Simon Bürger

19-jähriger FernUni-Student gewinnt gold bei Informatik-Olympiade

„Schreiben Sie ein Programm, das möglichst schnell und effektiv ermittelt, in welcher Sprache ein Wikipedia-Artikel verfasst ist.“ Das war nur eine von insgesamt acht Aufgaben, die FernUni-Student Simon Bürger bei der internationalen Informatik-Olympiade in Kanada Ende August lösen musste. Verteilt auf zwei Wettkampftage hatten er und seine über 300 Konkurrentinnen und Konkurrenten aus aller Welt dafür zehn Stunden Zeit. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der 19-Jährige hat mit einem hervorragenden 14. Rang eine Goldmedaille und die beste Platzierung für Deutschland geholt.

Seit drei Jahren ist Simon Bürger an der FernUniversität in Hagen im Studiengang Informatik eingeschrieben, bis zur Bachelorurkunde fehlen ihm nur noch die Abschlussprüfungen. Die Möglichkeit, bereits als Schüler ein Universitätsstudium aufnehmen zu können, findet der Nottulner super. Schon in der Grundschule stellten seine Lehrer fest, dass er ein besonderes Talent und Gespür für Mathematik hat. Ein IQ-Test zeigte, dass er hochbegabt ist. „Talent und Begabung werden vor allem durch das Interesse an einem Fach lanciert“, glaubt er. Und sein Interesse für Informatik war schon als Kind groß. Vor etwa acht Jahren hat er an ersten Informatik-Workshops teilgenommen, im Laufe der Jahre folgten Bundeswettbewerbe, über die er sich für europäische Informatikolympiaden und jetzt für Kanada qualifizierte.

Informatik-Olympiade? Als Nichtinformatiker stellt man sich jetzt vor, wie hunderte Köpfe eifriger Nachwuchsinformatikerinnen und -informatiker vor dem Bildschirm hängen und die Finger flink für Laien nicht verständliche Codierungen in die Tasten hämmern. „Die meiste Zeit verbringt man eigentlich mit Zettel und Stift, überlegt und kritzelt Ideen aufs Papier. Im Grunde genommen geht es bei jeder Aufgabe darum zu erkennen, welches klassische algorithmische Problem dahinter steckt. Das Schreiben des Programms am Rechner dauert dann nur etwa zehn Minuten“, korrigiert Bürger diese Vorstellung lachend. Und dafür müsse man die entsprechenden Algorithmen kennen, mit mathematischer Denkweise und einer gewissen Abstraktionsfähigkeit eine Aufgabe betrachten können. „Dafür hat mir mein Studium an der FernUniversität eine Menge gebracht. Hier habe ich immer neue Anreize bekommen, mich auch mit schwierigen mathematischen Aufgaben auseinander zu setzen. Zwar hatte ich in der Schule auch den Mathematik- und Informatik-Leistungskurs belegt, fand es aber sehr frustrierend, dass wir da nicht so weit gekommen sind, wie ich schon alleine zu Hause mit dem Stoff war.“ Und damit nennt Bürger den für sich wichtigsten Vorteil, den die FernUniversität ihm bietet: „Das Tempo selbst zu bestimmen, dem eigenen Wissensstand entsprechend in das Studienmaterial einzusteigen, die Reihenfolge der Kurse individuell zu bestimmen.“

Und wie funktioniert jetzt ein Programm, das erkennt, in welcher Sprache ein Wikipedia-Artikel verfasst ist? „Der einfache Ansatz ist zu schauen, welche Buchstaben in welcher Sprache besonders häufig vorkommen und ein Programm zu schreiben, das diese Wiederholungen findet“, erklärt Bürger. Genauer, dafür aber auch aufwändiger, sei der Weg, den er gewählt habe: die Suche nach ganzen Wörtern oder Satzteilen.

Ob der junge Mann selbst damit gerechnet hat, eine Goldmedaille von seinem ersten internationalen Wettkampf mit ins westfälische Nottuln zu bringen? „Dass ich einen Medaillenrang erreichen kann, wusste ich. Dass es Gold wird – davon bin ich nicht ausgegangen“, sagt er. Genauso wie seine drei Kollegen aus dem deutschen Team hat er als Teilnehmer der Informatikolympiade von der Studienstiftung des Deutschen Volkes ein Stipendium erhalten. Nachdem er die Schule hinter sich gelassen hat, möchte Simon Bürger nun an einer Präsenzuniversität studieren. Seine Wahl fiel auf die Universität Aachen. „Mein Informatikstudium an der FernUniversität werde ich auf jeden Fall trotzdem abschließen, voraussichtlich Ende des Jahres. Auf die Prüfungen will ich mich nämlich anständig vorbereiten, das Ergebnis soll schließlich gut ausfallen.“

Stand: September 2010