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Dreimal ganz viel von der Kindheit mitbekommen durch das Fernstudium

Tierärztin begann in Singapur mit dem Informatik-Studium in Hagen

Portrait Dr. med. Dipl.-Inf. Susanne Krämer Dr. med. Dipl.-Inf. Susanne Krämer

Promovierte Tierärztin, studierte Informatikerin, Familienmanagerin mit mehreren Jahren Auslandserfahrung, offen für Neues, zielstrebig, belastbar und effizienzorientiert… Nein, dies ist keine Stellenbewerbung, sondern einige wenige Charakteristika von Dr. med. vet. Susanne Krämer aus Erlangen. Ihr Informatik-Studium an der FernUniversität in Hagen hat sie großenteils von Singapur aus durchgeführt und als Studentin drei Kinder bekommen.

Nach dem Abitur studierte die 1968 geborene Erlangerin von 1987 bis 1993 in München Tiermedizin, promovierte im Februar 1998 in ihrer Heimatstadt zur Dr. med. vet. Kaum hatte sie ihre Dissertation 1997 eingereicht ging die weltoffene Fränkin im Oktober 1997 mit ihrem Mann nach Singapur. Als Doktorandin, Pharmaaußendienstlerin und Berufsschullehrerin für Tierarzt-Helferinnen hatte sie zuvor bereits berufliche Erfahrungen gesammelt: „In Singapur ist die Geschäftssprache Englisch, ich stand in den Startlöchern für neue Aufgaben, aber dann kam mir die erste Asien-Wirtschaftskrise in die Quere.“ Sie bekam keine Arbeitserlaubnis: „Und dann saß ich da mit nicht einmal 30 Jahren.“ Das Basteln, zu dem sie eingeladen wurde, war jedenfalls keine Alternative. Was nun?


Ein zweites Studium vor Ort wäre riesiger und enorm teurer Aufwand gewesen: „Es gibt natürlich verschiedene Universitäten dort, aber ich brauchte etwas Flexibles.“ Und dann erwähnte ihr Mann beiläufig die FernUniversität in Hagen, die er vorm Hörensagen her kannte: „Ich habe überlegt, mich schlau gemacht und gesehen: Das ist eine Alternative für mich.“

Aber warum wählte die Tierärztin das Studienfach Informatik? „Zur Informatik hat mich mein Interesse an der Mathematik und der Spaß an der Umsetzung von Problemen der Realwelt in die Sprache der Mathematik geführt.“ Mathematiker, so ihre Beobachtung, „landen“ aber häufig in der Informatik. Sie aber wollte später in der Wirtschaft arbeiten. Bereits ihre Diplomarbeit zum Thema Bildverarbeitung fertigte sie bei Siemens Healthcare, Bereich Computertomographie, an.

Zu Anfang studierte sie als Vollzeitstudentin, sogar noch nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Jahre Juni 2000. Auch das erste Kind kam während des FernUni-Studiums zur Welt – eine Tochter, die im Mai 1999 in Kambodscha geboren wurde und wenige Wochen später zu den Krämers kam: „Ich wartete im Waisenhaus, auf dem Boden sitzend mit meinen Studienunterlagen.“ Erst als das Dritte in Erlangen zur Welt kam gönnte sich die Mutter ab Februar 2002 eine eineinhalbjährige Auszeit vom Studium, nahm es anschließend in Teilzeitform wieder auf und lernte trotzdem praktisch wieder in Vollzeitform.


Susanne Krämer beim Klettern (in einer Felswand) Ausgleichssport: Susanne Krämer auf dem Weg nach oben

Studieren mit drei Kindern – wie lässt sich das einrichten? Von „dem bisschen Haushalt“ jedenfalls konnte keine Rede sein, nur durch „minutiöse Zeitplanung, eiserne Disziplin, wenig Schlaf und die Unterstützung meiner Eltern“ waren Studium und Kinder unter einen Hut zu bringen: „Aber ich habe aus der Zeit viel mitgenommen, vor allem hohe Effizienz – die ist mir in vielerlei Hinsicht sehr nützlich“. Besonders froh ist sie aber, dass sie trotz des Studiums „ganz viel von der Kindheit mitbekommen“ hat: „Beim Informatikstudium ging das, in der Tiermedizin wäre es unmöglich gewesen.“ Sie hätte zu oft die Kinder unterbringen müssen, denn es gibt zu wenig Teilzeitstellen in dieser Fachrichtung: „Für uns alle wäre dieser Preis zu hoch gewesen!“ Demgegenüber ließ die Informatik ihr mehr Flexibilität in der Zeiteinteilung.

Dennoch: „Auch mit dem Fernstudium blieb mir wenig freie Zeit, sogar in jeden Urlaub habe ich die Unterlagen mitgenommen und am Pool oft genug mit dem Laptop gesessen. Mein Studium hat meine Familie schon oft genug genervt. Gut, dass ich vor der Studienentscheidung nicht in die Zukunft schauen konnte.“ Heute, nach dem Studienerfolg, ist sie froh: „Ich hätte keine bessere Alternative gehabt!“ Im Rückblick fällt ihr das Eine oder Andere ein, das hätte besser laufen können: „Im Hauptstudium würde ich mich heute eher fragen, was die Industrie will und von mir verlangen würde.“

Persönliche Kontakte zu anderen Studierenden hatte sie kaum, dafür aber viele Freunde und Bekannte: „Zu Anfang konnte mir mein Mann – er ist Elektrotechnik-Ingenieur – noch helfen, später ein befreundeter Mathematiker mit Engelsgeduld.“ Wichtigste Informationsquelle waren Newsgroups und vor Prüfungen Anrufe bei den Kursbetreuerinnen und Kursbetreuern.

Aus ihrer Sicht trennt das FernUni-Studium in der Informatik die Spreu vom Weizen: „Entweder kommt man schnell ‚in die Puschen’ – oder man wird nicht fertig.“ Susanne Krämer hat sowohl ein Präsenz- wie ein Fernstudium absolviert. Welches Studiensystem war für sie besser? Klare Sache: „Ich würde wieder in Hagen studieren – ohne Zögern.“

Wirklich? Wohl nicht, denn „jetzt habe ich viel mehr Zeit, freie Feiertage, ein geregeltes Wochenende und außerdem eine Anstellung in Aussicht“. Oder doch? „Irgendwie fehlt mir das Studium, ich lerne gerne…“

Mittlerweile hat Susanne Krämer einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Siemens Audiologische Technik GmbH unterschrieben: „Aber ich überlege, wenigstens noch einige FernUni-Kurse durchzuarbeiten, die mir bei meiner neuen Arbeit weiterhelfen.“

Gerd Dapprich | 10.09.2009
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