Fast 19 Jahre Rektor - die Bilanz

Prof. Helmut Hoyer
Letzte Rede als Rektor der FernUni: Prof. Helmut Hoyer bei der Rektoratsübergabe im Theater Hagen.

Gestalter, Manager und Botschafter für die Idee und Verbreitung des Fernstudiums: Fast zwei Jahrzehnte prägte Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer die Entwicklung der FernUniversität in Hagen. Zum 2. März hat der 65-Jährige sein Amt an seine Nachfolgerin Prof. Dr. Ada Pellert übergeben. Bilanz einer fast 19-jährigen Amtszeit.

„Heute sagen die Menschen: Wenn es die FernUni nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ein größeres Lob kann es nicht geben“, sagt Helmut Hoyer. „Wir alle können stolz auf unsere einzigartige Universität sein und sollten mit diesem Bekenntnis selbstbewusster umgehen.“ Denn die FernUniversität ist mit ihren 77.000 Studierenden (WS 2015/2016) die größte Hochschule in Deutschland. Vor allem aber ist sie die erste Adresse für ein wissenschaftliches Studium neben dem Beruf und anderen Verpflichtungen. Diese Mission vorangetrieben hat Hoyer in den Rektoraten der FernUniversität seit seinem Amtsantritt 1997 zunächst mit Gründungskanzler Ralf Bartz und seit 2001 mit Kanzlerin Regina Zdebel.

Weiterentwicklung des Studiensystems

„Es war eine Leistung des Rektorats, dass wir parallel zu den Schwierigkeiten, die von außen an die FernUniversität herangetragen wurden, unser Studiensystem stets weiter entwickelt haben“, dankt Hoyer der Kanzlerin, dem Kanzler sowie den Prorektorinnen und Prorektoren. „Heute bieten wir ein weltweit anerkanntes Studium auf hohem Niveau an – für inzwischen fast doppelt so viele Studierende bei annähernd gleicher Anzahl von Professuren wie einst.“

Der Weg dorthin war steinig. Hoyer nennt als markantes Beispiel die vom Land durch den Qualitätspakt initiierte Einstellung von Studiengängen. Diese schmerzhafte Entscheidung wurde von der FernUniversität aufgefangen durch die neuen rechtswissenschaftlichen und psychologischen Bachelor- und Master-Studiengänge. Sie sind heute wichtige Pfeiler im Studienangebot. Hoyer bedauert: „Unser Preis war, dass wir mit der Elektrotechnik die Ingenieurwissenschaften einstellen mussten. – Das würde ich gerne revidiert sehen!“

Biographie (Auswahl)

geb. am 20. Juni 1950 in Pottum im Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz

  • 1997 bis 2016: Rektor der FernUniversität in Hagen
  • 2012 „Prize of Excellenz“ für Engagement zur Verankerung und Verbreitung des Fernstudiums
  • 1999 bis 2008: Vizepräsident / Acting President des Internationalen Council for Open and Distance Education
  • 2005 Bundesverdienstkreuz für herausragende Leistungen beim Aufbau der Virtuellen Universität und Einsatz für behinderte Menschen
  • 2001 bis 2002: Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz NRW
  • 1988 bis 1997: Professor für „Prozesssteuerung und Regelungstechnik“ im Fachbereich Elektrotechnik an der FernUniversität
Ehepaar Hoyer mit Johannes Rau
25 Jahre FernUni: Ehepaar Hoyer mit Bundespräsident Johannes Rau, der als NRW-Wissenschaftsminister die FernUniversität initiiert und gefördert hatte.

Einsatz für solide Finanzierung

Aktuell wird der Ansturm von Studierenden auf bestimmte Studienangebote, beispielsweise in der Psychologie, zum Problem. Hoyer hat während seiner gesamten Amtszeit auf politischer Ebene in Düsseldorf und Berlin unermüdlich eine breitere Finanzierung der Hagener Hochschule eingefordert. Mit Hilfe des Parlamentarischen Beirats der FernUniversität wurde 2014 eine Änderung des Grundgesetzes als Basis für eine Ko-Finanzierung durch den Bund und weitere Länder angestoßen. „Ich glaube, dass unsere Vorarbeit sehr wichtig ist, damit die Politik sich zur Unterstützung der FernUniversität bekennt“, definiert er die Fortsetzung dieses Engagements als zentrale Zukunftsaufgabe. „Nur so kann unsere Universität ihre Überlastung in den Griff bekommen und interdisziplinäre Themen etwa aus den Bereichen Energie und Industrie 4.0 mit neuen Studienangeboten aufgreifen.“

Öffnung der FernUniversität

Diese könnten auch für Berufstätige ohne Abitur interessant sein. Erst 2010 öffnete die Landesregierung den Hochschulzugang für Beruflich Qualifizierte, also für Menschen mit Berufsausbildung und Berufserfahrung. Da hatte die FernUni bereits eine Reihe erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen vorzuweisen, die sich ohne Abitur über eine Zugangsprüfung oder das Akademiestudium eingeschrieben hatten. „Hier leistet die FernUniversität Pionierarbeit und erschließt eine für unsere Gesellschaft wichtige Ressource“, zieht Hoyer Bilanz.

Digitalisierung des Fernstudiums

Vorreiterin ist die FernUniversität auch mit der Entwicklung ihres modernen, netzgestützten Studiensystems. „Die Digitalisierung hat das Fernstudium auf moderne Beine gestellt“, sagt Hoyer im Rückblick auf seine Amtszeit. „Unser vielfältiger Werkzeugkasten mit netzgestützten Lehrmaterialien, Foren, Chats und virtuellen Seminaren macht das Fernstudium besser studierbar. Wir bieten einen wesentlich größeren Grad an Individualisierung als das im Präsenzstudium möglich ist.“

Hoyers letztes Rektorat hat zum Ende seiner Amtszeit einen Hochschulentwicklungsplan bis zum Jahr 2020 erarbeitet (HEP 2020), der vom Wissenschaftsministerium genehmigt wurde und in den Landeshochschulentwicklungsplan eingeht. Damit gibt er der FernUniversität eine verbindliche Orientierung für ihre Entscheidungen, um auch in Zukunft ihre führende Rolle als Medienuniversität zu sichern.

Das Thema Digitalisierung wird Helmut Hoyer auch im Ruhestand beschäftigten. Er behält ein Büro im Informatikzentrum der FernUniversität und wird seine Arbeit im Hochschulforum Digitalisierung sowie in der Medienkommission der Hochschulrektorenkonferenz weiterführen. Ruhe findet der Hagener zu Hause im ländlichen Stadtteil Dahl. Denn nach fast 20 erfüllten Berufsjahren als Rektor ist jetzt mehr Zeit für Familie und Freizeit eingeplant.

Carolin Annemüller | 04.03.2016