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Aktuelles - Oktober 2017

Andere Länder, frisches Wissen

Die Doktoranden, der Doktorvater und die STIBET-Koordinatorin stehen auf dem Campus der FernUniversität
Internationaler Campus (v.li.n.re.): Mareike Weiß von der Stabsstelle Digitalisierung und Internationalisierung zusammen mit den ausländischen Doktoranden Marco Diamanti und Jacinto Paez neben ihrem Doktorvater Prof. Dr. Thomas S. Hoffmann (Foto: FernUniversität)

„Ich freue mich sehr darauf, ein paar Monate in Deutschland zu leben und zu forschen“, sagt Jacinto Paez. Er ist Doktorand an der Universidad Diego Portales in Santiago de Chile und von September bis Februar zu Gast an der FernUniversität in Hagen. Am Lehrgebiet „Praktische Philosophie – Ethik, Recht, Ökonomie“ von Prof. Dr. Thomas S. Hoffmann möchte er sein Promotionsprojekt vorantreiben.

Im gleichen Zeitraum ist auch der italienische Doktorand Marco Diamanti am Lehrgebiet tätig. Bereits zum wiederholten Mal forscht er in Deutschland: „Ich komme von der römischen Universität Sapienza und war dank eines italienischen Stipendiums schon einmal für ein halbes Jahr in Hagen.“

Die beiden Nachwuchswissenschaftler befinden sich in binationalen Promotionsverfahren. Das heißt, ihre Forschungsvorhaben werden jeweils von zwei Personen begleitet: den Betreuenden an den Partnerhochschulen in Chile beziehungsweise Rom und zugleich von Prof. Hoffmann. Jacinto Paez profitiert zusätzlich vom deutsch-lateinamerikanischen Forschungs- und Promotionsnetzwerk Philosophie, kurz FILORED. Der offene Verbund von Universitäten hilft dabei, internationale Doppelpromotionen in die Wege zu leiten und zu realisieren. „Wir haben im Rahmen von FILORED bereits zwei Promotionen durchgeführt, die nächsten werden bald folgen“, weist Hoffmann als Koordinator von FILORED auf den Erfolg des Netzwerks hin.

Internationale Gäste dank Stipendium

Finanzielle Unterstützung erhalten die jungen Wissenschaftler durch das Kontaktstipendium des Stipendien- und Betreuungsprogramms (STIBET). Die FernUniversität wirbt dafür jährlich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Kontaktstipendien ein, die aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert werden. Die Förderung für ausländische Promovierende in binationalen Promotionsverfahren an der FernUniversität in Hagen ist auf maximal sechs Monate begrenzt. „Pro Jahr vergeben wir zwei bis drei solcher Stipendien an Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland“, erklärt Mareike Weiß. Sie arbeitet in der Stabsstelle Digitalisierung und Internationalisierung und betreut dort unter anderem die STIBET-Kontaktstipendien. „Es ist schön, auf diese Weise Forschende aus aller Welt auf dem Hagener Campus begrüßen zu dürfen.“

Bezug zur deutschen Philosophie

Der Titel von Diamantis Promotionsprojekt lautet „Philosophie, Geschichtsschreibung und Politik bei Bertrando Spanventa (1850-1864)“. Der Philosoph Spaventa ist der sogenannten „neapolitanischen Schule“ zuzuordnen. Er beeinflusste die italienische Rezeption von Georg Wilhelm Friedrich Hegel maßgeblich, indem er dessen Hauptwerke aus dem Deutschen übersetzte und in seinem eigenen Denken an sie anschloss.

Für sein Forschungsvorhaben kann Diamanati wertvolle Schätze aus deutschen Sammlungen nutzen: „Ich bin unter anderem zu Recherchezwecken hier. Die Bibliothek der FernUniversität und andere Archive vor Ort beherbergen wichtige Bücher und Dokumente zur klassischen deutschen Philosophie.“ Hoffmann fügt hinzu: „Ganz in der Nähe, in Bochum, befindet sich mit dem Hegelarchiv zudem eine wichtige internationale Anlaufstelle für Forschende, die sich mit dem Hegelianismus beschäftigen.“

„In der Bibliothek der FernUniversität finde ich viele Bücher zu meinem Forschungsthema“, freut sich auch Jacinto Paez. Sein Promotionsprojekt hat ebenfalls einen direkten Bezug zur klassischen deutschen Philosophie – der Titel: „Neukantianismus und Neuhegelianismus im Werk Wilhelm Windelbands”. Windelband (1848-1915) war ein wichtiger Vertreter des Neukantianismus und führender Kopf der sogenannten „Südwestdeutschen Schule“. „Sein Werk versucht in bestimmtem Sinne, Kant und Hegel zu verbinden“, erläutert der Doktorand. „Zugleich ist Windelbands Arbeit als Philosophiehistoriker bis heute relevant: Seine These war, dass die Philosophie ihre eigene Geschichte notwendig mitbedenken muss.“


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Benedikt Reuse | 10.10.2017
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