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Mathematik-Diplom und Doktorandenstelle mit 21

Steffen Hitzemann studierte in Hagen parallel zum Berufsakademie-Studium

„Meine Diplomarbeit habe ich über die Kombinatorik der Galoiszahlen geschrieben.“ Galois? Bei in Mathematik eher durchschnittlich begabten Menschen ruft dieses Thema vermutlich vor allem ein großes Fragezeichen im Kopf hervor. Steffen Hitzemann erzählt davon, als wäre es die einfachste Sache der Welt.

Für die Mathematik hatte der erst 21-Jährige schon immer ein besonderes Faible. Schon mit 13 Jahren besuchte er einen Universitätskurs für talentierte Schülerinnen und Schüler über Finanzmathematik. Mittlerweile ist er frisch diplomierter Mathematiker und Absolvent der FernUniversität in Hagen sowie Doktorand in Karlsruhe.

Mit den Galoiszahlen hat sich der FernUni-Absolvent ein theoretisches Thema ausgesucht: „Es ist ein Thema aus der kombinatorischen Algebra. Die Unterräume eines Vektorraums bilden eine algebraische Struktur, die man als Verband bezeichnet. Solche Unterraumverbände werden nach einer bestimmten Formel zerlegt“, erklärt er. „Das Spannende daran ist, dass man nicht weiß, ob es jedes Mal eine Zerlegungsmöglichkeit gibt oder nicht.“

Seine Berechnungen brachten sogar unerwartete Ergebnisse ans Licht. „ Man konnte eigentlich vermuten, dass die Zerlegung ab einer bestimmten Dimension nicht mehr funktioniert, aber dann klappte es doch“, schwärmt er. Mit seiner Arbeit hat Steffen Hitzemann das Mathematikstudium an der FernUniversität in Hagen erfolgreich abgeschlossen. Mit der Note „sehr gut“.

Was ihn an der Mathematik so fasziniert? „Dass man logische Aussagen folgern kann, von denen man dann weiß, dass sie richtig sind. Der Beweis schlägt jedes Argument.“ Besonders begabt für diese Wissenschaft ist Steffen außerdem. In der Schule übersprang er zwei Klassen, in der achten Klasse wurde er auf die „Gauß-AG“ der Universität Hannover aufmerksam. „Sie war ein Angebot für besonders talentierte Schüler“, erklärt Steffen, der aus der Nähe von Hannover stammt. 2004, mit 17, hatte er das Abitur in der Tasche – natürlich mit Mathematik als Leistungskurs im Zeugnis.

2004 nahm er darüber hinaus an der Mathematikolympiade teil. An den zwei Tagen knobelte er jeweils drei Stunden lang an Aufgaben aus der Geometrie und Algebra. „Für solche Aufgaben kann man nicht lernen wie für eine Klausur in der Schule“, beschreibt Steffen die Anforderungen. „Man muss schnell eine gute Idee haben, um auf den richtigen Lösungsweg zu kommen.“ Gute Ideen hatte er. Auf Landesebene gewann Steffen den zweiten Preis.

Abgehoben ist er deswegen nicht. Im Gegenteil. 2004 hat er die Weichen für seine berufliche Zukunft gestellt. Nach einigem Überlegen entschied sich Steffen schließlich für die Kombination aus einem Studium der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Karlsruhe plus Ausbildungspraxis im Softwareunternehmen SAP. Parallel schrieb er sich aber auch kurz nach Beginn des Studiums in Karlsruhe an der FernUniversität für Mathematik ein. „Ich wollte mir offen halten, später vielleicht doch noch an eine Universität zu wechseln und wollte auf das Unistudium vorbereitet sein.“

In Karlsruhe gefiel es ihm jedoch gut, an der FernUni auch. Er blieb – und zog beide Studienfächer parallel zueinander durch. „Mathematik eignet sich sehr gut für ein Fernstudium“, findet der Diplom-Mathematiker. „Während der Zugfahrten zu SAP nach Walldorf oder nach Hause konnte ich die Skripte gut durcharbeiten.“ Dass er dabei die meiste Zeit auf sich alleine gestellt war, störte ihn nicht: „An einer Präsenzuni hätte ich ebenfalls alleine den Stoff aus der Vorlesung nacharbeiten müssen.“ Bei Fragen und vor allem während seiner Diplomarbeit bei Prof. Dr. Winfried Hochstättler, Lehrgebiet Diskrete Mathematik und Optimierung, half Steffen der intensive E-Mail-Kontakt mit seinen Dozenten weiter.

Vor einem Jahr schloss er seine Ausbildung in Karlsruhe ab, vor kurzem lag sein FernUni-Diplom im Briefkasten. Und jetzt? Steffen bleibt der Wissenschaft treu: „In den letzten Semestern des Mathestudiums in Hagen habe ich gemerkt, dass ich gerne promovieren möchte.“ Promotionsstelle und Thema hat Steffen schon. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Financial Engineering und Derivate der Universität Karlsruhe setzt er sich mit Emissionszertifikaten auseinander. Seine Doktorarbeit schreibt er auf seinem Lieblingsgebiet der angewandten Mathematik: der Finanzmathematik. Insbesondere untersucht er die Bewertung von CO2-Emissionszertifikaten und der dazugehörigen Derivate. „Es gibt zwar bereits einige Modelle für ihre Bewertung, aber die sind noch unausgereift. Es geht darum, diese Modelle zu verbessern und eine geeignete Grundlage für die Bewertung zu schaffen.“

Gesche Quent | 10.03.2009
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