Simon Adjei

Um mit 30 fertig zu werden gab er seinen Vollzeitjob auf

Er hat sich einen heißen Tee gemacht und die Küche blockiert: Simon Adjei studiert gerade. Genauer: Er lernt für eine Klausur über „Internes Rechnungswesen“. Nicht ungewöhnlich, dass dies zuhause passiert. Allerdings findet das staatliche Universitätsstudium insgesamt weit überwiegend zuhause statt: Individuell studieren dort, wo es am schönsten ist. Und das schon im elften Semester – davon sechs in Teilzeitform – an der FernUniversität in Hagen. Zunächst im Teilzeitstudium neben dem Beruf. Seit 2010 gibt Simon Adjei richtig Gas und studiert in Vollzeitform, arbeitet gleichzeitig als Werkstudent nebenbei. Wenn alles läuft wie geplant, wird er an seinem 31. Geburtstag im Juni 2013 seinen staatlichen Universitätsabschluss als Bachelor of Science (B.Sc.) in Wirtschaftswissenschaft geschafft haben. Ohne jemals einen Hörsaal betreten zu haben – außer für Klausuren, die zu bestimmten Terminen an zentralen Orten stattfinden, meistens in Räumen anderer Universitäten.

Simon Adjei

Nach dem Abitur absolvierte Simon Adjei eine Lehre als Bankkaufmann, die er 2006 erfolgreich abschloss, ging dann als Sachbearbeiter zu einer Kreditversicherung und wechselte anschließend zu einem Tochterunternehmen der Versicherung. Im Wintersemester 2007 begann er mit dem Studium an der FernUniversität in Hagen.

Zum Studium hatte er sich zusammen mit einem Freund entschlossen, als beide sich nach der Ausbildung überlegten, wohin ihre beruflichen Laufbahnen führen sollten. Gerade die Berufspraxis hatte Simon Adjei gezeigt, „dass man noch etwas tun muss, wenn man mehr erreichen will“. Er hatte gesehen, welche Chancen man mit und welche man ohne weitere Qualifikation hat. Die beiden Freunde diskutierten mehrere mögliche Alternativen, doch eine nach der anderen auf der Suche nach dem hochwertigsten Abschluss weg: „Wenn man viel Zeit investiert, will man schließlich das Optimale, die Mühe soll sich ja auch am Ende gelohnt haben!“ erinnert sich Simon Adjei zurück. Das Optimale war für beide der staatliche Universitätsabschluss an der FernUniversität in Hagen, der einzigen deutschsprachigen wissenschaftlichen Hochschule in Deutschland.

Hier kann er in seinem „optimalen Tempo“ lesen: „Ich lerne am besten durch Lesen. Im Studium an der FernUni kann ich mein ‚Vorwissen vorspulen’ und in den Präsenzveranstaltungen vertiefen.“ Das war für seine Entscheidung „pro FernUni“ ein ganz wesentlicher Faktor. Zudem kann er lernen, wo er gerade ist, in der Hamburger Uni, an der Elbe.

Von Zeit zu Zeit überlegt Adjei, wo er gerade steht und was er erreichen will. Dabei setzte er sich das Ziel, „mit Anfang 30 fertig zu werden“. Um sein Studium zu beschleunigen und zielführend gestalten zu können gab er seinen Beruf auf und studiert seither in Vollzeitform. Überhaupt gefällt ihm die Flexibilität des FernUni-Studiensystems besonders: „Es passt sich der aktuellen Lebenslage an.“ Den Kontakt zur Praxis hält er neunzehneinhalb Stunden pro Woche als Werkstudent bei einer Steuerberatungsgesellschaft. Dieser Job passt bestens zu seinem Studienschwerpunkt „Finanzierung und Steuerlehre“.

Wichtig sind für ihn Spaß und Erfolg im Beruf bis zur Rente. Das Studium ist für den 30-jährigen daher eine Investition in die Zukunft: „In Deutschland ist Bildung so gut und so zugänglich wie in keinem anderen Land auf der Welt. Daher hängt die Entscheidung für Bildung in erster Linie von der Zeitinvestition ab. Und ob man zum Erfolg kommt ist in erster Linie eine Frage der eigenen Motivation, Eintrittsbarrieren gibt es ja nicht.“

Die Betreuung vor Ort und die persönlichen Kontakte im früheren Fernstudienzentrum Hamburg und in den NRW-Studienzentren Rheine, Herford undLeverkusen waren für ihn wichtig: „Manche anderen Studierenden sieht man oft, andere erst nach Semestern. Man lernt sich im Zentrum kennen, begegnet sich dort wieder, freut sich darüber. Und immer wieder kommen Neue dazu.“ Auch seinen Freund aus der Ausbildung traf er: „Immer, wenn wir dieselben Module belegt hatten, lernten wir auch zusammen.“ Besonders freute er sich auch, als er andere Studierende, die mit denen er einem Consulting-Projekt im Rahmen der Lehre zusammengearbeitet hatte, bei Klausuren wiedertraf.

Interessanterweise vertieften sich viele Kontakte, sogar mit Studierenden aus anderen Bundesländern: „Wie geht es Dir, was macht die Familie?“ Voraussetzung ist jedoch, dass man Kontakte haben will, es gibt ja keinen Campus, auf dem man viele andere Studierende trifft: „Man kann auch so eine Art ‚Studentenleben’ haben, aber man muss es organisieren.“

Im Regionalzentrum las er – ebenso wie in der Bibliothek der Hamburger Universität oder in der eigenen Küche – die Kurseinheiten aus Hagen. Um Gelerntes zu verinnerlichen besuchte er Mentoriate im Regionalzentrum und Lerngruppen. Großes Lob hat Adjei für die Mentorinnen und Mentoren übrig: „Sie betreuen ja verschiedene Kurse und es ist sehr angenehm, wenn man sie wiedertrifft. Sie gehen gerne auf die Wünsche der Studierenden ein.“

Wenn man 60 Stunden pro Woche für Fernstudium und Werkstudententätigkeit investiert, braucht man in seinem privaten Umfeld Verständnis und Unterstützung. Beides hat Simon Adjei. Freunde, Bekannte und Kollegen sind immer wieder interessiert an dem, was er als FernUni-Student erlebt. Sie verstehen, wenn er dem Studieren manchmal den Vorzug gibt vor einem Treffen. Andererseits verschiebt er auch einmal das Lernen. Insgesamt kann Adjei seine sozialen Kontakte sogar besser pflegen. Und seine (berufstätige) Lebensgefährtin hat nicht nur Verständnis, ebenso wie er bildet auch sie sich weiter: „Wir wissen beide, dass wir damit etwas für unsere gemeinsamen Zukunft tun.“ Was natürlich auch den Vorteil hat, dass „man dann lernt, wenn auch der andere beschäftigt ist“. Für Adjei heißt das: Er versucht, seine Woche so zu organisieren wie ein Arbeitnehmer und tagsüber zu lernen. So bleibt dem Fan des Hamburger SV auch Zeit, ins Fußballstadion zu gehen.

Mit dem Vollzeitstudium und Werkstudententätigkeit hat Simon Adjei für sich das Optimale gefunden: „Als ich in Vollzeit gearbeitet und in Teilzeitform studiert habe, war das für mich schon grenzwertig. Nun kann ich beim Lernen meine Zeit besser einteilen und zwischendurch auch etwas anderes machen und mir auch einmal die Zeit für etwas Sport nehmen – das ist schon ein ‚Hauch’ von Studentenleben.“

Stand: Februar 2013