Spicken 2.0: Hilferuf und Biologieklausur im Web hochgeladen - was war noch mal Osmose?
Noch vor wenigen Jahren ging Mogeln im Unterricht so: Man kritzelte sich Formeln aufs Federmäppchen, klebte Vokabelzettel unter den Rockzipfel oder versteckte ganze Bücher auf dem Schulklo. Veraltete Tricks, über die Schülerinnen und Schüler heute nur milde lächeln können. Was bedeutet das für den Lehrbetrieb an den Hochschulen? Wächst da etwa eine Generation heran, die im Online-Zeitalter auf kollaboratives, netzgestütztes Schummeln setzt?
Spicken 2.0 - so funktioniert es
Ein passendes Beispiel fürs Spicken 2.0 lieferte vor einigen Wochen der Kurznachrichtendienst Twitter. Dort rief der 15-jährige Schüler A. aus NRW (Profilname, Stadt und Schule sind der Redaktion bekannt) seine Follower um Hilfe – offenbar mitten in seiner Biologieklausur.
Zum Glück gibt es heute Smartphones mit Kamerafunktion: Seine Klausuraufgaben fotografierte A. ab und lud sie ins Netz hoch (siehe Abbildung rechts). Einige Minuten später dann der erste Hinweis aus dem Netz, von Twitter-User K.
K. schickte anschließend noch einen Tweet hinterher, der den verzweifelten Prüfling aber ratlos zurück ließ:
Dann eine Überraschung: Ein Twitter-Nutzer, der sich in seinem Profil als ZDF-Hauptstadtredakteur ausgibt, schaltete sich in die Diskussion ein leistete mit gleich vier Tweets á 140 Zeichen wertvolle Schützenhilfe. A. war begeistert, denn schon kurz darauf hatte er die Bioklausur geschafft.
Fazit der Geschichte: Natürlich fragt man sich erstens, wo die Klausuraufsicht die ganze Zeit gewesen ist, zweitens, ob Spicken 2.0 mittlerweile zum Standard-Schummelrepertoire von Schülerinnen und Schülern gehört - und drittens, ob A. von der Hilfe aus dem Web profitieren konnte.
Einige Tage später war zumindest die letzte Frage klar beantwortet: Nein.

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