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Aktuelles - Juli 2017

Multitasking: „Entscheidend ist nicht wie viel, sondern was!“

Prof. Gaschler im Porträt
Prof. Robert Gaschler (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Wer kennt „Multitasking-Situationen“ nicht? Den Telefonhörer zwischen Wange und Schulter geklemmt blättert man im Kalender, macht sich Notizen und versucht zugleich, mit dem Handwerker am anderen Ende der Leitung zu sprechen – gar nicht so einfach! Kaum einer weiß das besser als Prof. Dr. Robert Gaschler. Der Wissenschaftler leitet das Lehrgebiet „Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion“ an der FernUniversität in Hagen. In Kooperation mit Prof. Dr. Hilde Haider von der Universität Köln betreibt sein Team ein spezielles Multitasking-Labor; die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt im Rahmen des Schwerpunktprogramms Multitasking.

„Es gibt weltweit viele Forscherinnen und Forscher, die Multitasking-Probleme anhand eines ‚Flaschenhalses‘ erklären: Menschen können demnach zwar viele Dinge gleichzeitig wahrnehmen, aber nur für wenige Dinge gleichzeitig eine Reaktion auswählen und ausführen“, erläutert Prof. Gaschler. Aus seiner Sicht greift diese Theorie jedoch zu kurz: „Kapazitätsprobleme reichen als Erklärung für Schwierigkeiten beim Multitasking nicht aus. Es ist nicht so wichtig, wie viel, sondern was man gleichzeitig tut.“ Mehr als bisher angenommen könnte sich das menschliche Gehirn beim Multitasking selbst im Weg stehen – das legen die bisherigen Erkenntnisse des Multitasking-Labors nahe.

„Auch wenn Testaufgaben eigentlich nichts miteinander zu tun haben, merken sich die Versuchspersonen unabsichtlich, welche Buchstaben, Bilder, Töne oder Zahlen gemeinsam vorkommen“, meint Gaschler. „Ihr Gehirn will die eine Aufgabe nutzen, um die andere vorherzusagen. Das geht jedoch gründlich schief, wenn die Aufgaben eigentlich nichts miteinander zu tun haben.“ So ließe sich auch erklären, warum es Kinder schwerfällt, mit einer Hand am Bauch auf und ab zu streicheln, während sie mit der anderen Kreise auf ihrem Kopf zeichnen sollen. Ihr Hirn vermischt die zwei Vorgänge schlichtweg.

Hier möchte der FernUni-Psychologe mit seinem Team ansetzen: Ein neuer Versuchsaufbau soll zeigen, was das menschliche Gehirn kann, wenn es nicht alles durcheinanderbringt. „Wir entwickeln und testen Übungen, die das Verketten von unterschiedlichen Aufgaben vermeiden, sodass diese besser parallel bearbeitet werden können“, beschreibt Gaschler die Methode.

Freiwillige für Experimente gesucht

Für die Versuche auf dem Hagener Campus werden noch Teilnehmende gesucht, die gerne Interesse an Wissenschaft haben können. Dabei ist nicht wichtig, besonders fähig zum Multitasking zu sein. Vielmehr wollen die Forschenden etwas über die gezielte Steuerung von Aufgaben herausfinden. Die Tests sind einfach gestaltet und finden an gewöhnlichen Computern statt. Die Teilnahme dauert etwa zwei Stunden. Es wird eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Psychologie-Studierende der FernUniversität können alternativ auch Versuchspersonenstunden gutgeschrieben bekommen.


Benedikt Reuse | 14.07.2017
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