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Rolf von der Heyden: der Menschen-Kenner

Interview mit Rolf von der Heyden, erster nichtwissenschaftlicher FernUni-Mitarbeiter: „Wir sind in der Verwaltung da, um Lehre und Forschung möglich zu machen.“ Foto: FernUniversität, Jakob Studnar

Biographisches

  • 1939 geboren in Eiserfeld im Siegerland
  • 1963 Verwaltungs­leiter zum Aufbau einer staatlichen Ingenieur­schule in Gummersbach (NRW)
  • 1970 in der Grundsatz­gruppe des NRW-Wissenschafts­ministeriums für die Errichtung von Fachhoch­schulen
  • 1974 Arbeitsstab des Wissen­schaftsminis­teriums NRW zur Gründung einer Fernuniversität des Landes
  • 1974 erster Ministerial­beamter in Hagen (Aufbau der Infra­struktur)
  • 1974–1984 verantwortlich für Bauten und den Aufbau der Logistik
  • 1974–2004 verantwortlich für Haushalt und Organisation
  • 1993–2004 (Dienstende) Ständiger Vertreter des Kanzlers/der Kanzlerin der FernUniversität

Im Sommer 1974 ging man in Johannes Raus NRW-Wissenschaftsministerium davon aus, dass das Gesetz zur Errichtung der Fernuniversität im Dezember vom Landtag verabschiedet werden würde: „Wir brauchen jemanden in Hagen, der Erfahrungen damit hat, der hier bei uns vernetzt ist und der schnell handeln kann.“ – Rolf von der Heyden, der schon eine Fachhochschule aufgebaut hatte. Am 1. Oktober fuhr er in die Stadt, in der er die nächsten 30 Jahre arbeiten würde. Ein Mann mit vielen Kontakten. Überall. Raus Auftrag: Aufbau der Infrastruktur der zukünftigen Universität. Mit ihm traf Bernd Sudeick ein, er sollte den Gründungsausschuss betreuen. Der Start der neuen Hagener Uni.

Von der Heyden hatte „natürlich“ schon Kontakte zur Hagener Fachhochschule: „Ich kannte sowohl den Rektor als auch den Kanzler.“ Ein Griff zum Telefon, und die FH stellte ein Zimmer zur Verfügung. Allerdings war es leer. Frage an einen Büroausstatter: „Sind Sie in der Lage, bis 3 Uhr ein Dienstzimmer einzurichten mit kompletter Ausstattung? Da hat er mich erstmal angeguckt.“ Um 3 Uhr war das Büro komplett. „Das war der Stil und die Art, mit denen wir hier in Hagen auftraten.“

Die erste FernUni-Stellenanzeige

Im Oktober und November wurde die Infrastruktur aufgebaut. Alle, auch die Professoren, die im Jahr 1975 kamen, wurden in Wohnungen nahe der Universität untergebracht. Rektor, Kanzler, Gründungsausschuss zogen in die Ende 1974 erworbene Villa Bechem, unweit des Campus‘, ein.

Kaum war das Errichtungsgesetz verabschiedet, erschien die erste FernUni-Stellenanzeige. 1.500 Bewerbungen ergossen sich über die wenigen bereits Beschäftigten: „Daraus haben wir im Dezember, Januar, Februar, März, April das Personal rekrutiert.“

1980 begann der Bau des ersten Campus-Gebäudes: das AVZ. Dann stieg der Bund aus der Hochschulbau-Finanzierung aus. Von der Heyden: „Wir hatten eine absolut fertige Planung für weitere 11.000 qm!“ Weil NRW erst Jahre später wieder Geld hatte, blieb viel Zeit für Organisationstalente…


Das Interview als Text

Wir waren eine ganz kleine Gruppe. Ich gehörte zu seinem engsten Kreis. Und dann hat Johannes Rau seine Ideen eingebracht, zunächst mal mit der Errichtung der Fachhochschulen. Dann wurden ja insgesamt in den Jahren ‘70/71 15 Fachhochschulen vorbereitet. Zunächst 10, dann 15. Und das lief so: Es gab im Land 110 staatliche, kommunale und private sogenannte Höhere Fachschulen; auch eine staatliche Ingenieursschule hatte den Rechtsstatus einer höheren Fachschule. Aus diesen 110 galt es, die Fachhochschulen zu errichten. 10 zunächst, aber geplant waren schon 15.

Und dann war diese Phase vorbei. Da kam die nächste Phase von Johannes Rau: Errichtung der 5 Gesamthochschulen. Die wurden ja ‘72 errichtet. Bei der Errichtung der Gesamthochschulen – im Hintergrund des Ministeriums – war ich auch dabei.

Dann die Gesamthochschulen: Da war ich nicht mehr so beteiligt, weil ich dann in der Grundsatzabteilung der Fachhochschulen war – Aufbau der Fachhochschulen, Ernennung von Hochschullehrern, Berufung von Verwaltungskräften. Die Spitzenkräfte der Verwaltung, die Kanzler und die Verwaltungsdirektoren haben wir aus dem Ministerium ausgesucht.

„Wir müssen was mit Fernstudium tun“

So, und dann kam Mitte 1973 wieder die Idee von Rau (das hab ich ja im Ministerium mitbekommen): „Wir müssen was mit Fernstudium tun.“ Damals lief – das, was der Herr Peters ausdrücklich, ausführlich erläutert – etwas mit dem Fernstudium im Medienverbund. FIM hieß das damals. Das war ja die Philosophie „Fernstudium an Präsenzuniversitäten, keine eigene Universität“. Und das war die eigentliche Idee von Johannes Rau ja: „Ich möchte was machen, was eigenständig ist, ‘ne eigenständige Fernuniversität, denn das andere wird nicht klappen.“ Hat er ja Recht bekommen.

Und dann hat er gesagt: „So was geht per Fernstudium, Open University“, und hat die Leute zusammengerufen. Und hat gesagt: „Ich will ‘ne Studie haben über die Errichtung einer Fernuniversität." Und dann ist die Projektbeschreibung entstanden mit allem Drum und Dran. Und aus der Projektbeschreibung ist dann ein Gesetzentwurf gegangen.

Dann verdichtete sich im Ministerium ja, dass man handeln müsste. Man müsste jetzt ja so tun, als ob das Gesetz durch den Landtag geht: „Jetzt müssen wir in Hagen mal gucken, wie wir das da machen.“

Und die haben gesagt: „Wir brauchen in Hagen jemanden, der Erfahrungen damit hat, der hier bei uns vernetzt ist und der schnell handeln kann.“ Es musste ja schnell gehen alles. Wegen der Politik der CDU: „Wie werden, wenn wir die Wahl gewinnen, das Gesetz wieder kippen.“

Nochmal zurück in die Gegenwart, als neulich die Ministerialen da waren. Einer aus dieser Arbeitsgruppe war damals mit dabei, mit dem ich bis zu meiner Pensionierung zusammengearbeitet habe. Das war der Herr Markwart, der damals die HÜF aufgebaut hat. 30 Städte bewarben sich um die neue Fernuniversität. „Innenminister Willi Weyer aus Hagen und der Landtagsvizepräsident“, schreibt Herr Dapprich, „brachten die Volmestadt, die anfangs gar nicht mit dabei war ins Gespräch. Offenbar mit überzeugenden Argumenten, denn Hagen setzte sich gegen gewichtige Mitbewerber durch, vor allem gegen Gelsenkirchen und den linken Niederrhein. Beworben hatte sich übrigens auch Wuppertal, was Johannes Rau, der nicht lange vorher dort Oberbürgermeister war, ein wenig nervös werden ließ, wie Uwe Markwart lächelnd verriet.“ Und in dem Gespräch, als sie vorige Woche hier waren, oben in der Belle Etage bei Frau Zdebel, hat der Herr Markwart nochmal erzählt, was wirklich gewesen war: Der Rau hat getobt da erst in der Sitzung da. Und dann soll er irgendwann gesagt haben: „In Gottes Namen, dann macht es so, dann macht es so, dann legt dat Ding nach Hagen", hat er dann gesagt.

Studieren – auch ohne Abitur?

Das Hauptärgernis von Rau war ja am Anfang, dass die Hardliner an der FernUniversität das Studieren ohne Abitur nicht demontiert haben, sondern Riesendiskussionen zwischen Rau und Bitz da. Der Bitz war dezidiert dagegen.

Er hatte das bei der Open University aus irgendeinem Grund – wer ihm das geblasen hatte, weiß man nicht mehr – dass man an der Open University ohne Abitur studieren kann. Sein eigentliches Anliegen war Studium ohne Abitur. Deswegen hat er sich dafür eingesetzt, eine Universität zu errichten – und das kann dann nur ‘ne Fernuniversität sein –, wo man ohne Abitur studieren kann.

Und so ganz hat er nie verwunden… Also, das war ‘ne legendäre Sitzung im Haus Busch. Sagt Ihnen das Haus Busch was unten? Da tagte nicht der Gründungsausschuss, da tagte das Rektorat und einige, einige noch aus der Hochschule. Und Herr Rau war da. Und da ging es mal wieder um den offenen Zugang. Offenen Zugang, so hieß das ja, offener Zugang zur FernUni. Da gab es Kontroversen zwischen – ich hab‘ Herrn Rau selten so, so gesehen – zwischen Rau und Bitz. Dass Bitz dem Minister klarmachte, dass wir nie ‘ne Hochschule werden, von anderen Hochschulen akzeptiert, wenn wir das zulassen. Das war das Hauptargument, das war das Hauptargument von Bitz und Co. Und dann – wenn wir das zulassen: offenen Zugang, dann egal, ob wir Gebühren erheben oder nicht – dann werden wir nie ‘ne Universität. Hintergrund: Dann kriegen wir nie Rufe an andere Hochschulen. Dann werden wir nicht berufen. Da kommen wir „…ach von der ‚Fernsehuniversität‘?!“ Da war er auch sauer. Da war er sauer, so sauer hab ich den noch nie gesehen.

Das musste er da einsehen, dass er das gegen die Hochschule nicht erreichen kann. Eine der ganz wenigen Punkte, die er nicht gegen die Hochschule machen konnte.

Auf nach Hagen

Das lief alles so im Sommer 1974. Ja, und dann wurde das doch langsam aktuell. Man ging davon aus, das Gesetz würde durchgehen: „Wir müssen jetzt jemanden nach Hagen schicken!“

Der Gründungsausschuss musste betreut werden und die Infrastruktur musste aufgebaut werden. Herr Sudeick war kurzfristig… Sudeick sagt Ihnen noch was, der Name? Sudeick war kurzfristig ins Ministerium berufen worden auch, dort lernte ich den kennen. Und wir wurden dann, Herr Sudeick und ich, wurden dann am 1. Oktober 1974 nach Hagen entsandt. Er mit der Aufgabe, den Gründungsausschuss zu betreuen, ich die Infrastruktur aufzubauen. Wir haben uns morgens zum 1.10., also 8 Wochen vor Inkrafttreten des Gesetzes, in Hagen getroffen und das ist Herrn Sudeick immer in Erinnerung geblieben. „Ja was machen wir denn jetzt?“ Ja, ich hatte natürlich aus der Fachhochschulzeit Kontakte. Ich kannte sowohl den Rektor als auch den Kanzler hier in Hagen, hatte vorher mit denen telefoniert. Er wies uns – die Bilder gibt es auch hier überall – er wies uns ein leeres Zimmer in der damaligen Fachhochschule an der Haldener Straße zu. „Ja, was machen wir denn jetzt?“ sagte der Herr Sudeick.

„Gibt es denn keine Möbel hier?“ „Ne“, haben wir gesagt. „Wir sind ja jetzt die Vorbereiter.“ Ich sag: „Wo gibt es denn hier ein Büroeinrichtungsgeschäft?“ „Ja, Quittmann am Emilienplatz unten.“ „Ja, Herr Sudeick, jetzt fahren wir mal da runter.“ Ich war mit meinem Privatwagen da. Sind wir morgens um 11 Uhr zum Emilienplatz gefahren oder noch weiter, in der Nähe, wo das Geschäft war. Der Geschäftsführer. „Heute Nachmittag um 3 Uhr: Sind Sie in der Lage, bis 3 Uhr ein Dienstzimmer einzurichten mit kompletter Ausstattung?“ Hat er mich erstmal angeguckt. Das war ihm noch nicht untergekommen. Ergebnisse bring‘ ich nur. Um 3 Uhr war unser Büro eingerichtet. Das war der Stil und die Art, mit denen wir hier in Hagen auftraten.

Da das Büro war also jetzt komplett, jetzt ging es ja um weitere Maßnahmen: Verhandlungen mit der Leitung der Fachhochschule, mit dem Kanzler – „Wo können wir denn jetzt Leute unterbringen, wenn das am 1.12. hier losgeht? Am 3.12. müssen wir Personal rekrutieren.“ – „Ja, das geht nicht in unserem Gebäude hier, aber daneben haben wir auf dem Parkplatz“ – der steht heute noch da – „haben wir einen Pavillon da. Den werden wir leer ziehen, da können sie sich einrichten und können dort starten.“ Da haben also alle gesessen. Ich weiß nicht, ob der Eisenhardt auch, auf jeden Fall, der Krupp hat da mitgesessen in diesem Pavillon dann ab Anfang 1975.

Die Telefonanlage

„So, jetzt brauchen wir das Telefon.“ Telefon? Da war kein Telefon drin, das waren bis jetzt Seminarräume gewesen.

Das ist noch ‘ne interessante Geschichte wieder: Wie geht das mit dem Telefon? Und da, dass wir ‘ne Telefonanlage... Die Villa Bechem hatte ich ja schon gekauft und ich stand in Verhandlungen mit den Vermietern der Wohnungen am Roggenkamp. Die waren gerade errichtet worden und waren noch nicht vermietet dann. Dann haben wir die – glaub‘ ich zum 1. Januar –... Ich musste ja die Verträge machen dann. Und die mussten ja möbliert werden dann. Ab 1. Januar ‘75 lief das, glaub‘ ich, dann. Dann musste auch Telefon sein. Es mussten mehrere…: Wir brauchen ‘ne Telefonanlage, und ich kannte die Richtigen für Telefonanlagen. Hochkomplex! Hochkomplexe Genehmigungsverfahren: Antrag an den Wissenschaftsminister, wenn eine Hochschule ‘ne Telefonanlage, nicht nur ein Telefon, ‘ne Telefonanlage (!) haben wollte: Antrag ans Wissenschaftsministerium. Antrag ans Bauministerium vom Wissenschaftsminister. Vom Wissenschaftsminister zum Finanzminister. Dauer: halbes Jahr. Am 1. Januar mussten wir ja Telefon haben.

In Hagen saß ‘ne Telefongesellschaft. Den Geschäftsführer haben wir kommen lassen. Ich sag‘: „Wir brauchen da, da, da, da und da Telefon.“ – „Ja, kann ich ihnen verkaufen, aber wann wollen Sie das denn haben?“ Ich sag‘: „1. Januar." – „Völlig unmöglich. Völlig unmöglich! Geht nicht. Kennen Sie doch, Sie kommen doch aus der Landesverwaltung, Sie kommen aus Düsseldorf, Sie wissen doch, was alles zu beachten ist.“ – „Weiß ich. Müssen wir aber hinkriegen, müssen wir hinkriegen mit dem Telefon. Konzentrieren wir uns aufs Telefon dann.“ – Ja, ja, ja, das müssen Sie aber machen, ich hab‘ da keinen Einfluss, ich kann da nichts machen.“ Netzwerk verkabelt (Hinweis der Redaktion: Gemeint ist von der Heydens Beziehungs-Netzwerk).

Ich kannte den zuständigen Menschen im Bauministerium, ein Oberamtsrat Siemers, werd‘ ich auch nie vergessen. Denen im Finanzministerium wieder ich sag: „Freunde, ich sitz‘ jetzt hier in Hagen und brauch‘ Telefon.“ – „Ja, klar, Antrag stellen!“ Ich sag: „Nix Antrag stellen!" Der Siemers, mit dem telefoniert: „Sie kommen mir jetzt nach Hagen.“

Nebensatz: Der war Hagener. Der hatte an der Ingenieursschule für Bauwesen Examen gemacht, was ich nicht wusste

„Ja, ich komme.“ Ich sag‘: „Wir brauchen aber die Zustimmung von Finanzminister und vom Wissenschaftsminister.“ – „Bring ich mit. Ich kümmer‘ mich bei den Kollegen drum.“ Gesagt, getan. Wir sitzen in dem Pavillon dahinten, irgendwann im November, ich weiß nicht mehr wann. Wir sitzen in den Pavillon mit dem Geschäftsführer von der Telefonfirma da, mit dem Herrn aus‘m Bauministerium, der Vollmachten hatte. Ich hatte ja aus‘m Wissenschaftsministerium eigentlich Vollmacht und aus‘m Finanzministerium. Der unterhielt sich dann mit dem – der war Telefonexperte auch, der war Elektro-sonst-was, weiß ich nicht... Auf jeden Fall: Das der Telefonexperte in Nordrhein-Westfalen. Der unterhielt sich mit dem Geschäftsführer da und sagte dem, was wir brauchen. Und der antwortete dann: „Das können Sie kriegen. Ja, aber wann?“ – „Ja, sofort“, sagt der. – „Ja, wie sofort? Dann müssen mir doch, dann müssen wir doch ‘ne Genehmigung… Dann müssen wir einen Auftrag haben.“ – „Den kriegen Sie gleich. „Herr von der Heyden, Ihre Sekretärin brauch‘ ich.“ Zupp, Frau XY, die war, die hatten wir schon eingestellt – war nicht die, die ich eben erwähnte: „Bringen Sie mal Maschine mit, ich sag das jetzt so.“ Und dann hat der diktiert, in die Maschine ‘rein hat der diktiert, hatte die Richtlinie mit. Hat dann die Genehmigung ausgestellt „in Einvernehmen mit dem Finanzminister und dem Wissenschaftsminister erteil‘ Ihnen hiermit die Genehmigung...“

Ich seh‘ ihn heute noch, der hatte einen Arm ab, aus‘m Krieg ‘raus. Der saß und guckte. „Sowas hab ich ja noch nie erlebt.“ Ich sag‘: „Nene, das geht eben so bei uns hier." – „Ja und wann haben wir jetzt das Telefon?“ – „Ja, wenn ich die Genehmigung heute mitnehme hier, dann haben Sie das am 1. Januar, ist das alles, wir schaffen das technisch.“ So. Hinterher unter 4 Augen den Siemers: „Ich wusste auch nicht mehr, ob ich das durfte. Ich hab das einfach gemacht.“ – „Sie haben jetzt meine Unterschrift darunter und jetzt machen sie das mal.“ So lief „Aufbau FernUniversität“. Jetzt könnt‘ ich ihnen noch 20 weitere Beispiele, wie das hier so ging, 1974 im Herbst und ‘75 und… Bis der Studienbetrieb hier losging.

Bewerbungsgespräche rund um die Uhr

Kurz und gut. Den Oktober und den November haben wir dann genutzt, Infrastruktur aufzubauen. Die Villa war vorher ja schon gekauft. Wohnungen, 10 Wohnungen: Alle, auch der Gründungsrektor, die Professoren Eisenhardt, alle wie sie hießen, die dann im Laufe des Jahres 75 kamen, wurden untergebracht in Wohnungen am Roggenkamp, Roggenkamp 6. Diese Infrastruktur haben wir dann versucht vorzubereiten, im Oktober, November, Dezember und darüber hinaus. Dann passierte das am 1. Dezember, dass das Gesetz tatsächlich in Kraft trat. Am 2. Dezember wurde halt das Schild montiert, und am 3. Dezember erschien in der „Zeit“ – ich hab das Original, also den Ausschnitt noch hier – in der „Zeit“, eine einseitige – natürlich alles vorbereitet vorher – einseitige Ausschreibung über zu besetzende Stellen.

Aufgrund der Ausschreibungen Gingen alleine für Verwaltung, Bibliothek, Rechenzentrum – Zentrum für Fernstudien hatten wir noch nicht, Entwicklung – da gingen fünfzehnhundert Bewerbungen ein. Und daraus haben wir dann im Dezember, Januar, Februar, März, April, das Personal rekrutiert. Wir saßen dann zwar schon in der Villa Bechem, aber die Gespräche haben wir gegenüber der Fachhochschule geführt, rund um die Uhr.

Baustopp

Warum die Bauten überhaupt nicht weiter gingen, warum es nur den ersten Bau gab? Das hing mit einem Beschluss des Bundeskabinetts unter Helmut Schmidt zustande. Wir hatten eine absolut fertige Planung für weitere 11.000 – das AVZ hat 6.000 qm –, wir hatten eine absolut fertige Planung 11.000 qm auf der Hauptbaufläche ohne Logistikzentrum. 11.000 qm! Es hätte morgen losgehen können, dann kam der Beschluss des Bundeskabinetts. Bundeskabinett! Hochschulbau war ja immer 50 Prozent Bund-, 50 Prozent Land-Finanzierung. Muss man wissen. Nach den gesetzlichen 91a des Grundgesetzes oder was, war Hochschulbauförderung Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder, wie Seeteiche, Seedeiche und sowas noch einige andere da. Und der Beschluss hieß: Noch nicht begonnene Neubauten dürfen nicht mehr begonnen werden. Damit war der Neubau der FernUni gestorben. Da hätte Nordrhein-Westfalen alleine finanzieren müssen, und das hat Nordrhein-Westfalen abgelehnt. Dann kam eine weitere Situation, die wieder mit dem Bund zu tun hat. Deswegen gehört das noch zusammen, wo aber auch dann Vernetzungen wieder ‘ne Rolle spielen. Das Eugen-Schmalenbach-Gebäude stand jetzt, wurde nämlich „Otto-Peters-Gebäude“ genannt. Die E-Technik, die Elektrotechnik, war immer noch in der Fachhochschule in Iserlohn teilweise untergebracht und teilweise in angemieteten Gebäuden in Hagen. Wir haben die Sarotti-Taktik gemacht. Wir haben natürlich versucht, Stückchen für Stückchen mehr auf den Campus zu bekommen.

Zum Schluss stelle natürlich heute mit Freude fest, als der für die Infrastruktur Zuständige, dass alle Bereiche, alle Bereiche auf dem Campus untergebracht sind, dank verschiedener Vernetzungen, glücklicher Umstände, und durch Engagement vieler anderer.

So waren also wirklich so gute Leute am Werk, dass es uns gelang, die Infrastruktur, die hier erforderlich war, um Lehre und Forschung möglich zu machen, sehr zügig und schnell aufzubauen.

Wir sind in der Verwaltung dazu da, Lehre und Forschung möglich zu machen. Und die Infrastruktur zu beschäftigen, so hab‘ ich vom ersten Tag an meine Aufgabe gesehen hier, mit dem Team, was mir zur Verfügung stand, und diese Philosophie hab ich versucht, in alle Köpfe reinzubringen. Wir sind da, um Lehre und Forschung möglich zu machen.


Über das Projekt Zeugen der Zeit

Interviews und Redaktion:
Dr. Almut Leh (Institiut für Geschichte und Biographie)

Produktion:
Jennifer Dahlke, Alexander Reinshagen, Sascha Senicer (Zentrum für Medien und IT)

Texte:
Carolin Annemüller, Susanne Bossemeyer, Gerd Dapprich, Anja Wetter, Multimediale Umsetzung: Oliver Baentsch (Dezernat 7 Hochschulstrategie und Kommunikation)

Fotos:
Jakob Studnar, Stefanie Loos, Archiv der FernUniversität

Plakate:
Gabriele Gruchot (Dez. 5 Technische Medienadministration)

FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de