Den demografischen Wandel durch Lernprozesse gestalten

Renate Schramek in der Mensa
Dr. Renate Schramek ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Lebenslanges Lernen und möchte ihren Traum von einer Professur verwirklichen.

Die FernUniversität in Hagen hat Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Bildungswissenschaftlerin Dr. Renate Schramek, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Lebenslanges Lernen von Prof. Dr. Uwe Elsholz.

Mit dem demografischen Wandel werden die Menschen in Deutschland immer älter. Mit jeder Generation kommen weniger Kinder auf die Welt. Gleichzeitig wird die Gesellschaft vielfältiger – nicht zuletzt durch die steigende Zuwanderung. „Lebensläufe individualisieren sich“, sagt Bildungswissenschaftlerin Dr. Renate Schramek mit Blick auf den demografischen Wandel. „Wir sollten in unserer Gesellschaft altersloser denken.“

Lernen im Alter, intergenerationelles Lernen, Weiterbildung von älteren Beschäftigten und lebenslanges Lernen in Unternehmen: Die Geragogik (Altersbildung) ist ihr Schwerpunkt in Forschung und Lehre. Die Ergebnisse bisheriger Projekte will Renate Schramek in ihrer auf drei Jahre angelegten Habilitation zusammenführen. „Basis wird die theoretische Fundierung des Lernens im Alter sein, unter Berücksichtigung der Bildungswissenschaft und der Gerontologie, also der Wissenschaft vom Alter und Altern“, sagt die Stipendiatin aus dem Lehrgebiet Lebenslanges Lernen. Darüber hinaus wird es auch um Lernformate wie zum Beispiel die Fortbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gehen.

Altersbildung an den Hochschulen

Diesen Aspekt würde die Wissenschaftliche Mitarbeiterin am liebsten direkt in die Praxis umsetzen. Ihre Idee für eine Erweiterung des FernUni-Studienangebots: eine Weiterbildung zur Gestaltung des demografischen Wandels durch Lernprozesse. „Durch die zunehmende Anzahl älterer Menschen erhält das Lernen im Alter einen neuen Stellenwert. Daher muss die Geragogik ihren Platz an den Hochschulen finden“, blickt sie in die Zukunft. Bislang findet die Altersbildung diesen an der FernUni in den Kurseinheiten zum demografischen Wandel und zur betrieblichen Bildung, die von Renate Schramek betreut werden.

Dabei liegt ihr die Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis besonders am Herzen. Sie selbst ist dafür bestes Beispiel und bringt aus allen drei Bereichen umfassende Erfahrungen mit. Bereits 2002 hat Renate Schramek das in Düsseldorf beheimatete Forschungsinstitut Geragogik mitgegründet und aufgebaut. Im Auftrag von Politik und Wirtschaft werden seitdem vielfältige (Forschungs-)Projekte zu Bildungsmöglichkeiten und Bildungschancen älterer Menschen angestoßen. Gelehrt hat sie darüber hinaus an verschiedenen Hochschulen in Deutschland, unter anderem an der TU Dortmund. Dort ist ebenfalls ihre Promotion zu Bildungsprozessen bei sensorischen Beeinträchtigungen im Alter verortet. Hinzu kommt der Blick aus der Praxis durch Berufserfahrung in der Akutgeriatrie und der ambulanten Rehabilitation sowie in der Heilkunde im Bereich Logopädie / Sprachtherapie. „Es ist ein Gewinn, auch außerhalb der Universität gearbeitet zu haben, an vielfältigen Forschungsprojekten beteiligt gewesen zu sein und diese Sicht in die Lehre miteinzubringen“, sagt die 43-jährige Mülheimerin.

Fruchtbare Zusammenarbeit mit berufstätigen Studierenden

Vor diesem Hintergrund schätzt sie an der FernUniversität die Zusammenarbeit mit den vielen berufstätigen Studierenden. „Das ist eine große Bereicherung. Unsere Studierenden sind gestandene Menschen, die praktische Bezüge zur Theorie herstellen, Probleme in ihrem (Arbeits)Alltag durchdenken und diese angehen“, sagt sie nach zwei Jahren an der Hagener Hochschule.

„Lehre und Forschung gehen so eine besondere Verbindung ein und befruchten sich gegenseitig. Das motiviert und treibt mich an auf dem Weg zur Habilitation.“

Carolin Annemüller | 04.03.2016