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Mandy Goram

„Programmieren sollte als Chance begriffen werden“

Mandy Goram
Eine Frau steht auf dem Reichstag in Berlin, im Hintergrund ist das Kanzleramt zu sehen.
Mandy Goram besuchte den Reichstag in Berlin. (Foto: Mandy Goram)

Wissenshunger. Bildungsdurst. Das sind die Faktoren, die Mandy Goram antreiben. Mit Mitte 20 übernahm sie die Position als Leiterin des Bereichs Business Intelligence in einem mittelständischen pharmazeutischen Unternehmen, hat ihren Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsinformatik an der FernUniversität absolviert, sich nahtlos ins Masterstudium Praktische Informatik eingeschrieben und coacht nebenbei noch junge Frauen mit Interesse an MINT-Fächern. Seit dem Wintersemester belegt sie zudem Kurse der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Genau genommen ist Mandy Goram eingeschrieben. Wie sie das alles bewältigt?

Deutschlandstipendium für gute Leistungen

Sie zuckt leicht mit den Schultern. Es ist ,einfach‘ ihr fester Wille. Sie lernt ,eben‘ schnell. „Die Zeit, die ich fürs Studium investiere“, sagt sie, „investiere ich, um zu verstehen.“ Obendrein sind Gorams Leistungen so gut, dass sie ein Deutschlandstipendium bekommt.

Ihr Interesse an Informatik war schon früh sehr groß. Mit 13 machte Goram ein Praktikum in einem IT-Betrieb, in dem sie anschließend in den Sommerferien jobbte. Nach dem Abitur schloss sie eine Ausbildung zur Fachinformatikerin an. „Den klassischen Weg an die Uni konnte ich aufgrund familiärer Umstände nicht gehen“, sagt sie rückblickend.

Ausbildung und Studium

So erweiterte sie ihre Ausbildung um das Studium – ein steiniger Weg. Dennoch hielt sie durch und hatte rund anderthalb Jahre nach Ausbildungsende ihr Bachelorzeugnis Wirtschaftsinformatik in den Händen.

Nachdem sie ein paar Monate durchgeatmet hatte, schrieb sie sich für den Informatik-Master ein. Trotz ihrer Verantwortung hat Goram jetzt mehr Freiraum im Job. Zudem unterstützt sie ihr Chef. Die Position als Führungskraft bekam sie bereits mit ihrem Bachelorabschluss. „Das technisch-analytische Denken passt zu mir. Das hilft mir auch im Studium“, sagt sie.

Im Job sowieso: Ihre Schwerpunkte liegen in der strategischen und operativen Weiterentwicklung der unternehmensweiten Data Warehouse, Business Intelligence und Planungssysteme, um die angebundenen Unternehmensbereiche optimal mit Informationen zu versorgen. Sie entwickelt Verfahren und Prozesse, in denen Daten gesammelt und ausgewertet werden. Dazu muss die Informatikerin planen und priorisieren. Notfalls jeden Tag aufs Neue.

Interesse an Jura

Im Laufe ihres Berufslebens sind immer häufiger auch rechtliche Fragestellungen aufgetaucht, unter anderem spielen Datenschutz, Urheberrecht und Arbeitsrecht eine Rolle. Inzwischen hat Mandy Goram ihre Kreise an der FernUni noch größer gezogen und sich für Rechtswissenschaften eingeschrieben. „Für Jura habe ich mich ohnehin schon als Jugendliche interessiert.“

Neben Job und Studium findet Goram noch Zeit, junge Frauen im MINT-Bereich zu fördern. Sie ist selbst ein MINT-Vorbild, vor allem füllt sie als Informatikerin das „I“ neben Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Als Dozentin steht sie seit 2015 jährlich auf der „Informatica feminale“ Baden-Württemberg, der Sommerhochschule für Studentinnen und andere Interessierte.

Frauennetzwerke

Außerdem engagiert sie sich als Mentorin bei CyberMentor, Deutschlands größtes Online-Mentoring-Programm für Mädchen in MINT. Bis zu 800 Schülerinnen der 5. bis 12. Klasse werden ein Jahr von einer persönlichen Mentorin begleitet. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um Kontakte.

„Als Frau halte ich es für besonders wichtig zu netzwerken und sich gegenseitig zu unterstützen, um in der MINT-Branche Fuß zu fassen“, weiß Goram aus Erfahrung. „Natürlich sind auch männliche Kontakte wichtig. Eine Frau als Vorbild kann die Entscheidung für eine MINT-Karriere jedoch begünstigen.“

Auf ihrem eigenen Karriereweg hat ihr oft ein männlicher Kollege zur Seite gestanden. Selbst hat Goram zwei Mitarbeiterinnen. „Damit übererfüllen wir die Frauenquote in der IT-Abteilung“, lacht sie leicht selbstironisch. „Aus meiner Erfahrung heraus, unterschätzen Frauen häufig die Möglichkeiten, die ihnen das Programmieren bietet. In unserer Zeit ist es der Schlüssel neuer und innovativer Entwicklungen in Unternehmen und für neue Geschäftsmodelle.“

Anderen etwas beizubringen, selbst zu forschen und neue Wege zu gehen: Mandy Goram schließt eine Promotion nicht aus. „Ich habe für mich selbst den Wunsch, eigenständig, kritisch, verantwortungs- und selbstbewusst zu handeln. Dazu möchte ich auch andere befähigen“, unterstreicht sie ihr Engagement.

Durchhänger akzeptieren und Motivation hinterfragen

Wenn ihr bei all dem mal die Energie schwindet, „mache ich worauf ich gerade Lust habe, um den Kopf wieder frei zu bekommen.“ Ganz anders sieht sie Motivationsprobleme, die nicht durch eine kurze Auszeit zu beheben sind. „Wenn ich etwas nicht gerne mache, dann gebe ich mir weniger Mühe und werde fast zwangsläufig nichts bewirken können“, sagt sie. „Studiere und arbeite ich mit Freude und Leidenschaft, bin ich auch erfolgreich.“

Stand: Mai 2017

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