Prof. Dr. Ulrich Battis: der Image-Wandler

Interview mit Prof. Dr. Ulrich Battis, Rektor der FernUniversität von 1984 bis 1993: „Wir haben die Eigenart und die Stärken der FernUniversität als Hochschule für Berufstätige herausgestellt.“ Foto: FernUniversität, Jakob Studnar

Biographisches

  • 1944 geboren in Bergzabern in der Pfalz
  • 1979-1984 Professor an der FernUniversität in Hagen
  • 1984-1993 Rektor der FernUniversität
  • ab 1993 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2009 Emeritierung und Eintritt in eine Wirtschaftskanzlei in Berlin als Of Counsel

Der Rechtswissenschaftler Ulrich Battis gestaltete als Nachfolger von Otto Peters im Amt des Rektors den weiteren Ausbau der damaligen Fern Universität – Gesamthochschule in Hagen. Es war eine Zeit der Konsolidierung und Bewährung. Ulrich Battis verstand es als zentrale Herausforderung, das Ansehen der FernUniversität im In- und Ausland zu stärken. „Die FernUniversität hatte das Image einer SPD-nahen Hochschule für NRW und einer Randgruppen-Hochschule. Das haben wir gedreht“, stellt er heraus. „Unsere Kernaussage war: Wir haben besonders qualifizierte, leistungsfähige und belastbare Studierende.“ Diese Botschaft habe sich durchgesetzt. Heute hätten Prominente, erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Spitzensportlerinnen und Spitzensportler ihren Abschluss an der FernUniversität im Lebenslauf stehen.

Ihr Profil zu schärfen und ihren Platz im Bildungssystem zu festigen – das gelang der FernUniversität trotz der Sparpolitik des Landes NRW im Hochschulbereich.

„Signal des Aufbruchs“

Die Sonderrolle der FernUniversität verhinderte einen Abbau des erreichten Ausbaustandes und trug insbesondere zur Sicherung sowie Erweiterung des Studienangebots in der Elektrotechnik und Informatik bei. „Im Zuge der Konsolidierung mussten alle Universitäten Stellen abgeben. Damals gab es den Beschluss, die Fachhochschule in Hagen zu schließen. Gott sei Dank ist es dazu so nicht gekommen. Dennoch haben wir als Kompensationsmaßnahme für den Raum Hagen 45 neue Stellen bekommen“, erinnert sich Battis. Diese wurden der FernUni im Haushaltsgesetz vom 19.12.1988 insbesondere für die Informatik, die Elektrotechnik und den Forschungstransfer zugeteilt. „Das war ein Signal des Aufbruchs. Wir haben die Stellen auch für den Ausbau der IT-Lehre genutzt.“

Beim Ausbau der Studienzentren setzte Ulrich Battis auf die Unterstützung der Wirtschaft. Politisch kamen ihm die Anfänge der europäischen Integration, vor allem aber die deutsche Wiedervereinigung zugute – und in der Folge eine stark zunehmende Nachfrage nach den Studien- und Weiterbildungsangeboten der FernUniversität. Zu einer wachsenden Internationalisierung trug 1987 die Vereinigung europäischer FernUniversitäten zur European Association of Distance Teaching Universities (EADTU) bei. „In harter Lobbyarbeit ist es uns gelungen, dass die Förderung der Fernlehre in den Vertrag von Maastricht aufgenommen wurde, also in die damalige Verfassung von Europa“, stellt Ulrich Battis heraus. Seinerzeit erlebte er die Gründung der EADTU mit und engagierte sich später als ihr Präsident.

Über das Projekt „Zeugen der Zeit“

Interviews und Redaktion:
Dr. Almut Leh (Institut für Geschichte und Biographie)

Produktion:
Jennifer Dahlke, Alexander Reinshagen, Sascha Senicer (Zentrum für Medien und IT)

Texte:
Carolin Annemüller, Susanne Bossemeyer, Gerd Dapprich, Anja Wetter, Multimediale Umsetzung: Oliver Baentsch, Maren Volkmann (Dezernat 7 Hochschulstrategie und Kommunikation)

Fotos:
Jakob Studnar, Stefanie Loos, Archiv der FernUniversität

Plakate:
Gabriele Gruchot (Dez. 5 Technische Medienadministration)