Florian Becke

Der Profi-Bobfahrer studiert Mathematik und Wirtschaftswissenschaft

Auf 184 cm Größe verteilen sich 97 kg Körpergewicht. Davon ist ein großer Teil Muskelmasse. Und die braucht FernUni-Student Florian Becke auch. Der 30-Jährige ist Bob-Anschieber. Sein Team besteht aus vier Athleten: drei Anschieber plus Steuermann. Beckes Kraft entscheidet also mit darüber, wie schnell sich der „Eisschlitten“ am Start in Bewegung setzt. Und ein guter Start ist Gold wert: 2010 hat der Nürnberger mit seinem Team den Welt- und Europameistertitel geholt. Jetzt setzt er alles daran, den großen Traum wahr werden zu lassen: Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Sotschi (Russland) 2014. Aber Becke weiß: „Die deutsche Konkurrenz ist mächtig.“ Sollte er es ins deutsche Team schaffen, „strebe ich natürlich nach einer Medaille“.

Illustration
Zum Gewinn der Bob-Europameisterschaft 2011 bekam Florian Becke auch Glückwünsche von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. (beide Fotos: Herbert Becke)

Der ambitionierte Athlet ist Soldat in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Fit hält er aber nicht nur seinen Körper, sondern mit der FernUniversität in Hagen auch die grauen Zellen. Im Bachelorstudiengang Mathematik studiert Becke seit rund fünf Jahren und der Abschluss ist zum Greifen nah. „Vor drei Semestern habe ich mich dann zusätzlich für Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben.“

Es ist ganz klar, dass er sich jetzt hauptsächlich auf sein Training konzentriert und sein Studium hinten ansteht. Das ist sozusagen „auf Eis gelegt“ und – im doppelten Sinn – dort, wo auch er sich meistens befindet. Becke: „Die Studienmaterialien habe ich immer dabei. Während der Vorbereitung für die Olympiaqualifikation bleibt leider nur wenig Zeit dafür. Aber sonst nutze ich Trainingspausen und Reisezeiten, um Skripte zu lesen und Einsendeaufgaben zu bearbeiten.“ Mit dem Stoff kommt er gut klar. „Die Studienbriefe sind super aufbereitet, die virtuellen Lernangebote der FernUniversität nutze ich nicht so häufig“.

Illustration
Mit bis zu 140 km/h rast der Bob durch die Eisbahn. Ein gelungener Start ist die „halbe Miete“ für eine schnelle Endzeit.

Schade findet der FernUni-Student, dass er durch den Sport nur selten die Möglichkeit hat, Kommilitoninnen und Kommilitonen „live“ bei Präsenzveranstaltungen zu treffen. So hat er beispielsweise das FernUni-Regionalzentrum in Nürnberg aus einem einfachen Grund bisher noch nicht von innen gesehen. „Ich bin fast nie zu Hause“, lacht er. 14 bis 18 Wettkämpfe bestreitet der FernUni-Student jedes Jahr, in Europa und in den USA. Dazu kommen mehrwöchige Trainingslager in verschiedenen Ländern. „Gerade bin ich in Italien“, erzählt er im Telefoninterview. Auf dem Campus der FernUniversität war er aber schon mehrmals zu Präsenzseminaren und Studientagen.

Florian Becke hat übrigens schon die erste Sportlerkarriere hinter sich. Als Zehnkämpfer. Die meisten seiner aktuellen Kollegen sind ebenfalls Quereinsteiger, denn wer mit dem Bobfahren beginnt, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Ein Bob rast mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 140 km/h durch die Kurven. Die dabei entstehende Druckbelastung kann die Wirbelsäule massiv schädigen, wenn die Wachstumsfugen noch nicht verknöchert sind.

Stand: August 2013