Professorinnen-Karrieren in der Rechtswissenschaft

Jutta Limbach und Ulrike Schultz
Ulrike Schultz (re.) im Gespräch mit Jutta Limbach - das Videointerview ist jetzt online.

Frauenrecht, Gleichberechtigung und Gleichstellung: Zwei neue Video-Interviews zeichnen spannende Karrieren von herausragenden Rechtswissenschaftlerinnen nach. Ulrike Schultz, Akademische Oberrätin a.D. der FernUniversität in Hagen, hat mit den Jura-Professorinnen Jutta Limbach und Ursula Nelles über ihre Lebensläufe und die Entwicklung von Geschlechterfragen im Recht gesprochen.

Die Interviews knüpfen an das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt zu Bedingungen von Professorinnen-Karrieren in der Rechtswissenschaft (JurPro) an. Mit rund 16 Prozent Professorinnen ist die Rechtswissenschaft nach wie vor ein Fach mit einem besonders geringen Anteil an Frauen. Umgesetzt wurde das Projekt in den Jahren 2011 bis 2014 am Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Völkerrecht von Prof. Dr. Andreas Haratsch. In diesem Kontext startete auch die Interview-Reihe mit Jura-Professorinnen, die weiter fortgeführt wird.

Jutta Limbach und Ursula Nelles sprechen über Geschlechterpolitik

Mit Jutta Limbach kommentierte nun eine der ersten und bekanntesten Juraprofessorinnen in Deutschland im Video-Interview die Entwicklung der Geschlechterrechte und -politik. Nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit als Juraprofessorin im Zivilrecht an der Freien Universität in Berlin und einigen Jahren in der Politik als Berliner Justizsenatorin wurde sie zunächst Vizepräsidentin, dann Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und nach ihrem Ausscheiden bei Erreichen der Altersgrenze Präsidentin des Goetheinstituts. Über Jahrzehnte hat sich die 81-Jährige für Frauenrechte und Gleichstellung engagiert.

Ein weiteres Interview ist mit Ursula Nelles entstanden, die fünfzehn Jahre als Professorin für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Münster lehrte, ehe sie 2006 zur Rektorin der Hochschule gewählt wurde. Mit vielen Ideen hat sie offensiv und erfolgreich Frauenförderung betrieben – an der Universität und im Rahmen des Deutschen Juristinnenbundes, dessen Vorsitzende sie von 1997 bis 2001 war.

Internetportal Recht und Gender mit neuen Inhalten

Weitere Interviews mit Jura-Professorinnen sind geplant. Alle Videostreams sind abrufbar über die Projektseite von JurPro und zusätzlich über das Internetportal Recht und Gender. Das Portal ist 2012 eingerichtet worden, um durch Gespräche mit Expertinnen und Experten der Rechtswissenschaft die vielfältigen Facetten der Geschlechterfragen im Recht zu beleuchten. Mittlerweile sind hier 22 Interviews verfügbar. Die beiden neuesten haben kürzlich stattgefunden mit Dr. Anja Schmidt von der Universität Leipzig zum Thema „Pornographie: Verbot – Regulierung – Freigabe“ und mit Doris Liebscher von der Humboldt Universität in Berlin zur Anwendung des Antidiskriminierungsrechts in der Praxis und die Arbeit der Humboldt Legal Clinic.

Eine internationale Version und Diskussion des FernUni-Projekts „JurPro“ bietet die von Ulrike Schultz organisierte Tagung zu “Gender and Careers in the Legal Academy“. Die Konferenz mit Hagener Beteiligung findet vom 8. bis 11. Mai 2016 in Schönburg/Oberwesel statt und wird ebenfalls auf der JurPro-Webseite dokumentiert.

Carolin Annemüller | 18.05.2016