Handball-Europameister studiert an der FernUniversität

Die FernUniversität in Hagen hat einen Handball-Europameister in ihren Reihen: Der 22-jährige Julius Kühn studiert an der Hagener Hochschule Wirtschaftswissenschaft. Mit seinem Studium parallel zum Leistungssport baut er sich ein zweites Standbein auf und hat wenige Tage nach dem Gewinn des EM-Titels in Krakau nun bereits die nächsten Klausuren im Blick.

Porträt Julius Kühn
Julius Kühn (Foto: Sascha Klahn/DHB)

Julius Kühn geht vor dem Bundesliga-Spiel in Kiel ans Telefon. Turbulente Wochen liegen hinter dem Handball-Europameister. Nach dem überraschenden Titelgewinn in Krakau hatte der kurzfristig in die Nationalmannschaft nachnominierte Rückraumspieler kaum Zeit zum Verschnaufen. Der 22-Jährige läuft bereits wieder in der Handball-Bundesliga für seinen Verein, den VfL Gummersbach, auf. Parallel studiert er an der FernUniversität in Hagen Wirtschaftswissenschaft und bereitet sich auf wichtige Klausuren vor.

Glückwunsch, Herr Kühn. Was haben Sie nach dem Gewinn der Handball-Europameisterschaft am meisten genossen?

Julius Kühn: Es ging alles Schlag auf Schlag. Ein Höhepunkt folgte auf den nächsten. Toll war der Empfang der Fans in der vollen Max-Schmeling-Halle in Berlin. Und ich habe die Gunst der Stunde genutzt, um zumindest kurz nach Hause zu meiner Familie an den Niederrhein zu fahren. Wir haben anstrengende Tage mit vielen PR-Terminen hinter uns und sind danach schnell wieder ins Training eingestiegen.

Wie stehen denn bei diesem Trubel die Chancen, dass Sie bei Ihren Klausuren erfolgreich sind?

Julias Kühn: (lacht) Das ist machbar. Ich habe mich für zwei Klausuren angemeldet und bearbeite gerade die Module „Einführung in die Wirtschaftswissenschaft“ sowie „Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik“. Die Studienbriefe der FernUni hatte ich sogar bei der Europameisterschaft in Krakau dabei. Aber bei so einem Turnier ist es schwer, nebenbei noch etwas fürs Studium zu machen. Insgesamt läuft es nicht schlecht. Aber weil die EM dazwischen gekommen ist, muss ich einiges an Stoff nachholen.

Welches ist die größte Herausforderung, um Handball und Studium unter einen Hut zu bekommen?

Julius Kühn: Eigeninitiative zu ergreifen und sich hinzusetzen. Man muss sich dazu zwingen. Das Fernstudium in Teilzeit ist ideal. Trotz des Handballs habe ich noch viel freie Zeit. Wir trainieren morgens und abends. Die Mittagszeit und die Nachmittage kann ich für mein Studium nutzen. Es liegt allein an einem selbst, was man daraus macht.

Mit dem EM-Sieg in Krakau hat die Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Brasilien im Sommer 2016 geschafft. Konzentrieren Sie sich jetzt voll auf Ihre Handball-Karriere?

Julius Kühn: Jeder Sportler träumt davon, bei Olympia dabei zu sein. Mein Ziel ist es, in Rio erneut Teil der Nationalmannschaft zu sein. Doch das entscheidet Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Ich kann mich nur mit guten Leistungen in der Bundesliga anbieten. Der Sport steht zwar im Vordergrund, aber ich möchte mein Studium an der FernUni nicht vernachlässigen. Es war mir von Anfang an wichtig, neben dem Handball ein zweites Standbein aufzubauen.

Wie sehen Ihre Pläne für die berufliche Zukunft aus?

Julius Kühn: Ich werde mir ein Standbein in der Wirtschaft aufbauen. Mein Vater arbeitet als Vermögensberater. In einem Praktikum habe ich bei ihm reingeschnuppert. Das hat mir gut gefallen und könnte eine Option sein.

proe | 04.03.2016