Jens Eckebrecht

Ohne Abitur zum Traum-Abschluss in Informatik

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Legt jetzt eine Studienpause ein und will danach vielleicht den Master in Angriff nehmen: Software-Entwickler Jens Eckebrecht.

Kurz vor dem Weihnachtsfest 2013 hatte er sein Traumzeugnis im Briefkasten: Abschlussnote 1,1 im Bachelor-Studiengang Informatik. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. „Wobei: Ein Geschenk war das eigentlich nicht“, stellt Jens Eckebrecht (36) aus Eisenach klar. Sechs harte Studienjahre an der FernUniversität in Hagen neben seinem Vollzeit-Job als Software-Entwickler liegen hinter ihm. „Viel Freizeit ist da nicht geblieben.“

Doch missen möchte er die Studienzeit keinesfalls. Es ist neun Uhr morgens, als Jens Eckebrecht in seinem Büro ans Telefon geht. Der 36-Jährige entwickelt in einer Firma in Eisenach Software für Verwaltungen, Kommunen und Verbände. Geändert hat sich nach dem Uni-Abschluss an seiner beruflichen Tätigkeit nichts. „Ich habe jetzt aber wesentlich mehr Hintergrundwissen“, sagt er. „Wenn etwas nicht funktioniert, weiß ich nun, warum das so ist.“

Über das Akademiestudium zum Bachelor-Abschluss

Dieses Wissen hat er sich ohne Abitur erarbeitet. Als beruflich Qualifizierter schrieb er sich 2007 zunächst für ein Akademiestudium ein und wechselte dann in den Bachelor-Studiengang Informatik. „Die erbrachten Leistungsnachweise wurden angerechnet, sodass ich keine Zeit durch die Zugangsprüfung verloren habe“, erklärt Eckebrecht. „Das war ein angenehmer Weg, auch wenn der Matheteil anstrengend war.“ Nach seinem Realschulabschluss hatte er zuvor eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann absolviert und dann als Softwareentwickler gearbeitet. Praxiserfahrung fehlte ihm also nicht, aber in der Theorie stieß er an seine Grenzen. „Weiterbildung war daher mein primäres Ziel“, sagt er über seine Entscheidung, neben dem Beruf ein Studium aufzunehmen.

Dafür hat er hart gearbeitet. Nach der Arbeit, am Wochenende, im Urlaub. „Da braucht man schon viel Eigenmotivation“, bilanziert er. „Während des Semesters sitzt man oft bis acht oder neun Uhr abends am Schreibtisch.“ Unterstützung gab’s vom Arbeitgeber: Seinen Urlaub konnte Eckebrecht nach den Klausurterminen ausrichten.

Von Prüfung zu Prüfung gedacht

Abgelegt hat er seine Prüfungen meist in Frankfurt. Auf Betreuungsangebote verzichtete er dagegen komplett. „Die Unterlagen waren gut“, sagt Eckebrecht und kämpfte sich allein durch Studienbriefe und Fachbücher. „Es war sehr angenehm, dass alles online geht und man sich alles frei einteilen kann“, nennt er die Vorzüge des Fernstudiums aus seiner Sicht. Seine Strategie: sich von Prüfung zu Prüfung vorarbeiten. „Das Gute am Bachelor ist ja, dass man das Ziel vor Augen hat“, sagt er.

Das ist nun erreicht, doch das Studieren und die FernUni lässt er noch nicht endgültig aus den Augen. 2014 wird für Jens Eckebrecht ein studienfreies Jahr, er gönnt sich jetzt erstmal eine Pause. Besonders freut sich der Eisenacher auf den Frühling. Dann will er mit seinem Mountainbike regelmäßig durch den Thüringer Wald fahren. „Das ist die vergangenen Jahre leider immer etwas zu kurz gekommen“, sagt Eckebrecht. „Nicht mehr alles an Einsende- und Klausurterminen ausrichten zu müssen, ist schon sehr befreiend.“ Allerdings hat er sich längst wieder durch das Studienangebot der Hagener Hochschule geklickt und liebäugelt mit dem Master in Informatik. Eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte ist also nicht ausgeschlossen.

Stand: Januar 2014