„Der Austausch mit anderen Lehrenden ist extrem bereichernd“

Die FernUniversität in Hagen ist dem Netzwerk Hochschuldidaktik NRW im Jahr 2015 beigetreten und bietet darüber ein Qualifizierungsprogramm für Lehrende an. Ziel ist es, die Lehrkompetenz zu professionalisieren. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, sich intensiv mit (der eigenen) Lehre auseinanderzusetzen.

Dr. Klaus Derfuß, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Unternehmensrechnung und Controlling nimmt seit 2015 am NRW-Zertifikatsprogramm „Professionelle Lehrkompetenz“ teil. Im Interview spricht er darüber, wie die Inhalte der hochschuldidaktischen Fortbildung seine Lehre bereits verändert haben.

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Klaus Derfuß

Frage: Was hat für Sie den Ausschlag dafür gegeben, am NRW-Zertifikatsprogramm teilzunehmen?

Klaus Derfuß: Die Lehre ist ein fester Bestandteil meiner Aufgaben. Da finde ich es wichtig, mich regelmäßig mit unter Umständen neuen didaktischen Ideen und Ansätzen zu beschäftigen – sowohl für die Präsenz- als auch die Onlinelehre. Deshalb habe ich mich über das Angebot der internen Fortbildung sehr gefreut. Abgesehen von neuen Impulsen, die die Fortbildungen geben, können wir als Lehrende an der FernUni dadurch auch unsere Kompetenzen, die wir durch das Blended-Learning-Konzept eher informell erwerben, über ein Zertifikat nachweisen. Das ist sehr wertvoll.


Welche Veranstaltungen oder welche Inhalte sind besonders hilfreich im Hinblick auf Ihre persönliche Lehr-Professionalisierung? Inwieweit hat sich Ihre Lehre vielleicht schon verändert?

Ich habe schon einige Bausteine in dem Programm absolviert, etwa E-Moderation mit Adobe Connect, aktivierende Methoden in der Online-Lehre, Umgang mit Rollenanforderungen an Lehrende und Einfluss von und Umgang mit einer heterogenen Studierendenschaft im Lehrkontext. Da gibt es immer wieder sehr konkrete Bezüge zu unseren Lehrangeboten. Am Lehrstuhl planen wir jetzt, Online-Bausteine mit einem Präsenzseminar zu verknüpfen. Das ist ein unmittelbares Ergebnis der Fortbildungen. Durch die Seminare hat sich auch mein Instrumentenkasten, aus dem ich mich an Lehrmethoden für unterschiedliche Kommunikationskanäle bedienen kann, erheblich vergrößert. Außerdem plane ich heute bewusster und reflektiere mehr, wie ich Inhalte vermitteln möchte.


Das Programm wird ja fakultätsübergreifend angeboten. Wie erleben Sie die Qualifizierung im interdisziplinären Setting?

Der persönliche Austausch mit anderen Lehrenden ist extrem bereichernd. Er wirkt auf die eigene Lehre zurück und fließt in die Reflektion ein. Man bekommt in den Diskussionen, für die es viel Raum gibt, Impulse für die Umsetzung und Überlegungen zu Lehrveranstaltungen. Es ist eine breite Sicht auf das, was man selbst tut, und auf das, was andere tun.

Das Programm erscheint mit 200 bis 240 Arbeitseinheiten recht umfangreich. Wie integrieren Sie es in Ihren Arbeitsalltag?

Ich erfahre im Lehrgebiet eine große Offenheit und viel Unterstützung. Das hilft natürlich, aber die Fortbildung bleibt dennoch arbeitsintensiv. Bei mir persönlich ist es besonders dicht, da ich das Programm zügig absolvieren möchte. Eigentlich ist es für die Dauer von drei Jahren angelegt, der individuelle Zeitbedarf kann aber natürlich abhängig von den eigenen Zielen und Bedarfen variieren. Gut ist, dass man die Fortbildungen frühzeitig einplanen kann. Allerdings ist es mit den Seminaren alleine nicht getan, die Rückwirkungen auf die eigene Lehre und die Zeit für das Aufnehmen neuer Impulse sind auch zu berücksichtigen. Am Anfang kosten neue Dinge immer etwas Zeit und müssen erst in Routine übergehen. Andererseits kann man auch feststellen, dass man nicht bei null ansetzt. Es gibt an den Lehrstühlen ja schon erfolgreiche eingeführte Lehrmethoden.


Wem würden Sie die Teilnahme am Zertifikatsprogramm empfehlen?

Ich kann es nur weiterempfehlen – im Prinzip steht die Fortbildung allen Lehrenden offen. Ich treffe in den Seminaren Post-Docs, Doktorandinnen und Doktoranden und auch Lehrkräfte für besondere Aufgaben. Auch diese Mischung ist sehr bereichernd. Ich bin selbst durch einen Kollegen am Lehrstuhl auf die Fortbildung aufmerksam geworden.


Beenden Sie bitte den Satz: Die Teilnahme am HD-NRW-Zertifikatsprogramm bedeutet für mich…‘

…eine Bereicherung.

…immer wieder Denkanstöße zu bekommen.

… später einen Nachweis über die Weiterqualifizierung zu haben.

Anja Wetter | 30.11.2016