Rubriken

FernUni-News - Leute

Juristin aus Leidenschaft

Blind von Geburt an: Pamela Pabst absolvierte an der FernUniversität ihre Fachanwaltsausbildung

Ein Aushang im Kriminalgericht des Berliner Bezirks Moabit machte Pamela Pabst auf ein für Juristen interessantes Angebot der FernUniversität in Hagen aufmerksam. Entdeckt hat sie ihn nicht selbst, die Anwältin ist seit ihrer Geburt blind. Ihre Assistentin wies sie auf den Fachlehrgang Strafrecht, der nur von der FernUniversität als Fernstudium angeboten wird, hin. Dieser Lehrgang vermittelt in 15 Kurseinheiten die besonderen Kenntnisse im Strafrecht, die Juristinnen und Juristen benötigen, um die Fachanwaltsbezeichnung erwerben zu können.

Pamela Pabst ist deutschlandweit die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin Pamela Pabst ist deutschlandweit die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin (Foto: Erika Irmler)

Viele Studierende schätzen die FernUniversität vor allem, weil sie sich dort die Zeit für ihr Studium entsprechend ihrer persönlichen Lebenssituation einteilen und größtenteils von zu Hause aus studieren können. Für Pamela Pabst war neben diesen Aspekten ein weiterer Punkt entscheidend: „Für mich war es ein enormer Vorteil, dass ich alle Lehrmaterialien digital erhalten habe. Meine Prüfungsleistungen konnte ich über Einsendearbeiten, die ich aus meinem Virtuellen Lernraum heruntergeladen habe, erbringen.“ In Vorlesungen von der Tafel abschreiben kann sie ja nicht. Das hätte dann ihre Assistentin für sie machen müssen. So aber hat sie das Weiterbildungsstudium vollkommen selbstständig absolviert. Dokumente liest die 32-Jährige mithilfe der Sprachausgabe oder der Braillezeile ihres Computers. Eine Braillezeile ist eine Hardware für Blinde, die Bildschirminhalte in Blindenschrift mittels höhenverstellbarer Stifte, die von dem Nutzer oder der Nutzerin ertastet werden, darstellt.

Ihr juristisches Interesse hat Pamela Pabst, die deutschlandweit die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin ist, früh entdeckt. Eine irrtümlich an ihre Eltern gerichtete Mahnung eines Inkassobüros war der Auslöser. Die Eltern suchten sich Rechtsbeistand und ihre Tochter, zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alt, begleitete sie zu dem Termin beim Anwalt. „Die juristische Sprache und die Aufgabe, für Gerechtigkeit einzustehen, haben mich sofort fasziniert.“

Schon als Schülerin machte sie Praktika in Anwaltskanzleien, hospitierte im Kriminalgericht Moabit, wo sie Richterinnen und Richter kennenlernte, die sie mit in Verhandlungen nahmen. An der Freien Universität Berlin studierte sie nach dem Abitur Jura und legte ihr erstes Staatsexamen ab. Um ihre Sehbehinderung auszugleichen, finanzierte ihr der Berliner AStA pro Tag für einige Stunden eine Vorlesekraft.

Nach ihrem Referendariat, das sie unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Moabit und in der Abteilung für Tötungsdelikte der Staatsanwaltschaft Berlin absolvierte, und dem Zweiten Staatsexamen machte sie sich als Anwältin selbstständig: „Eigentlich wollte ich Strafrichterin werden, aber das hat der Bundesgerichtshof Blinden untersagt.“ Die Begründung: Als Richterin muss man Verdächtige „in Augenschein“ nehmen können, um ihr Verhalten beurteilen zu können. Zwar kann Pamela Pabst das Geschehen im Gerichtssaal nicht sehen, das heißt aber nicht, dass sie deren Verhalten nicht wahrnimmt. „Ob jemand lügt oder die Wahrheit sagt, höre ich an der Stimmlage“, erklärt sie. Beweismaterialien, Fotos zum Beispiel, lässt sie sich von ihrer Assistentin beschreiben.

Seit Februar 2007 hat Pabst ihre eigene Anwaltskanzlei. Sie ist in vielen verschiedenen Rechtsbereichen tätig, zum Beispiel im Arbeits- und Sozialrecht sowie im Erb- und Familienrecht. Ihren Schwerpunkt hat sie aber auf das Strafrecht gelegt. Im Oktober 2009 schloss sie den Fachanwaltslehrgang an der FernUniversität erfolgreich ab und darf sich jetzt offiziell „Fachanwältin für Strafrecht“ nennen.

Manuela Feldkamp | 02.03.2010
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de