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Fasziniert vom „frischen Blick“ der Studierenden

Prof. Dr. Armin Schäfer ist neuer Leiter des Lehrgebiets für Europäische Literatur und Mediengeschichte

Wieso ist die Gegenwart so geworden, wie sie ist? Welche Medien hatten und haben Einfluss auf die Entwicklung der Kultur, der Gesellschaft und der Wissenschaft? U.a. mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Armin Schäfer. An der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität hat er Ende Januar das Lehrgebiet Europäische Literatur und Mediengeschichte übernommen. Mit seinem Team betreut er Module im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften (mit u. ohne Fachschwerpunkt), im Masterstudiengang Europäische Moderne: Geschichte und Literatur und im auslaufenden Magisterstudiengang Neuere Deutsche Literaturwissenschaft.

Obwohl – oder gerade weil – er schon an verschiedenen Universitäten gelehrt hat, ist er von der Frische, mit der Studierende sich wissenschaftlichen Themen widmen, immer wieder fasziniert. Schäfer: „Ich schätze diese besondere Neugierde, von der auch Lehrende profitieren, sehr. Sie bringt oft neue Fragen hervor, über die man selbst sonst vielleicht gar nicht nachgedacht hätte.“

Wissenschaftsgeschichte ist auch Mediengeschichte

Vor seiner Berufung an die FernUniversität hat er am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin als Wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. Er ist Mitglied der interdisziplinären Forschungsgruppe „Kulturen des Wahnsinns - Schwellenphänomene der urbanen Moderne (1870-1930)“ und leitet dort das Projekt „Narrative des Wahnsinn im großstädtischen Raum, 1900 - 1930“. Die Arbeit der Forschergruppe zielt auf eine umfassende Rekonstruktion der Psychiatrie an der Berliner Charité zwischen 1870 und 1930. Mit literaturwissenschaftlichen Methoden hat Schäfer analysiert, wie Krankheiten dargestellt und wie diese Darstellungsprozesse durch literarische Verfahren und verschiedene Medien geprägt wurden. Dieses Projekt verdeutlicht ein zentrales Ziel seiner Forschungen. „Um verstehen zu können, wie etwas in der Gegenwart funktioniert, muss man die entsprechende Entwicklungsgeschichte kennen. Um 1900 haben Mediziner mit Verfahren des klassischen biografischen Erzählens ihre Diagnose untermauert und den Krankheitsverlauf beschrieben. Heute stützen sie sich auf die ICD, die ‚Internationale statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme‘. Die Daten werden elektronisch gespeichert und mit dem Computer verarbeitet“, erklärt der neue FernUni-Professor. „Dieser Wandel in einer Wissenschaft korrespondiert mit einem fundamentalen Wandel in der Medienkultur. Wer begreifen will, wie eine Wissenschaft heute funktioniert, muss nicht allein auf die Geschichte dieser Wissenschaft schauen, sondern die Geschichte der Medien in den Blick nehmen.“

Nach seinem Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie in München, Bern und Siegen, wurde Armin Schäfer 1995 in Siegen promoviert. 2003 hat er sich an der Universität Erfurt habilitiert. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter war im Anschluss an den Universitäten Weimar und Konstanz beschäftigt. Im Jahr 2008 war er Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz; Gastprofessuren führten ihn an die Universität Wien und die Humboldt-Universität zu Berlin.

Manuela Feldkamp | 15.06.2011
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