Die Politisierung der Finanzmärkte

Drei Personen stehen nebeneinander in einem Büroraum. Eine Frau hält eine Urkunde in der Hand. Foto: FernUniversität
Begrüßten Prof. Susanne Lütz (Mitte.) an der FernUni: Rektorin Prof. Ada Pellert und Dekan Prof. Frank Hillebrandt. (Foto: FernUniversität)

Prof. Dr. Susanne Lütz kehrt zurück zu ihren akademischen Wurzeln. Seit September leitet die Wissenschaftlerin das Lehrgebiet Internationale Politik an der FernUniversität in Hagen. Das Institut für Politikwissenschaft ist ihr vertraut. Hier hat sich Lütz habilitiert, hat zwei Lehrstuhlvertretungen und von 2003 bis 2008 eine ordentliche Professur für das Lehrgebiet Politische Regulierung und Steuerung gehabt.

2008 folgte Susanne Lütz dem Ruf nach Berlin. Ihr Lebensmittelpunkt blieb Hagen, wohin sie 2003 mit ihrem Mann gezogen war. Von hier pendelte sie in die Hauptstadt. Das hat nun ein Ende. Sie kennt die Stadt, sie kennt die FernUni – die Eingewöhnungsphase überspringt sie also?!

„Die FernUni hat sich schon sehr gewandelt“, räumt Lütz, die als Expertin für politische Steuerung im Zusammenwirken mit der Wirtschaft gilt, ein. Moodle gab’s bis 2008 noch nicht, die Kommunikation mit den Studierenden lief über Mails oder Telefonate. „Das war ein analoges Zeitalter“, stellt sie fest.

Was sie lehrt…

Susanne Lütz nimmt das Schwerpunktthema Digitalisierung auf: Ihre Kurse wird es im Print- und Onlineformat geben. Die Politikwissenschaftlerin betreut Module im Bachelorstudiengang Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie und im Masterstudiengang Governance. Neben den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens sowie der Theorien und Methoden der Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft und Soziologie stehen Fragen der Global Governance, des transnationales Regierens, der Friedens- und Konfliktforschung und der ungleichen internationalen Arbeitsteilung an. Im Master steht ein englischsprachiges Modul mit interdisziplinärer Methodik rund um Problemstellungen des Klimawandels im Lehrplan.

Foto: Thinkstock, Rawpixel Ltd.
Fragen nationaler und internationaler Interessenskonstellationen stehen im Mittelpunkt der Lehre von Susanne Lütz. (Foto: Thinkstock, Rawpixel Ltd.)

…und was sie erforscht

Ein Forschungsprojekt, das sie von der Freien Universität Berlin „mitgebracht hat“, ist gerade durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft verlängert worden. Gemeinsam mit zwei Doktoranden untersucht die Politikprofessorin, wie sich die Interessens- und Machtkonstellationen zwischen der Europäischen Kommission, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber Schuldnerländern bei der Vergabe von Hilfskrediten nach der jüngsten Finanzkrise darstellen: „Wer bestimmt die Bedingungen der Kreditvergabe – die Gläubigerstaaten, internationale Organisationen oder auch die Schuldnerländer?“

Das Zwischenfazit: Es besteht ein viel größerer Handlungsspielraum, als das Forschungsteam erwartet hat. Die involvierten internationalen Institutionen handeln nach eigenen, teils einander widersprechenden Logiken. Während der IWF als „Wirtschaftsprüfer“ erwartet, dass die verschuldeten Länder ihre desolate Finanzlage zielstrebig ausgleichen, entpuppt sich die Zentralbank als Währungshüterin. Die Europäische Kommission fühlt sich nicht nur der Stabilität verpflichtet, sondern auch dem Wachstum und will die Länder durch Privatisierungen wettbewerbsfähig machen. „Die Schuldnerländer selbst verschärfen sogar die ihnen auferlegten Reformen, um schnell an den Kapitalmarkt zurückzukehren“, bilanziert Lütz. „Wir beobachten bei den Schuldnerländern zum Teil kooperatives Verhalten durch gleiche Interessenslagen, aber auch unterschiedliche Interessenslagen und in diesen Fällen nicht-kooperatives Verhalten.“

Der Reiz der FernUniversität

In allem, was sie forscht und lehrt, ist Susanne Lütz durch 13 Jahre Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln geprägt, wo die Diplom-Sozialwissenschaftlerin promoviert hat und sich mit an der Schnittstelle zwischen Politik und Ökonomie auftretenden Fragen nach Interessen- und Machtkonstellationen beschäftigt hat. Das hat sie weiter ausgebaut, zunächst in Köln, Hagen und Berlin.

Die Hauptstadt hatte sie aus Hagen weggelockt, weil Susanne Lütz die „klassische“ Präsenzuniversität kennenlernen und sich inhaltlich breiter aufstellen wollte. Sie forschte in Drittmittelprojekten und Sonderforschungsbereichen und lehrte in Bachelor-, Masterstudiengängen und in Graduiertenkollegs – und erreichte die Studierenden nicht in dem Maße, wie sie erwartet hatte. „Mein Lehrangebot war auf ein Vollzeitstudium gerichtet, ich traf aber auf Studierende, die in Teilzeit studieren.“

Als die Ausschreibung der FernUniversität kam, musste Lütz nicht lange überlegen. „Das Konzept der FernUni, Lebenslanges Lernen, überzeugt mich nach wie vor. Inhaltlich verbreitere ich mich über die Internationale Politische Ökonomie hinaus zum Feld der Internationalen Beziehungen“, sagt sie. Darum wird sich ihre Lehre und Forschung in Zukunft noch weiter drehen.

Anja Wetter | 06.12.2017