Erfahrungen sammeln und Neues für sich selbst finden

„Wir sind ein ‚Multi-Kulti‘-Unternehmen – es ist spannend, wenn wir neue Leute kennenlernen können. Russische Beschäftigte hatten wir hier noch nicht“, freute sich Volker Büscher, Direktor des Magnesita-Werks in Hagen, über seine beiden Mitarbeiterinnen Olga Pirutckaia und Daria Koroleva. Die beiden jungen Russinnen sollten vier Wochen lang als Praktikantinnen in dem Unternehmen tätig werden, das zu einem auf vier Kontinenten tätigen brasilianischen Konzern gehört. Die Stellen vermittelte den beiden die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. Sie unterstützt die seit über 15 Jahren bestehende Kooperation der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der FernUniversität in Hagen mit der staatlichen Wirtschaftsuniversität St. Petersburg (UNECON). Deutschsprachige russische Studierende können gleichzeitig an beiden Hochschulen einen Doppelabschluss erwerben, die besten zu einem Praktikum nach Deutschland kommen.

Illustration
Daria Koroleva (li.) und Olga Pirutckaia absolvierten im Hagener Magnesita-Werk ein Praktikum.

Die Werksleitung hatte es sich nicht nehmen lassen, Prof. Dr. Ulrike Baumöl als Koordinatorin für das Doppelabschlussprogramm und Dr. Jens Wehrmann, Leiter des Prüfungsamtes der Fakultät, sowie Dietmar Lutzny (Freundesgesellschaft) zu einem Gespräch und einer Werksbesichtigung einzuladen. Magnesita produziert in seinem Hagener Werk, seinem größten europäischen Standort, feuerfeste Steine für die Stahl- und Zementindustrie. Sie sind auf eine Anwendungstemperatur von 1.400 Grad Celsius ausgelegt. Volker Büscher: „Alles, was die Stahlproduktion an feuerfesten Materialien braucht, ist unser Gebiet!“

Die beiden Praktikantinnen hatten nach den ersten Tagen ihrer Tätigkeit bereits einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Daria Koroleva sollte dokumentieren, „wie wir in unserem Lean-Management-Projekt am besten arbeiten“, erläuterte die LM-Verantwortliche Paula Bartolo. Olga Pirutckaia Aufgabe war es, den gesamten Prozess der Einführung von SAP zu dokumentieren: „Die Dokumentation soll als Handreichung für neue Mitarbeiter einfach zu verstehen sein“, erläuterte Produktionsleiter Stefan Görtz. Er hatte bereits festgestellt, dass „Olga fit in SAP ist – ich hoffe, dass wir von ihr etwas lernen können“.

Illustration
Produktionsleiter Stefan Görtz erläuterte Olga Pirutckaia, Daria Koroleva, Dr. Jens Wehrmann, Diemtar Lutzny und Prof. Ulrike Baumöl den Produktionsablauf (v.li.). Rechts Werksdirektor Volker Büscher.

Für Prof. Baumöl „hört sich das nach viel interessanter Arbeit an“. Das konnte Olga Pirutckaia bestätigen: „Ich bin jeden Tag in der Fertigung.“ Sie hatte lange über das Praktikum in Hagen nachgedacht: „Es war einer der interessantesten Punkte in dem Programm“, resümierte sie in perfektem Deutsch, „hier kann ich Erfahrungen sammeln und Neues für mich selbst finden“. Die Master-Studentin in Wirtschaftswissenschaft hatte bereits zuvor einige berufliche Erfahrungen als Praktikantin bei deutschen Unternehmen in Russland gesammelt, sie war zudem als Austauschstudentin in Deutschland gewesen.

Auch Daria Koroleva hielt sich – unter anderem als Gastschülerin – schon mehrfach in Deutschland auf. In Russland war sie im Hotel- und Tourismusbereich tätig. Nun, nach ihrem Bachelorabschluss, ist ein Masterabschluss in Produktionsmanagement ihr Ziel: „Hier kann ich die Wirklichkeit sehen. Und Deutschland ist für mich sehr interessant.“

„Das Praktikum ist tatsächlich ein Highlight in unserem Programm“, betonte auch Ulrike Baumöl. Sie dankte der Magnesita Refractories GmbH dafür, dass sie die Zeit „aufbringt, um unsere Praktikantinnen zu betreuen“. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Informationsmanagement, hofft, dass „es zu beiderseitigem Nutzen ist“. Denn die deutsch-russische Kooperation lebe davon, „Zeit einzubringen!“

Für Volker Büscher gab es verschiedene Gründe, die Anfrage von Dietmar Lutzny nach Praktikumsplätzen positiv zu beantworten: „Für uns ist es sehr interessant, jungen Menschen die Chance zu geben, bei uns ‚herein zu schnuppern‘. Und natürlich geht es auch um das Thema Mitarbeiterrekrutierung.“ Er kann sich vorstellen, mit der FernUniversität auch in anderen Bereichen wie bei Studienabschlussarbeiten zu kooperieren.

Dietmar Lutzny, der sich seit Jahren mit hohem Engagement für die Vermittlung und Betreuung von russischen Praktikantinnen und Praktikanten einsetzt, wies auf die große Flexibilität des Unternehmens hin: „Ich habe immer wieder ‚kein Problem‘ gehört. Auch, als ich nach einem zweiten Praktikumsplatz fragte.“

Informationen zum Doppelabschlussprogramm: http://www.fernuni-hagen.de/bima/doppelabschlussprogramm/

Informationen zu Magnesita: http://www.magnesita.com

Gerd Dapprich | 24.08.2016