Irmgard Badura

Beauftragte der Bayerischen Regierung für Menschen mit Behinderung

Die Studienorganisation an der FernUniversität gefiel der hochgradig sehbehinderten Irmgard Badura ausdrücklich. „Ich hatte kein Gerenne und fand alles Notwendige bei mir im Briefkasten oder am PC“, sagt sie zufrieden. 2003 startete sie im Bachelorstudiengang Politik- und Verwaltungswissenschaft. Sechs Jahre später schloss sie das Teilzeitstudium erfolgreich ab. Anfang 2009 wurde Irmgard Badura darüber hinaus zur Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung ernannt.

Die heute 36-Jährige ist hochgradig sehbehindert bzw. gesetzlich blind, ihre Sehstärke beträgt weniger als 5 % im Vergleich zu „Normalsichtigen“ - bei erheblich eingeschränktem Kontrast- und Farbsehen. Nur etwa fünf Grad macht der Bereich ihres Gesichtsfeldes aus. 180 Grad sind es bei „Normalsichtigen“.

Foto von Irmgard Badura
Irmgard Badura

Vorgehabt, nach ihrer Ausbildung noch Abitur zu machen und zu studieren, hatte die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin immer schon. Parallel zu ihrer Tätigkeit bei einer international tätigen Wirtschaftsprüfer- und Anwaltskanzlei meldete sie sich daher an der Berufsoberschule an, machte ihr Abitur und schrieb sich daraufhin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Fach Wirtschaftspädagogik ein. „Die Präsenz-Universität war jedoch nicht das richtige für mich“ sagt sie. „Trotz meiner technischen Hilfen wie Laptop und Bildschirmlesegerät, großer Bemühungen und Hilfsbereitschaft seitens der Universität sowie der Mitstudierenden, war ich mehr mit der Organisation, als mit dem Inhalt des Studiums beschäftigt.“ In der Masse von ca. 800 Erstsemestern kam schnell das Gefühl von Anonymität auf – „zumal ich ja keine Gesichter wieder erkennen kann“.

Unglücklich mit der Situation, aber thematisch sehr interessiert, fragte sich Irmgard Badura nach den ersten Monaten: Was tun? Aufgeben kam nicht in Frage. Sie hörte sich um und stieß auf das Angebot der FernUniversität. Von der Wirtschaftspädagogik wechselte sie zur Politik- und Verwaltungswissenschaft. Im Oktober 2003 kam das erste Studienmaterial zu ihr nach Hause. Die Studienbriefe direkt im Briefkasten vorzufinden, war eine große Entlastung: „Ich musste einfach nur ein Formular ausfüllen, und dann klappte erstmal alles.“ Als Anregung für die Zukunft wünscht sie sich, „dass die digitale Verfügbarkeit der Studienbriefe noch ausgebaut wird“.

Das Studienmaterial konnte Badura in ihrem eigenen Tempo durchgehen. Unterstützung erhielt sie zudem von ihrem Ehemann, guten Freunden sowie einer Vorleseassistenz. Klausuren schrieb sie unter Aufsicht zu Hause. „So ging es von Hausarbeit zu Hausarbeit, über Seminare und Klausuren. Das Fernstudium erfordert große Disziplin und Durchhaltevermögen und ist nicht immer einfach, aber aber diese Sorgen kennen alle Fernstudierenden und so fühlte ich mich wie eine von vielen“, beschreibt Irmgard Badura ihren Studienalltag.

Alles in allem war das FernUni-Studium genau das Richtige für die 36-Jährige – fachlich und organisatorisch. Ihre theoretischen Kenntnisse konnte sie schon früh in der Praxis einsetzen, vor allem auf dem Gebiet der Non-Profit-Organisationen und in der Politik. Badura engagiert sich bereits viele Jahre lang ehrenamtlich in Selbsthilfe-Organisationen für blinde und sehbehinderte Menschen. Für sechs Jahre war sie Mitglied im Landesvorstand des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) und war dort außerdem acht Jahre lang Referentin für Sehbehindertenbelange. Seit 2006 leitet sie zudem die Koordinationsstelle „Leben mit Sehbehinderung“ beim Dachverband Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband.

Ihr Engagement war und ist ihr wichtig. Für Menschen mit Behinderung allgemein, „und das sind etwa 10 % unserer Bevölkerung“, ist sie nun Botschafterin, Anwältin und Fürsprecherin. Sie berät die Bayerische Staatsregierung in allen für Menschen mit Behinderungen relevanten Angelegenheiten. Das momentan wichtigste Thema ist dabei die erst im März 2009 für Deutschland geltendes Recht gewordene „UN-Konvention über den Schutz und die Förderung der Rechte von Menschen mit Behinderung“. Zentrale Aspekte hierbei sind, dass dieser weltweit gültige Vertrag nicht länger den einzelnen Menschen als „behindert“ ansieht, weil er eine medizinische, psychische oder sonstige Besonderheit hat, sondern er fordert uns - die Gesellschaft in unserer Umwelt - auf, für alle Menschen gleichermaßen zugänglich und nutzbar zu sein. Bildungsangebote stehen hierbei ebenso im Mittelpunkt wie eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung oder die umfassende Teilhabe am Arbeitsleben, sowie in Politik, Gesellschaft und Kultur.

„Die Vielfältigkeit des Studienganges und die notwendige Konzentration auf bestimmte Themenfelder haben mich durchaus gut vorbereitet auf den Umgang mit der im politischen Leben üblichen Informationsflut und der verschiedenen Interessen, die aufeinander stoßen!“

Stand: Oktober 2009