einen Bänderriss und ansonsten die üblichen blauen Flecke. [Jana Böttcher zeigt ihren Unterarm mit kleineren Blessuren und lächelt.] Das sieht jetzt aber schlimmer aus, als es ist: Wir spielen auf Rasen und nicht auf einem harten Hallenboden wie in anderen Sportarten. Der Körperkontakt beim Tackling läuft sehr kontrolliert ab.

Spielt man mit dem gleichen Ball Rugby, den man vom American Football kennt?

Nein! Die Sportarten vergleichen ja viele, obwohl es eigentlich keine Gemeinsamkeiten gibt – außer, dass sich die Formen der Bälle ähneln. Beim Rugby ist er größer. Auch die Spielregeln sind komplett unterschiedlich: Man darf den Ball zum Beispiel nur nach hinten passen und es gibt im Gegensatz zum Football keine Spielunterbrechungen.

Jana Böttcher beim Rugbyspiel, während eines Tacklings
Rugby ist eine Sportart mit Vollkontakt. Anders als beim American Football tragen die Spielerinnen hier aber keine Schutzrüstung. (Foto: Andreas Jakobs)

Wie sind Sie zum Rugby gekommen?

Eigentlich nur durch Zufall. Eine Freundin hat mich am Anfang sozusagen zum Training gezwungen. Sie sagte immer wieder: ‚Komm doch einfach mal mit!‘ Irgendwann hat sie geschafft, mich zu überreden. Dieser erste Schritt ist der schwierigste. Wenn man erst einmal da ist, dann merkt man schnell, ob der Sport etwas für einen ist oder nicht. Mein erstes Training war vor knapp sieben Jahren. Mittlerweile bin ich Erste Vorsitzende des R.F.C. Dortmund. Ich hätte es vorher nie gedacht, aber Rugby hat mein ganzes Leben eingenommen.

Was begeistert Sie an einer Randsportart wie Rugby?

Einfach das große Ganze! Der Sport macht sehr viel Spaß und man arbeitet wirklich als Team. Dabei sind wir komplett unterschiedlich: Ich habe einen Bürojob, die anderen studieren oder sind Lehrerinnen. Mit Mitgliedern von 15 bis 40 Jahren sind wir auch altersmäßig und privat völlig verschieden. Rugby hält uns zusammen. Gerade weil die Community in Deutschland noch klein ist, fühlt sie sich wie eine große Familie an. Klar, auf den Turnieren kämpfen wir hart gegen unsere Gegnerinnen. Aber danach liegen wir uns in den Armen oder gehen gemeinsam ein Bier trinken. Im Vergleich zum Fußball, den ich auch gerne gucke, sind der Respekt und die Fairness auf dem Platz sehr hoch. Es geht uns darum, Rugby zu spielen! Letztens habe ich zum Beispiel einer gegnerischen Mannschaft ausgeholfen, die Ausfälle hatte. Ich habe einfach auf deren Seite mitgespielt, damit sie beim Turnier antreten konnten.

Können sich Kolleginnen und Kollegen, die neugierig geworden sind, bei Ihnen melden?

Klar, jederzeit! Wir freuen uns im Verein über jede neue Sportlerin und jeden neuen Sportler. Einfach mal in Sportklamotten zum Training kommen und mitmachen! Man braucht keine Scheu zu haben – mitspielen kann eigentlich jede. Die Klischeevorstellung von ‚Kampftieren‘ beim Rugby stimmt nicht. Wie gesagt: Die Frauen in unserem Team könnten unterschiedlicher nicht sein. Von ‚stark‘ bis ‚ganz schnell‘ ist alles vertreten.

Auch Lust auf Rugby bekommen?

Benedikt Reuse | 09.06.2017